„Blind Date“ eröffnet Kultursommer auf Burg Wilhelmstein

Von: Stefan Schaum
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Die Arena kochte beim „Blind Date“, Auftakt zum Kultursommer auf Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg. Unter anderem „San2“ und seine Band rissen die Zuschauer mit. Da hielt es niemanden mehr auf seinem Sitzplatz. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Zum Start jazzige Poesie, in der Mitte pralle Pointen und zum Schluss ein Paukenschlag mit ganz viel Soul – die große Wundertüte namens „Blind Date“ hat den Kultursommer auf Würselens Burg Wilhelmstein mit feiner Vielfalt eröffnet.

Kein Wunder, dass der Abend mit den drei Überraschungsgästen erneut ausverkauft war. Denn was sich längst herumgesprochen hat: Mogelpackungen gibt es hier nicht. Wer beim „Blind Date“ auf der Bühne steht, der hat es auch drauf. Handverlesen und hierzulande in der Regel eher unbekannt sind die Künstler, die Programmchef Hans Brings und sein Team für den jährlichen Auftakt verpflichten. Geheimtipps, wenn man so will.

Und allesamt sind sie bereit, sich ohne Gage in den Dienst der guten Sache zu stellen. Denn auch das hat Tradition beim „Blind Date“: Der Reinerlös des Abends kommt dem Hilfswerk „Menschen helfen Menschen“ unserer Zeitung zugute. Thomas Thelen, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, stellte die Arbeit des Hilfswerks zu Beginn des Abends im Bühnentalk mit Moderator und Redakteur Robert Esser vor.

Was dann folgte und gut zweieinhalb Stunden begeisterte, war eine Mischung, die bestens zum Format passte. Bestens, weil besonders abwechslungsreich. Der Beginn war geradezu intim. Andy Houscheid setzte in seiner Verbindung aus Jazz und Pop auf entspannte, ruhige Töne und einfühlsame, zarte Zeilen. Der Pianist und Sänger aus Belgiens deutschsprachiger Gemeinde in St. Vith hat in Konstantin Wecker seinen musikalischen Mentor gefunden – die Zusammenarbeit war beim Auftritt in Würselen spürbar. Hier traf Liedermacherhandwerk auf unverkopfte, transparent-luftige Jazz-Arrangements. In Belgien ist Houscheid ein Dauerbrenner, dort steht sein Song „Kein schlechter Mensch“ seit mehr als 140 Wochen in der Hitparade des Belgischen Rundfunks.

Applaus dafür gab es auch in Würselen. Verdientermaßen, denn Houscheid verstand es wie seine Mitmusiker – Sängerin Anke Filbrich, Bassist Slawek Semeniuk und Schlagzeuger Olivier Chavet – glänzend, den Auftritt trotz leiser Töne mit großer Dynamik zu füllen. Virtuos auf der Klaviatur erwies sich Houscheid obendrein, doch präsentierte er seine solistischen Fähigkeiten nie ausufernd, sondern stets songdienlich.

Das galt auch für den Mann, der für die Lacher des Abends sorgte: Alain Frei, Schweizer Import und Mitstreiter der „Rebell Comedy“-Truppe. Ein echter Charmebolzen. Dem konnte man verzeihen, dass er sich zu Beginn reichlich über die für Schweizer Ohren viel zu harte Sprache der Grenznachbarn mokierte. „Die Deutschen sprechen immer so martialisch.“ Recht schnell streute Frei seine Pointen unters Publikum und erwies sich dabei als Mann mit Sendungsbewusstsein. Klar könne man auch über den IS und den Terror Witze machen. „Man muss das sogar! Es gibt 1,6 Milliarden Muslime, die friedfertig ihre Religion ausüben. Und den wenigen Extremisten muss man immer und überall vorhalten, dass sie Vollidioten sind!“

Zum Schluss gab es dann das, was man durchaus als „Headliner“ bezeichnen durfte: „San2 & His Soul Patrol“. Sänger San2 ist Münchener, man muss das betonen. Denn seine Vorbilder stammen aus dem schwarzen Sound Amerikas der 1960er und 70er Jahre. Rhythm & Blues, Soul und Gospel – das hat ihn schon als Teenager gepackt, und auf Burg Wilhelmstein bewies er mit fulminanter Band, dass er es im Lauf der Jahre weit gebracht hat. Tribut und Ausblick in die Zukunft – das geht bei San2 Hand in Hans.

Mit dem nötigen Quäntchen Pop unterfüttert er seine Musik, die retro und aktuell zugleich klingt. Und die vor allem einen Dampf hat, der das Publikum von den Sitzen fegte. Am Ende stand das komplette Rund. San2 ist einer, der sein Publikum packt. Für Aufhorchen sorgte auch das ein oder andere Cover, wie der berühmte „The Joker“ der Steve Miller Band. Den inszenierte San2 mit seinen Jungs vollkommen tiefenentspannt. Mit Einbruch der Dunkelheit strahlte die Burgmauer glutrot auf, ein neuer und toller Effekt an einem Abend, dem es an schönen Überraschungen nicht mangelte.

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