Blutiges Drama an der A4: Hinweise auf den Toten

Von: Claudia Schweda
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Blaulicht
Drei Verletzte und ein Toter: Ein vollkommen unauffälliger Mann hat in der Nacht zum Montag auf drei Männer eingestochen. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Nach dem tödlichen Drama an der A4 bei Düren hat die Polizei erste Hinweise auf die Identität des Toten. Er kam möglicherweise aus Irland oder Großbritannien. Darauf deutet ein Dokument einer Haftanstalt hin, das er bei sich hatte. Er hatte am Montag drei Menschen in Aachen und dem Parkplatz niedergestochen und war dann selbst überfahren und getötet worden.

Am Ende der Nacht liegen drei Männer schwer verletzt im Krankenhaus, einer ringt noch am Abend mit dem Tod. Ein Unbekannter hat auf seinem Weg von Heerlen nach Düren nacheinander auf die drei Männer eingestochen. Warum, das wird möglicherweise nie geklärt. Denn nach seinen furchtbaren Taten läuft er auf die A 4 bei Düren. Ein Pkw erfasst ihn, der Mann ist sofort tot.

Es ist 2.50 Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag. Dabei hatte alles ganz harmlos begonnen: Ein griechisches Lokal in der Heerlener Innenstadt nahe des Bahnhofs bestellte etwa um 0.30 Uhr ein Taxi für einen Gast. Ein Englisch sprechender Mann um die 30, der Unbekannte, stieg zu dem erfahrenen 53-jährigen Taxifahrer aus Heerlen. Er habe auf den Fahrer einen vollkommen normalen Eindruck gemacht, sagt Fritz Ruijters, Inhaber des Taxiunternehmens am Morgen nach der Tat. Deswegen habe der Fahrer sich die 50 Euro für die Fahrt nicht vorab geben lassen, wie bei solchen Strecken eigentlich üblich.

Der Fremde habe von 100 Euro geredet, ob der Fahrer die wechseln könne, erzählt Ruijters. Ja, das werde man dann später machen, habe der Fahrer gesagt. Sie führten ein normales, nettes Gespräch während der Fahrt. Plaudereien. Der Fahrer erinnert sich später an nichts Auffälliges. Der Mann habe keinen betrunkenen Eindruck gemacht. Auch von Drogen keine Spur. In Aachen dann habe der Mann plötzlich am Veltmannplatz nahe des Ponttors aussteigen wollen. „Stopp mal hier! Ich will hier raus“, habe er auf Englisch gesagt. „Moment! Du musst noch zahlen“, rief der Fahrer ihm nach.

Er stieg aus und ging auf ihn zu. Da hatte er schon die Klinge im Bauch. Die Wunde ist sieben Zentimeter tief und drei Zentimeter breit. Verletzt schleppte der Taxifahrer sich zu einem Taxi. Der Kollege rief sofort Polizei und Notarzt. Noch in der Nacht verschlechterte sich sein Zustand, er wurde operiert. Ein paar Stunden später ging es ihm „den Umständen entsprechend gut“, sagte sein Chef später.

Der Täter war geflohen. Nicht weit weg, nur wenige Meter entfernt, in der Saarstraße, dem Außenring der Stadt, traf er auf sein nächstes Opfer: einen 49-jährigen Anwohner, der um diese Zeit – gegen 1 Uhr – sein Auto umparken wollte. „Warum, wissen wir nicht“, sagt Staatsanwalt Jost Schützeberg. Was die Ermittler wissen, ist, dass der Unbekannte den Aachener berauben wollte. Er forderte Geld. Der 49-Jährige weigerte sich. Wieder zog der Unbekannte sein Messer, stach mehrmals auf den Mann ein und verletzte ihn schwer.

Der Täter setzte seine Flucht fort und stieg keine 100 Meter entfernt in das Taxi von Hamid Nazary, Mitglied im Vorstand der Aachener Droschkenvereinigung. Doch dem bewaffneten Mann schien zu diesem Zeitpunkt klar geworden zu sein, dass er etwas begonnen hatte, das er nicht mehr im Griff hatte.

„Er erschien mir nervös“, sagt Nazary, „sonst aber ganz normal.“ Er habe andere Fälle erlebt, bei denen ihm sofort mulmig geworden sei, weil ihm die Menschen aggressiv oder die Situation merkwürdig vorkam. „Aber das vorige Nacht, das schien harmlos.“ Ein gepflegter Mann, frisch rasiert, mit T-Shirt und schwarzer Hose bekleidet, setzte sich neben ihn und habe etwas von Sex und Mädchen gesagt. Aber nicht in Aachen, dort würde sein Vetter leben.

Nach einigem Hin und Her sollte Nazary ihn zu einem Club nach Düren bringen. Auf der Fahrt erzählte der Unbekannte, dass er aus Irland und auf der Reise sei. Nichts Ungewöhnliches also. Doch als er während der Fahrt auf die Toilette wollte, den Fahrer aber vehement davon abhielt, an der Raststätte Aachen-Land zu halten, dachte Nazary sich zum ersten Mal: „Da ist was im Busch.“

Der Parkplatz Rurscholle an der A4 kurz vor Düren ist die nächste Gelegenheit. Während der Unbekannte draußen war, erschien auf dem Taxidisplay die Warnung: Die Polizei suche einen gefährlichen, bewaffneten Mann, etwa 30 Jahre alt, 1,75 Meter groß, sehr kurzes, blondes Haar. Nazary erfasste die Situation sofort. Er zögerte nicht, gab Gas und ließ den Unbekannten auf dem Parkplatz zurück. Es war 1.45 Uhr, als Nazary die Polizei informierte.

Was dann auf dem Parkplatz geschah, weiß niemand. Es gibt keine Zeugen. Erst als die Polizei zur Unfallaufnahme kam, weil ein Mann, der im Dunkeln auf die Autobahn gelaufen ist, überfahren wurde, fand sie einen blutüberströmten Lkw-Fahrer aus Estland lebensgefährlich verletzt auf dem Parkplatz. Wollte der Messerstecher mitgenommen werden? Oder wollte er wieder Geld?

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