Blitz-Marathon: Polizisten loben, Experten tadeln

Von: Udo Kals
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Im Auge des Gesetzes: Beim 24-
Im Auge des Gesetzes: Beim 24-stündige Blitz-Marathon sind in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mehr als 820 000 Fahrzeuge kontrolliert worden, rund 30 000 Fahrer waren zu schnell unterwegs. Foto: dpa

Aachen/Düsseldorf. An den schnellsten Raser, der in NRW beim inzwischen dritten „Blitz-Marathon” auf einer Autobahn bei Düsseldorf mit 176 statt der erlaubten 60 Stundenkilometer gemessen worden ist, reichen die Knipserprotokolle in der Region zwar nicht heran.

Doch auch in der Städteregion Aachen sowie in den Kreisen Düren und Heinsberg hat es bei der 24-Stunden-Aktion so manchen Autofahrer gegeben, der mit dem Fuß auf dem Gaspedal erwischt worden ist. Rund 800 in Stadt und Städteregion Aachen, mehr als 874 im Kreis Düren und weitere knapp 400 im Kreis Heinsberg. Somit müssen bei fast 40.000 kontrollierten Fahrzeugen mehr als 2000 Autofahrer zum Teil ziemlich tief in ihr Portemonnaie greifen, wobei der Dürener Polizeisprecher Willi Jörres den traurigen Spitzenwert vermeldete: „In der Ortschaft Mariaweiler haben wir einen Autofahrer mit Tempo 106 statt der erlaubten 50 erwischt.”

Nicht nur dieser Zeitgenosse wird demnächst auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umsteigen müssen. Insgesamt hatten in NRW 278 Autofahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit so stark überschritten, dass ihnen ein Fahrverbot drohe, acht von ihnen aus der Aachener Region. Insgesamt wurden beim „Blitz-Marathon”, der erstmals auch in Niedersachsen und in den Niederlanden stattfand, allein in NRW rund 24.000 Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt, was rund drei Prozent der knapp 700.000 kontrollierten Fahrzeuge ausmacht, teilte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Donnerstag mit.

Trotz der Zahlen haben die Polizeibehörden in der Region eine positive Bilanz gezogen. „Die meisten Autofahrer, die zu schnell waren, kamen mit einem Verwarnungsgeld davon”, berichtet Karl-Heinz Frenken von der Heinsberger Polizei. Und die Aachener Polizei bilanzierte wie auch andere Behörden zufrieden, dass während der 24-stündigen Aktion von Mittwoch- auf Donnerstagmorgen weniger Raser auf den Straßen unterwegs waren als sonst. „Während sich bei den üblichen Radarkontrollen etwa acht Prozent der Fahrer nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, waren es im Rahmen des groß angelegten Blitzmarathons mit 4,65 Prozent deutlich weniger”, sagte Sprecherin Sandra Schmitz. Während die Dürener Polizei (ohne Stadt- und Kreisverwaltung) auf 5,9 Prozent sowie die Heinsberger Polizei auf 7,5 Prozent kamen, lag der landesweite Schnitt bei rund drei Prozent. Ansonsten liegt die Quote laut Innenministerium bei acht Prozent. Und so zeigte sich Jäger am Donnerstag zufrieden. Ziel der Aktion sei gewesen, Bleifüße zumindest vorübergehend zu stoppen. „Die allermeisten Autofahrer sind verantwortungsbewusster gefahren.”

Zwei Mal in 20 Minuten geblitzt

Dabei gibt es Kritik an der Aktion. Während Jäger den Marathon als „einen Baustein unserer langfristigen Strategie gegen Geschwindigkeitsunfälle” bezeichnet, betont etwa der Verkehrspsychologe Karl-Friedrich Voss: „Ich finde es gut, dass dadurch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wird, dass es an vielen Stellen Geschwindigkeitsüberschreitungen gibt. Ich zweifle jedoch daran, dass diese Kontrollen die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen.” Der Verkehrsexperte Michael Schreckenberg meint: „Da wird nur ein Medienrummel betrieben.” Einen nachhaltigen Effekt, wie sich ihn Jäger erhofft, lässt sich seiner Ansicht nach nicht erzielen.

Dabei gibt es auch in der Aachener Region genügend Verkehrsteilnehmer, über die - nicht nur - Polizisten nur den Kopf schütteln können. So ist etwa am Mittwoch in Aachen ein scheinbar unbelehrbarer Fahrer mit seinem Sportwagen gleich zwei Mal geblitzt worden. Zuerst war er mit Tempo 77 und etwa 20 Minuten später mit 67 Stundenkilometern unterwegs. Erlaubt war jeweils Tempo 50.
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