Bonner Kongress-Desaster: Investor Kim will kein „Sündenbock” sein

Von: Edgar Bauer, dpa
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Der Hauptangklagte, der Südkoreaner Man-Ki Kim (links), unterhält sich im Gerichtsaal des Landgerichtes in Bonn mit seinen Verteidigern Walter Graf (Mitte) und Philipp Horrer. Vor dem Bonner Landgericht beginnt der Prozess um das Finanzdesaster und die Insolvenzen beim Bau des Bonner Konferenzzentrums WCCB. Kim war als privater Investor aufgetreten, ihm fehlte aber das erforderliche Eigenkapital. Kim wird Betrug, Untreue und Bestechung vorgeworfen. Der unfertige Bau des Konferenzzentrums im früheren Regierungsviertel wurde vor zwei Jahren gestoppt. Foto: dpa

Bonn. Im Prozess um das Millionendesaster beim Bonner Konferenzzentrum WCCB hat der Hauptangeklagte Man-Ki Kim die Betrugsvorwürfe zurückgewiesen.

Der südkoreanische Investor sei nicht bereit, sich zum „strafrechtlichen Sündenbock” für den Skandal bei dem Großbau machen zu lassen, erklärte sein Verteidiger am Freitag beim Prozessauftakt vor dem Landgericht in Bonn. Verantwortliche der Stadt gehörten ebenfalls auf die Anklagebank.

Dem 51-jährigen Kim wird Betrug, Untreue und Bestechung vorgeworfen. Er soll die Stadt Bonn mit seiner Firma SMI Hyundai „wahrheitswidrig” zwischen 2005 und 2009 über seine Finanzkraft getäuscht haben und so Insolvenzen mitverursacht haben, die vor zwei Jahren zum Baustopp führten.

Laut Anklage hat Kim „nicht ansatzweise” über das geforderte Eigenkapital in Höhe von 40 Millionen Euro verfügt. Er habe vorgetäuscht, hinter seiner Firma stehe der südkoreanische Großkonzern Hyundai. Seine Absicht sei es gewesen, sich „Vermögensvorteile” aus dem Großprojekt zu verschaffen und dabei auch von öffentlichen Geldern zu profitieren. Wie viel Kim dabei in einem Dickicht an Finanztransfers möglicherweise in die eigene Tasche gesteckt haben könnte, blieb im Dunkeln.

Der Südkoreaner, der seit seiner Auslieferung aus den USA seit neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt, erschien in dunklem Anzug und mit entspannter Miene vor Gericht. Für ihn gab sein Verteidiger Walther Graf eine Erklärung ab. Darin warf er Verantwortlichen der Stadt mit der damaligen Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) an der Spitze vor, sie hätten sich Kim „an den Hals geworfen”.

Sein Mandant sei mit SMI Hyundai durchaus in der Lage gewesen, das Projekt zu stemmen, betonte Graf. Das Konzept sei „wirtschaftlich tragfähig” gewesen. Kim seien allerdings „Managementfehler” ohne strafrechtliche Relevanz unterlaufen, und er habe Probleme bei Bankbürgschaften gehabt. Er habe aber „bis zuletzt” für den Erfolg des Projekts gekämpft.

Mit Kim sind ein früherer Berater der Stadt, ein Rechtsanwalt Kims sowie ein Rechtsberater angeklagt. Auch sie schwiegen und überließen Erklärungen ihren Anwälten. Der Verteidiger des städtischen Beraters wies Bestechungsvorwürfe zurück.

Der Bau mitsamt Hotel im früheren Regierungsviertel neben dem UN-Campus musste vor zwei Jahren nach Pleiten gestoppt werden. Über einen Weiterbau gibt es bei unklarer Finanzlage noch keine Verständigung. Die ursprünglich veranschlagten Kosten von rund 140 Millionen Euro sind inzwischen auf mehr als 200 Millionen Euro explodiert. Das WCCB sollte den UN-Standort Bonn schmücken und als Ort für große internationale Konferenzen dienen.
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