Braunkohlegegner legen Kraftwerk lahm

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
tagebau
Höhenretter der Feuerwehr befreiten die Aktivisten, die sich am Förderband eines Bagger an einem Kohlebunker festgebunden hatten. Foto: Patrick Nowicki
weisweiler
Umweltaktivisten haben am Mittwoch die Kohlezufuhr zum Braunkohlekraftwerk Weisweiler besetzt. Die Polizei rückte mit Mannschaftswagen und Spezialfahrzeugen an. Foto: Ralf Roeger
weisweiler
Umweltaktivisten haben am Mittwoch die Kohlezufuhr zum Braunkohlekraftwerk Weisweiler besetzt. Die Polizei rückte mit Mannschaftswagen und Spezialfahrzeugen an. Foto: Ralf Roeger
weisweiler
Umweltaktivisten haben am Mittwoch die Kohlezufuhr zum Braunkohlekraftwerk Weisweiler besetzt. Die Polizei rückte mit Mannschaftswagen und Spezialfahrzeugen an. Foto: Ralf Roeger
weisweiler
Umweltaktivisten haben am Mittwoch die Kohlezufuhr zum Braunkohlekraftwerk Weisweiler besetzt. Die Polizei rückte mit Mannschaftswagen und Spezialfahrzeugen an. Foto: Ralf Roeger

Eschweiler. Im Internet konnte man die Aktion quasi in Echtzeit verfolgen: Die Umweltaktivisten der Gruppe „We shut down“, die am Mittwoch für einige Stunden das Kraftwerk Weisweiler lahmlegten, posteten Fotos und Videos ihrer Aktion. Wenig später wurde dann auch eine Erklärung im Internet veröffentlicht.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich schon 13 Personen in Polizeigewahrsam. Einige von ihnen hatten sich in der Nacht an einen Bagger der Kohlebunker am Kraftwerk abgeseilt und die Bandanlagen, die die Kohle von den Bunkern bis zu den Mühlen der Kesselanlagen transportieren, blockiert. Den letzten Aktivisten nahm die Polizei am Mittwoch gegen 13 Uhr in Gewahrsam. Er wurde von Höhenrettern der Feuerwehr Aachen von dem Bagger geholt.

Einen Teilerfolg konnten die Aktivisten verbuchen: Da die Kohlezufuhr gestoppt war, musste RWE die beiden 600-Megawatt-Blöcke und einen 300-Megawatt-Block zeitweise vom Netz nehmen. Wie RWE-Sprecher Guido Steffen betonte, sei die Stromversorgung der Region nicht gefährdet gewesen. Der Betrieb im Tagebau Inden, der das Kraftwerk Weisweiler mit Braunkohle bedient, konnte zwar weiterlaufen, weil er am regionalen Stromnetz angebunden ist, allerdings wurde während der Aktion keine Kohle zum Kraftwerk transportiert.

Gegen 19 Uhr war am Mittwochauch der letzte Block des Kraftwerks Weisweiler wieder am Netz. Die genaue Schadenssumme konnte Steffen noch nicht beziffern, er sprach aber von einer „beträchtlichen Höhe“.

Ob die Aktivisten sich juristisch verantworten müssen, ist ungewiss. Die Polizei konnte die Personalien am Mittwochnicht feststellen, weil die 13 Personen unter anderem die Fingerkuppen verklebt hatten und keine Ausweispapiere bei sich trugen. In einem Fall ist laut Polizei auch das Geschlecht nicht bekannt. Etwa die Hälfte wurde am Nachmittag wieder entlassen, wie der Aachener Staatsanwalt Jost Schützeberg bestätigte. Bei ihnen lag „lediglich der Verdacht des Hausfriedensbruchs vor“.

Den Anderen droht ein Verfahren wegen Hausfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und der Störung öffentlicher Betriebe. „Die Strafandrohung liegt bei der letzten genannten Straftat bei bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe“, teilte die Polizei mit. Laut Staatsanwaltschaft sollen einige Personen heute dem Haftrichter vorgeführt werden, eine Zahl wollte Schützeberg am Mittwoch nicht nennen. Wie die Menschen auf das Gelände gelangt sind, war am Mittwoch noch nicht bekannt. Nicht das ganze Areal ist mit Zäunen gesichert.

Nach Polizeiangaben war eine der festgenommenen Person am Fuß verletzt. „Wie diese Verletzung entstanden ist, bedarf noch der weiteren Klärung“, teilte die Polizei mit. Der Verletzte wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Ein anderer Aktivist gab an, ansteckend erkrankt zu sein, und kam unter polizeilicher Begleitung ebenfalls in ein Krankenhaus.

Unter dem Namen „Zucker im Tank“ wurde im Internet am Mittwoch dazu aufgerufen, die Aktivisten „mit Konfetti und heißem Tee willkommen zu heißen“. Auf der Homepage unter gleichem Titel ist auch ein Bekenntnis zu der Aktion zu lesen. Wörtlich heißt es dort: „Mit unserer Aktion zeigen wir: Der Ausstieg aus der Braunkohle bleibt notwendige Handarbeit und schon einige Wenige können die Zahnräder des Systems zum Erliegen bringen. Wir handeln, weil andere nur verhandeln.“

Der RWE-Konzern sieht dies anders. RWE-Sprecher Steffen nennt das Verhalten der Aktivisten „unverantwortlich“. In der dunklen Jahreszeit und bei Windstille werde der Braunkohlestrom dringend benötigt, weil die regenerativen Stromerzeuger kaum Energie liefern würden. Sämtliche Kraftwerke im Rheinischen Revier liefen aus diesem Grund auf Volllast.

In Weisweiler war zudem geplant, die Gasvorschaltturbinen ans Netz zu bringen, die seit 2013 eingemottet waren und erst vor wenigen Tagen wieder in Betrieb genommen wurden. „Wenn man in so einer Phase die Stromproduktion blockiert, ist das so, als setze man sich am ersten Ferientag im Sommer auf die Autobahn 4“, meinte Steffen. Das Unternehmen überlege nun Strategien, solche „Sabotageakte“ (O-Ton Polizei) zu verhindern.

Die Aktion in Weisweiler am Mittwoch und die Proteste am Tagebau Hambach stehen im Zusammenhang mit dem Weltklimagipfel in Bonn, der morgen endet. Die Gruppe „We shut down“ bezieht sich in ihrem Bekennerschreiben ausdrücklich darauf: „Während Repräsentanten über angebliche Klimaschutzziele verhandeln, läuft nur wenige Kilometer vom Tagungsort die Braunkohleverstromung unentwegt weiter.“

Leserkommentare

Leserkommentare (31)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert