Menden/Köln - „Bruder, übernehmen Sie”: Priester aus Afrika und Asien

Solo Star Wars Alden Ehrenreich Kino Freisteller

„Bruder, übernehmen Sie”: Priester aus Afrika und Asien

Von: Yuriko Wahl, dpa
Letzte Aktualisierung:
Pfarrer Bernard Ukwuegbu
Der Pfarrer Bernard Ukwuegbu aus Nigeria steht in der St Augustinus Kirche in Menden bei Bonn am Altar. Bernard Ukwuegbu hat mehrere tausende Kilometer zurückgelegt, um im beschaulichen Menden nahe Bonn im Gotteshaus zu predigen. Foto: dpa

Menden/Köln. Bernard Ukwuegbu aus Nigeria hat tausende Kilometer zurückgelegt, um im beschaulichen Menden nahe Bonn ins Gotteshaus zu gelangen. Der afrikanische Priester ist Gast-Seelsorger in drei rheinischen Gemeinden mit 10.000 Katholiken, macht derzeit Urlaubsvertretung für den heimischen Geistlichen.

Im farbenfrohen Gewand feiert der 42-Jährige die Messe mit einigen Dutzend Gläubigen, schmettert „dank sei dir Vater”, liest aus dem Evangelium und plaudert danach beim Frauen-Kränzchen über Gott und die Welt. „Ich komme schon zum fünften Mal, fühle mich wohl hier, werde freundlich empfangen”, erzählt Ukwuegbu. Hunderte Priester aus aller Welt vertreten ihre Amtsbrüder in Deutschland alljährlich in den Ferien- Monaten bis September.

„Das ist eine gute Praxis, die sich bewährt hat”, sagt Manfred Nielen vom Erzbistum Hamburg, wo in diesem Sommer 40 ausländische Pfarrer im Einsatz sind. Im Bistum Münster betreuen 50 Geistliche etwa aus Indien, Uganda, Tansania oder Australien die Gemeinden. Internationales Flair bringen 49 Gäste vor allem aus Asien und Afrika auch ins Erzbistum Bamberg: „Das hat einen bleibenden positiven Effekt. Der Glaube der Priester aus anderen Ländern hat doch oft andere Nuancen, davon profitieren wir, das bereichert die Gemeinden”, erklärt Sprecherin Elke Pilkenroth. Im Erzbistum München und Freising machen sogar 200 Kollegen aus 28 Ländern Ferienvertretung.

„Oft fragen die Bischöfe an, ob ihre Priester bei uns Dienst tun können, und wir prüfen, ob und wohin sie passen”, erzählt Sprecher Christoph Heckeley vom Kölner Erzbistum, wo jeden Sommer rund 60 ausländische Geistliche die heimischen Pfarrer vertreten. Fast alle Diözesen bundesweit nutzen Gastpriester aus dem Ausland, teilweise schon seit Jahrzehnten. Bundesweite Zahlen zu den katholischen „Gastarbeitern” gibt es laut Bischofskonferenz nicht. In einigen der 27 Erzbistümer oder Bistümer haben die Urlaubsvertretungen bereits zu festen Gemeinde-Partnerschaften geführt.

„Es ist mir kein Fall bekannt, in dem es mal nicht geklappt hätte mit so einem Einsatz oder wo einmal Unmut in der Gemeinde laut geworden wäre”, sagt Heckeley. Viele Priester aus Osteuropa oder von anderen Kontinenten hätten in Deutschland studiert, seien mit Mentalität und Sprache gut vertraut. Auch Bernard Ukwuegbu promovierte - nach Magister-Abschluss in Washington - in Bonn, knüpfte viele Freundschaften in den Gemeinden.

„Ich mag die Schnelligkeit der Großstadt nicht, lieber die Dörfer hier, mit gutem Sozialsystem, Sauberkeit und wenig Kriminalität.” In Nigeria - von 140 Millionen Einwohnern sind etwa die Hälfte Christen - falle der Gottesdienst allerdings lauter und länger aus: „Der Ritus ist schon derselbe, aber bei uns singen alle laut mit, es wird geklatscht, es ist lebendig, und die Kirche ist dicht voll.” Ukwuegbu stammt aus dem Bistum Orlu im Osten Nigerias und lehrt dort als stellvertretender Leiter eines Priesterseminars in seinem Promotionsfach „Neues Testament”, wie er erzählt.

Seine Aufgaben in Deutschland: „Ich feiere die tägliche Heilige Messe, führe auch Trauergespräche mit Angehörigen, Beerdigungen gehören dazu, viele Begegnungen, aber keine Büroarbeit.” Untergebracht ist der afrikanische Geistliche in der Wohnung des Kaplans, sein Gehalt kommt vom Erzbistum. In der Regel übernehmen die Bistümer die Vergütung der Urlaubsvertreter und beteiligen sich an den Reisekosten, die Gemeinden sorgen für die Unterkunft. Auch im nächsten Jahr will sich der Theologe Ukwuegbu - er nennt sich der Einfachheit halber nur Pfarrer Bernard - wieder beim Kölner Erzbistum für eine Vertretung bewerben. „Ich bin doch schon ein Rheinländer.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert