Brandstiftung in der Feuerwache: Tatvorwurf versuchter Mord

Von: Karl Stüber
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angeklagter Puffendorf Feuerwache verpixelt
Prozessauftakt: Ein 31-Jähriger aus Sachsen-Anhalt – hier mit seinem Verteidiger Volker Herbst (r.) – steht wegen Brandstiftung und versuchten Mordes in Aachen vor Gericht. Foto: Karl Stüber
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Brandstiftung in der Feuerwehrwache Puffendorf: Kameraden waren im Mai vergangenen Jahres schnell vor Ort. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Baesweiler. Dem 31-Jährigen, der im Mai vergangenen Jahres in der Wache der Puffendorfer Wehr Feuer gelegt haben soll, droht als Maximalstrafe das Urteil „lebenslänglich“. Denn der Tatvorwurf umfasst nicht nur besonders schwere Brandstiftung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Bedrohung, sondern auch gefährliche Körperverletzung und vor allem versuchten Mord.

In der Nacht vom 26. auf 27. Mai entkamen zwei Feuerwehrleute nur mit Not dem gefährlichen Rauchgas, das die Wache in Folge der Brandstiftung füllte.

Die erste Schwurgerichtskammer des Landgerichts Aachen unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen will in fünf Verhandlungstagen zu einem Urteil kommen. Dabei dürfte es nicht nur um den Nachweis der Schuld, sondern wohl auch um den Grad der Schuldfähigkeit und ein entsprechendes Gutachten gehen. Denn es war offenbar Alkohol im Spiel. Zudem könnte die Persönlichkeit des Angeklagten in die Bewertung einbezogen werden.

Auf Montage in der Region

Am ersten Verhandlungstag ging es erst einmal um die Verlesung der Anklage durch Staatsanwältin Melissa Hilger und die Belehrung des Angeklagten durch den vorsitzenden Richter. In die Beweisaufnahme wird die erste Schwurgerichtskammer erst am nächsten Verhandlungstag (24. April) eintreten.

Der aus Sachsen-Anhalt stammende Beschuldigte, der durch Rechtsanwalt Volker Herbst aus Bernburg verteidigt wird, hielt sich seinerzeit offenbar aus beruflichen Gründen in der Region auf. Herbst sprach von Montagearbeiten. Wie der Monteur letztlich am Abend des 26. Mai den Weg nach Puffendorf in die Feuerwache „fand“, wurde beim Verlesen der Anklage noch nicht klar.

Jedenfalls soll er in später Nacht im kleineren Kreis in der Feuerwehrwache ein Glas Bier getrunken haben, auch mit den beiden später knapp dem Tod entkommenden Feuerwehrleuten, wie die Staatsanwältin sagte. Vielleicht hatte der Angeklagte zuvor die Veranstaltung des Schützenvereins St. Laurentius Puffendorf 1861 besucht. Dort ging es um den Vogelschuss. Der entscheidende Treffer gelang dem zweiten Brudermeister, ein Feuerwehrmann und Mitglied des Puffendorfer Löschzugs.

Auf dem Dorf kennt und hilft man sich, auch bei Festen. Vielleicht war der Monteur nach Ende der Veranstaltung einfach nur ein paar Meter weiter in die Feuerwache mitgekommen – auf ein letztes Glas. Klarheit sollen die anstehenden Zeugenaussagen auch der beiden in Mitleidenschaft gezogenen Feuerwehrleute bringen.

Die Feuerwache Puffendorf verließ der Beschuldigte wohl gegen 1.30 Uhr, trug die Vertreterin der Anklage vor. Zwischen 1.40 und 2 Uhr soll er sich wieder Zugang verschafft haben. Dann habe er in zwei dort abgestellten Einsatzwagen, genauer in den Fahrerkabinen Feuer gelegt habe. Zum einen, indem er die Sitzpolster anzündete, zum anderen, indem er die Warnweste des Zugleiters in Brand setzte. Zu der Zeit hielten sich die beiden Feuerwehrleute noch im ersten Stock auf.

Wie der Leiter der Baesweiler Feuerwehr, Dieter Kettenhofen, am Tag nach der Brandstiftung unserer Zeitung sagte, konnten die beiden Feuerwehrleute durch das Aufsetzen von sogenannten Fluchthauben gerettet werden.

Der Täter soll zudem aus einem Spind unter anderem eine Bohrmaschine und vier Fernsprechgeräte mitgenommen haben, sagte Staatsanwältin Hilger. Der Stadt Baesweiler sei ein Schaden in Höhe von 10.000 Euro entstanden. Um 2.25 Uhr, so steht es weiter in der Anklageschrift, habe der Beschuldigte mehrere Funksprüche abgesetzt. Dort soll er gesagt haben: „Ich kriege euch alle, ihr Schweine. Ihr werdet alle sterben.“ Zudem habe er Wehrleute als „Loser“ (Verlierer) und „Hurensöhne“ beschimpft. Ein Motiv wurde nicht genannt.

Unerwähnt blieb beim Verhandlungsauftakt, wie die Ermittler dem 31-Jährigen auf die Spur kamen. Laut Staatsanwaltschaft Aachen war seine DNA am Tatort gefunden worden. Er muss also bereits in der Vergangenheit polizeilich in Erscheinung getreten sein.

Nach Ausstellung des Haftbefehls am 23. September 2016 wurde er wenige Tage später festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Ein „Verständigungsgespräch“ der beteiligten Seiten zur Konkretisierung der weiteren Prozessführung hat es bislang nicht gegeben, wie Richter Klösgen feststellte.

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