Bonns Oberbürgermeisterin Dieckmann tritt nicht mehr an

Von: Markus Peters, ddp
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Bonns Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann tritt bei der Kommunalwahl im August nicht mehr an. Foto: ddp

Bonn. In diesen Tagen wirkt Bonns Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) alles andere als sentimental. Am 30. August wird ihr Nachfolger gewählt; wenn dieser im Herbst sein Amt antritt, geht für Bonn eine Ära zu Ende.

„Es ist immer besser, einige Jahre zu früh, als einige Sekunden zu spät zu gehen”, meinte die 60-Jährige, als sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit verkündete.

15 Jahre prägte Dieckmann die regionale und überregionale Wahrnehmung der ehemaligen Bundeshauptstadt. 1994 hatte sie völlig überraschend Amtsinhaber Hans Daniels (CDU) abgelöst, der zuvor nahezu 20 Jahre Oberbürgermeister gewesen war. Eine gewaltige Aufgabe wartete auf die zierliche Gymnasiallehrerin. Der Umzug der Regierung nach Berlin war bereits beschlossene Sache, nun galt es, die Weichen für Bonn neu zu stellen.

Das ist, so glauben viele Beobachter, der macht- und selbstbewussten Politikerin weitgehend gelungen. Die zahlungskräftigen Unternehmen Telekom und Post sind der Stadt erhalten geblieben, zahlreiche Neuansiedlungen, eine leistungsstarke Universität und ein attraktives Kultur- und Tourismusangebot lassen Bonn heute gut aussehen.

Sieben Kandidaten bewerben sich nun um die Nachfolge von Dieckmann, doch nur den Bewerbern von SPD und CDU, Jürgen Nimptsch und Christian Dürig, werden realistische Chancen eingeräumt.

Den 55-jährigen Gesamtschulleiter Nimptsch halten viele Bonner Sozialdemokraten für einen Glücksgriff. Er macht in der Öffentlichkeit eine gute Figur und hat die von ihm geleitete Gesamtschule zum bundesweit beachteten Vorzeigeobjekt gemacht. Privat leitet er den traditionellen Kölner Männer-Gesang-Verein, dessen karnevalistischen Operetten alljährlich vor ausverkauftem Haus gespielt werden.

Auf seinen Wahlplakaten verzichtet Nimptsch derzeit konsequent auf jeden Hinweis auf seine Partei. Er sehe sich als Kandidat für alle Bonner, beteuert er, mit den derzeit verheerenden Umfragewerten für die Bundes-SPD habe der Verzicht auf das Parteilogo nichts zu tun.

Eine Taktik, mit der die Bonner SPD einige Übung hat. Schon Dieckmann hatte bei ihrer letzten erfolgreichen Kandidatur die drei roten Buchstaben für ihre Partei durch ein neutrales gelbes Herz ersetzen lassen.

Zum Problem für Nimptsch könnte die Oberbürgermeisterkandidatur der Bonner Grünen werden. Ihr Bewerber Peter Finger ist durch langjähriges kommunalpolitisches Engagement bekannt und könnte deshalb dem SPD-Hoffnungsträger dringend benötigte Stimmen abziehen.

Die Bonner CDU hat ihren Kandidaten im benachbarten Meckenheim gefunden. Post-Manager Dürig war in der Endphase der Ära Kohl von 1997 bis 1999 Bundesgeschäftsführer der CDU. Dem 57-Jährigen wird ein ausgezeichneter Draht zu Ministerpräsident und CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers nachgesagt.

Vor einem klassischen Eigentor im Wahlkampf hat ihn das allerdings nicht bewahrt. So kündigte er an, im Fall seiner Wahl den Dienstsitz des Oberbürgermeisters vom pittoresken Alten Rathaus in das nur wenige hundert Meter entfernte Stadthaus zu verlegen, wo die kommunale Verwaltung sitzt. Nach seiner Einschätzung bleiben auf dem Weg zwischen beiden Häusern zu viele Informationen auf der Strecke.

Damit machte sich Dürig ungewollt die Argumente derjenigen zueigen, die einen Komplettumzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin fordern. Denn auch von ihnen wird der mangelnde Informationsfluss zwischen beiden Dienstsitzen gerügt. In Bonn kam die Forderung Dürigs jedenfalls nicht gut an.

Offensiv geht sein Kontrahent Nimptsch mit der Umzugsproblematik um. Er lud zu seinem Wahlkampfauftakt ausgerechnet den in Bonn eher unbeliebten Regierenden Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), ein. Dieser versprach, trotz allen Werbens um die Bonner Ministerien den Umzugsbeschluss des Bundestages zu respektieren.

Dieckmann kann die Bemühungen ihrer potenziellen Nachfolger gelassen verfolgen. Als Präsidentin der Welthungerhilfe wird sie auch nach dem Ende ihrer kommunalpolitischen Laufbahn in der Öffentlichkeit präsent sein.
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