Blick in die Zeit nach dem Tagebau Inden

Von: Guido Jansen
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Noch ist das eine Ausnahme: In rund 15 Jahren soll keine Braunkohle mehr über die Förderbänder im Tagebau Inden laufen. Foto: Uerlings
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Bezeichnet die Braunkohle trotz des Endes der Tagebaue bis 2050 als Bestandteil der Energiewende: Michael Eyll-Vetter. Foto: Jansen

Eschweiler/Inden. Umwälzende Neuigkeiten hat Michael Eyll-Vetter nicht verkündet, als er im Indener Ratssaal über die Zukunft im rheinischen Bergbaurevier gesprochen hat. Eyll-Vetter ist der Leiter Bergbauplanung bei RWE Power. Wie tief das Thema die Menschen trotzdem bewegt, wurde an den vielen Fragen deutlich, die die Zuhörer im Anschluss an den Vortrag stellten.

Eyll-Vetter schilderte die Insellage, die der Tagebau Inden und das Kraftwerk Weisweiler habe. Im Gegensatz zu den Tagebauen Garzweiler II und Hambach kann die Indener Kohle nur nach Weisweiler geliefert werden, von den Braunkohle-Transportwegen sind Weisweiler und Inden abgeschnitten. Rund 15 Jahre soll in Inden noch abgebaut werden, danach werde der Tagebau ausgekohlt und Weisweiler liefert keine Energie mehr.

Heute seien in Weisweiler und Inden rund 1000 Menschen beschäftigt. „Diese Arbeitsplätze sind nach 2030 nicht mehr da. Da muss es uns gelingen, Lösungen zu schaffen“, sagte Eyll-Vetter. Die Flächen des Kraftwerks sollten unter dem Stichwort Industriedrehkreuz Weisweiler als Gewerbe- und Industrieflächen weiter entwickelt werden. Erste Fortschritte gebe es am Grachtweg, dem benachbarten Gebiet, das teils Eschweiler und teils Inden gehört und gemeinsam vermarktet wird.

Früheres Ende ausgeschlossen

Rund 15 Jahre lang sei geplant, jedes Jahr 18 bis 20 Millionen Tonnen Braunkohle in Inden zu fördern, danach seien die Vorräte aufgebraucht, die das Unternehmen auf 300 Millionen Tonnen schätzt. „Hambach und Garzweiler laufen weiter bis zur Mitte des Jahrhunderts“, sagte Eyll-Vetter. Den Vorrat für Hambach gibt RWE Power mit 1,4 Milliarden Tonnen an (jährliche Fördermenge 35 bis 40 Millionen), die Zahlen für Garzweiler sind demnach 1,2 Milliarden Tonnen Vorrat und eine jährliche Fördermenge von 30 bis 35 Millionen Tonnen.

Ein früheres Ende für Inden und Weisweiler schloss Eyll-Vetter aus. Ein Grund dafür sei gerade erst vertraglich fixiert. Die Stadtwerke Aachen haben mit RWE einen Vertrag abgeschlossen, dass Aachen bis 2030 von Weisweiler aus mit Strom versorgt wird. Außerdem sprach Eyll-Vetter über die Prognosen für den Energiemix im Jahr 2025. „55 bis 60 Prozent kommen dann immer noch aus Gas und Kohle“, sagte er.

Und auf die Frage aus dem Publikum, warum der Anteil der regenerativen Energien wie Wind- und Sonnenkraft dann immer noch nicht den größeren Teil ausmachte, antwortete er: „Der Anteil wächst immer weiter. Aber so schnell geht das nicht.“ Für 2015 waren rund 30 Prozent regenerativ, der Anteil von Gas und Kohle lag bei über 50 Prozent. Das Wachstum der regenerativen Energien kompensiere 2025 den Wegfall der Kernenergie. 2022 geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz.

„Wir brauchen Kohle und Gas auch weiterhin, um die Schwankungen bei den regenerativen Energien aufzufangen“, nannte Eyll-Vetter eine weitere Existenzberechtigung aus Sicht der Energiekonzerne. Weht kein Wind und scheint die Sonne nicht, dann wird kein Strom produziert. Die Forschung arbeite derzeit an Speichermöglichkeiten, eine Lösung sei aber noch nicht in Sicht. „Die Fantasie, dass man absehen kann, dass ein Stahlwerk von einer Silizium-Batterie versorgt wird, die hat heute noch keiner“, sagte Eyll-Vetter.

Die Zuhörer fragten nach den Plänen für den Lucherberger See und nach dem Schicksal der Fische für die Zeit, wenn der See abgepumpt wird. 2020 soll das der Fall sein, die Fische würden vorher abgefangen. Da, wo heute See ist, soll nach dem Auskohlen kein Wasser sein, wenn unmittelbar nebenan der Indesee aufgefüllt werde.

Beim Thema Bergschäden gab es zahlreiche Nachfragen, vor allem von Anwohnern aus Lucherberg. „Sie können alle beruhigt sein, kein Haus steht in einer Gefahrenzone und keines wird sich später darin befinden“, sagte Eyll-Vetter. Gleichzeitig riet er dazu, die RWE-Bergschadensabteilung zu kontaktieren, sobald der Verdacht besteht, dass ein Schaden an einer Immobilie im Zusammenhang mit dem Tagebau stehen könnte. In Sachen der Kirche Lucherberg, die derzeit wegen baulicher Probleme geschlossen ist, lägen derzeit keine Kenntnisse vor, dass der Tagebau die Ursache sein könnte.

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