Aachen - Brand-Tragödie nahm unbemerkt ihren Lauf

Brand-Tragödie nahm unbemerkt ihren Lauf

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
Feuer Lütticher
Die drei beim Brand in Aachen gestorbenen Kinder haben mit dem Feuer gespielt und so die Katastrophe ausgelöst. Darauf deute alles hin, erläuterte die Polizei am Freitag das Ergebnis von Sachverständigen. Foto: dpa

Aachen. Die Spuren sind gründlich ausgewertet worden, die überlebenden Angehörigen gehört worden. Die schreckliche Wahrheit ist nach dem Stand der Ermittlungen: Der verheerende Brand, bei dem am Mittwoch in Aachen drei kleine Kinder ums Leben gekommen sind, ist offenbar von ihnen selbst ausgelöst worden.

Demnach war das Feuer im Kinderzimmer im ersten Obergeschoss der Doppelhaushälfte ausgebrochen. Ein technischer Defekt könne an dieser Stelle „sicher ausgeschlossen” werden, teilte die Polizei mit. „Es gab da keine Elektrogeräte und auch sonst nichts, was einen Brand hätte auslösen können”, sagte Polizeisprecherin Sandra Schmitz. Für die Ermittler „deutet alles darauf hin, dass die drei Kinder dort mit Feuer gespielt und das Unglück ausgelöst haben”.

Als der Brand ausbrach, waren die drei Brüder im Alter von zwei, vier und fünf Jahren alleine in ihrem Kinderzimmer, die Eltern und ein einjähriges Kind hielten sich im Erdgeschoss auf. Für sie unbemerkt griff das Feuer, das in der Nähe eines Kinderbettes entstanden war, auf das Mobiliar über und wuchs sich zu einem Zimmerbrand aus. Die Kinder flüchteten durch einen kleinen Flur und eine Treppe nach oben in ein weiteres Kinderzimmer im Dachgeschoss. Dort wurden sie später tot geborgen.

Helfen konnte ihnen im Dachgeschoss niemand mehr. Der 27-jährige Vater hatte noch verzweifelt versucht, sich mit einem Feuerlöscher einen Weg zu seinen Söhnen zu bahnen. Doch gegen die giftigen Rauchwolken und die große Hitze hatte er keine Chance. Auch Feuerwehr und Polizei waren schnell vor Ort, dennoch kam für die Kinder im Erdgeschoss jede Hilfe zu spät.

Womit die drei Brüder gezündelt haben, konnten die Brandermittler nicht feststellen. Sie hatten akribisch den Brandschutt aus dem nahezu zerstörten Haus an der Lütticher Straße untersucht. Laut Polizei fanden sie keine Rückstände, die Aussagen darüber zulassen, was die Kinder angezündet haben.

Seit der Brandkatastrophe sind die Eltern mit dem Kleinkind bei Bekannten in Aachen untergebracht, die neunjährige Tochter und der achtjährige Sohn, die während des Unglücks in der Grundschule waren, leben derzeit bei den Großeltern außerhalb Aachens. Eine Unterkunft für die Familie sei „gesichert”, erklärte Rita Klösges vom städtischen Presseamt. Wann sie dort einziehe, sei aber noch offen. Die Familie werde von einem Notfall-Seelsorger betreut. Sollte der signalisieren, dass ein Umzug sinnvoll sei, stehe der städtische Fachbereich Soziales bereit.

Seelsorgerische Angebote gibt es auch bei der Polizei. „Die kann man auch später noch in Anspruch nehmen”, betont Sprecherin Sandra Schmitz. Oft merkten die Beamten erst nach einiger Zeit, dass die Eindrücke solcher Einsätzen sie nicht losließen. Das gelte auch für Nachbarn oder Zeugen. Sollte es weitere Menschen geben, die seelsorgerische Betreuung wünschen, könne die Polizei das veranlassen. Der Ansprechpartner dafür ist bei der Kripo unter ? 0241/9577-31101 zu erreichen.

Die Welle der Hilfsbereitschaft ist groß. Nicht nur bei der Stadt gehen Angebote ein, auch beim Hilfswerk „Menschen helfen Menschen” unserer Zeitung ist die Solidarität spürbar. Ein Spendenkonto ist eingerichtet. Unter dem Verwendungszweck „Brandopfer” werden ab sofort Geldspenden angenommen. Das Geld wird der Familie ohne Abzüge und so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt. Auch die Stadt, die Sparkasse und viele Einrichtungen und Initiativen vor Ort beteiligen sich an diesem Spendenaufruf.

Spendenkonto für die Familie

Das Hilfswerk „Menschen helfen Menschen” unserer Zeitung hat ein Spendenkonto (Konto 776666 bei der Sparkasse Aachen BLZ 39050000) für die Familie aus Aachen eingerichtet.

Unter dem Verwendungszweck „Brandopfer” werden ab sofort ausschließlich Geldspenden angenommen. Das Geld wird der Familie ohne Abzüge und so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt. Wir werden von Zeit zu Zeit dokumentieren, wofür die Spendengelder verwendet worden sind.

„Menschen helfen Menschen” unterstützt seit 1984 Menschen aus unserer Region, die unverschuldet in Not geraten sind.
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