„Blogger für Flüchtlinge“: Neue Netzwerke des Helfens formen sich

Von: Marc Heckert
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Ein Netzwerk des Helfens: Das Logo der Initiative „Blogger für Flüchtlinge“. Grafik: Desirée Themsfeldt
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Werden von den Bloggern unterstützt: Ehrenamtliche der Initiative „Moabit hilft“ verteilen Essen und Getränke an Flüchtlinge auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Berlin. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Aachen/Berlin. Es ist viel geschrieben worden in den vergangenen Tagen über den Hass im Internet. Über bösartige Verleumdungen, absurde Lügen und plumpe Fälschungen, die den Ton in der Flüchtlingsdebatte vergiften. Doch auch das genaue Gegenteil gibt es in der Digitalwelt: Netzwerke des Helfens und des Vermittelns formen sich an vielen Orten. Etwa beim Projekt „Blogger für Flüchtlinge“.

Mehr als 2000 Unterstützer aus ganz Deutschland hat die neue Aktion in den vergangenen vier Wochen bereits mobilisieren können – eine Art digitaler Graswurzelbewegung.

Die Mitglieder, allesamt Betreiber von Blogs, privaten Webjournalen, tauschen Tipps und Erfahrungen über Flüchtlingshilfe aus, versorgen sich mit Informationen und Fundstellen, helfen sich und machen sich Mut. Noch beeindruckender als die rasant steigende Mitgliederzahl ist das Ergebnis der Spendenkampagne: Rund 110.000 Euro sind in kürzester Zeit zusammengekommen, die an verschiedene Hilfsprojekte weitergeleitet werden.

Facebookseite als Verteiler

Auf der Facebookseite der Aktion laufen die Fäden zusammen – im Minutentakt manchmal. Da wird gefragt, beantwortet, gezeigt, erklärt oder sich einfach nur über erfolgreiche Aktionen anderer gefreut. Informationen über Hilfsprojekte oder Materialien werden geteilt. Etwa, wo es Lehrmaterial für Deutschunterricht gibt oder wo der Ratgeber „Hilfe für Flüchtlinge“ der Stiftung Warentest zu finden ist, der hilfsbereiten Bürgern Tipps an die Hand gibt. Oder welche Ratschläge die Verbraucherzentrale in Sachen Versicherungsschutz für Helfer hat. Oder wie die App „Refunite“ funktioniert, die Flüchtlingen helfen soll, verlorene Angehörige wiederzufinden.

Auf der Pinnwand berichtet etwa eine Bloggerin, wie eine Spende von mehreren Hundert Regenschirmen organisiert wurde – und die Initiatorin zum Dank von den Flüchtlingen zum Tee eingeladen wurde.

„Herzlich Willkommen an alle Neuen“, begrüßte am Mittwoch Märry Rauhfuß, eine der Administratorinnen der Facebookseite, das 2000. Mitglied. Um gleich noch, weil es ja immer auch um tatkräftige Hilfe geht, den Berlinern unter den Mitstreitern mit auf den Weg zu geben: „Schaut doch, ob ihr Regenponchos, Müsliriegel und Bananen für die Wartenden am LaGeSo [Landesamt für Gesundheit und Soziales, die Red.] über habt, und bringt sie dort vorbei!“

Bei der Aktion kann jeder mitmachen, der ein Blog hat – egal, was dessen Thema ist. Unter den Teilnehmern sind etwa Elternblogger, Kochblogger, Modeblogger, Do-it-Yourself-Blogger, Technik-Blogger, Journalistenblogger und Politblogger.

Und wie macht man mit? „Sage, warum es wichtig ist, dass wir uns alle um die Flüchtlinge kümmern. Verweise auf diese Spendensammlung“, heißt es in der Anleitung auf www.blogger-fuer-fluechtlinge.de.

Eine, die das tut, ist die Aachener IT-Unternehmerin Andera Gadeib. Warum? „Wenn ich eins gelernt habe: Dass Vielfalt wichtig ist“, sagt die Geschäftsführerin dreier Firmen, unter denen auch die Marktforschungsagentur Dialego ist.

„Ich bin in meiner wunderbaren Multikulti-Familie groß geworden, die mir ein ordentliches Wertegerüst mitgegeben hat“, schreibt die Tochter einer katholischen Deutschen und eines muslimischen Syrers in einem Beitrag in ihrem Blog www.anderagadeib.de. Flucht und Vertreibung sind allerdings schon eine Generation zuvor Teil ihrer Familiengeschichte geworden. „Meine Oma gehörte zu den Vertriebenen aus Schlesien, das heißt, sie hat zu Kriegszeiten ihre Heimat mit fünf Kindern an der Hand verlassen und musste sich alles neu aufbauen.“

„Migranten in den USA gefeiert“

Heute ist Andera Gadeib Mitglied im Beirat Junge Digitale Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium und im Wirtschaftsrat Deutschland. Als bekennende Vollblut-Unternehmerin hebt sie die Bedeutung von Migranten für die Wirtschaft hervor. „In den USA werden Migranten als wichtige Gruppe gefeiert, nicht zuletzt, weil sie einen relevanten Wirtschaftsfaktor darstellen“, schreibt sie in ihrem Blog.

Im Beitrag „Anleitung zum Glücklichsein“, mit dem sie für „Blogger für Flüchtlinge“ wirbt, wirft sie einen optimistischen Blick in die Zukunft. Noch optimistischer ist sie, was die Möglichkeiten des Internets angeht, Hilfe zu organisieren: „Ich glaube, dass wir gerade erst am Anfang stehen.“

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