BLB-Affäre: Graf Wolff Metternich lässt Richter und Anwälte warten

Von: cs
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Auch die anderen Angeklagten beim Prozessauftakt um mögliche Korruption beim landeseigenen Baubetrieb BLB mussten warten: Ferdinand Tiggemann, früherer Geschäftsführer des BLB, am Mittwochmorgen im Foyer des Landgerichts Düsseldorf. Foto: dpa

Düsseldorf. In der millionenschweren Korruptionsaffäre um den landeseigenen nordrhein-westfälischen Baubetrieb BLB ist der Prozessauftakt geplatzt: Einer der Angeklagten ist verschwunden. Franz Joseph Maternus Maria Graf Wolff Metternich, Rechtsanwalt, Nachfahre eines alten deutschen Adelsgeschlechts, fehlte am Mittwoch beim Prozessauftakt im Landgericht Düsseldorf unentschuldigt. Auch seine Verteidiger konnten ihn nicht erreichen.

Das Landgericht erließ nach einer Stunde des Nachspürens und Wartens einen Haftbefehl gegen den 68-Jährigen. Das Verfahren wurde auf den kommenden Dienstag vertagt. Wenn die Polizei den Grafen, der in Bad Neuenahr lebt, findet, kommt er in Untersuchungshaft und wird zum nächsten Prozesstag von Polizisten vorgeführt. „Sollte sich das Ganze aufklären, kann der Haftbefehl natürlich schnell aufgehoben werden“, erklärte der Vorsitzende Richter Guido Noltze.

Dabei hat die Anklage gegen den Rechtsanwalt strafrechtlich die geringste Bedeutung in diesem Prozess um die spektakulärste Korruptionsaffäre seit Jahren in NRW: Dem Adeligen wird mögliche Beihilfe zur Untreue vorgeworfen. Er soll als Strohmann fungiert und Schmiergelder über seine Konten verteilt haben.

Insgesamt sollen dem Steuerzahler in mehreren Fällen durch Korruption und Untreue Schäden in Millionenhöhe entstanden sein, bei denen das Land Nordrhein-Westfalen in Gestalt seines Baubetriebs BLB als Bauherr auftrat. Nach fast sechsjähriger Ermittlungsarbeit sollte die Korruptionsaffäre eigentlich von Mittwoch an vor dem Düsseldorfer Landgericht aufgerollt werden. Kurios: Auch beim Bau des Gerichtsgebäudes, in dem der Fall nun verhandelt wird, soll es nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen sein.

Die schärfste Anklage richtet sich gegen den ehemaligen Chef des landeseigenen Baubetriebs BLB, Ferdinand Tiggemann. Ihm wird Bestechlichkeit, Untreue und Verrat von Dienstgeheimnissen vorgeworfen. Außerdem sitzt der ehemalige Leiter der BLB-Niederlassung Aachen auf der Anklagebank. Angeklagt ist in seinem Fall Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall im Zusammenhang mit dem Kauf von Schloss Kellenberg in Jülich-Barmen. Tiggemann und der Angeklagte aus Aachen waren zum Prozessauftakt erschienen.

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