Bombardier: Aus scheint besiegelt

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Betretene Mienen: Unter andere
Betretene Mienen: Unter anderem Aachens OB Marcel Philipp (Mitte) und NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (rechts) waren nach den Gesprächen mit der Bombardier-Spitze fassungslos. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Selten bis nie hat man Aachens OB Marcel Philipp (CDU) und NRW-Arbeitsminister Gun-tram Schneider (SPD) derart fassungslos vor die Öffentlichkeit treten sehen.

Da lagen gerade drei Stunden lange Gespräche mit der Konzernleitung von Bombardier im Aachener Rathaus hinter ihnen. Auch die anwesenden Bundes- und Landtagsabgeordneten, Bürgermeister niederländischer Gemeinden, Gewerkschafter, Betriebsräte und viele mehr blickten konsterniert in Kameras und in die Gesichter von rund 100 Mitarbeitern der ehemaligen Waggonfabrik Talbot, die den Bombardier-Plänen zufolge Mitte nächsten Jahres geschlossen werden soll. 600 Jobs wären verloren. Und nach dem gestrigen Runden Tisch zeichnet sich klar ab: Das Ende der 174 Jahre alten Fabrik scheint besiegelt.

Eigentlich sollte es darum gehen auszuloten, unter welchen Umständen der Schließungsbeschluss rückgängig zu machen sein könnte. Philipp stellte hinterher verärgert fest: „Die Konzernleitung hat keine Idee ernsthaft aufgegriffen.” Und der verärgerte OB fügte hinzu: „Jetzt bekommt der Begriff Kampf eine andere Bedeutung.”

Minister Schneider bezeichnete das Vorgehen von Bombardier als „unternehmerisch grob fahrlässig” vor dem Hintergrund, dass „eine Renaissance der Schiene” vorausgesagt werde - auch von Michael Clausecker, dem Präsidenten des Verbandes der Bahnhersteller. Er ist zugleich Deutschlandchef von Bombardier und saß am Mittwoch mit am Tisch. Schneider sagte, das Aachener Werk sei rentabel, dem Unternehmen fehle es jedoch offenbar an einem „durchdachten unternehmerischen Konzept”.

OB Philipp erklärte, am Ende des Gesprächs wisse man nicht einmal, ob weitere Gespräche Sinn machten. Ein Bombardiersprecher hingegen sagte, die Gespräche seien „sehr konstruktiv” gewesen, was ihm aus Reihen der Teilnehmer den Zwischenruf einbrachte, er habe wohl „Wahrnehmungsstörungen”. Während die Konzernleitung, begleitet von Bodyguards, durch eine Hintertür von dannen zog, kündigten der Betriebsrat und die IG Metall vor dem Rathaus ab Montag einen verschärften Kampf gegen die Schließung an. Es sei klar geworden, dass Bombardier die Mitarbeiter „an der Nase herumführen” wolle. Derzeit werden in Aachen zwei termingebundene Großaufträge abgearbeitet. Werden sie nicht fertig, drohen dem Konzern hohe Konventionalstrafen.
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