Aachen - Bistum: Kostenexplosion bestätigt

Bistum: Kostenexplosion bestätigt

Von: Robert Esser
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Aachen. Der Vorwurf wiegt schwer. Nach jahrelangem Umbau der Strukturen im finanzschwachen Bistum Aachen, nach Zwangsfusionen von Pfarren und der Entlassung hunderter Mitarbeiter kostet die Verwaltung der katholischen Gemeinden womöglich mehr als vorher.

Damals waren es für 540 Pfarreien von Krefeld bis hinunter in die Eifel neun Millionen Euro pro Jahr. Sicher ist nun, dass sich die Unternehmensberatung Droege, die ab 2004 gegen großen Widerstand vieler Gemeinden die Einführung effizienter Verwaltungszentren (VZ) zum Dumpingpreis versprach, gründlich verkalkuliert hat. Erst 2,6 Millionen Euro, dann 600.000 Euro mehr sollten die vier Verwaltungszentren kosten, die den Pfarren alle administrativen Belastungen abnehmen. Tatsächlich sind mittlerweile für den VZ-Betrieb 5,5 Millionen Euro fällig.

Doch damit ist der Aufschlag längst nicht gedeckelt, wie nach der jüngsten Sitzung des Kirchensteuerrates in dieser Woche - trotz Ausschluss der Öffentlichkeit - durchsickerte. Dazu kommen auf drei Jahre nicht nur jeweils gut 1,8 Millionen Euro zur Entlohnung professioneller Koordinatoren. Sie sollen die oft bemängelte Zusammenarbeit zwischen den 71 Gemeinschaften von Gemeinden (GdG), in denen die 540 Pfarren inzwischen aufgegangen sind, und den Verwaltungszentren entwirren. Doch angeschlossen sind nur 73 Prozent aller GdGs. Demnach schultert jede vierte Pfarrgemeinschaft ihre Verwaltung selbst - was weitere Millionen verschlingt. Wie viele Euro dies genau sind, ist unklar.

Klar ist hingegen, dass die Finanzexperten im Aachener Generalvikariat eine andere Rechnung aufmachen. Sie benennen für die gesamte kirchengemeindliche Verwaltung lediglich die bereits mehrfach nach oben korrigierte Summe von 5,5 Millionen Euro. Damit verschweigt man bekannte „Nebenaufschläge”. Man unterschlägt aber auch den Spareffekt, der durch entfallene Pfarrverwaltungsstellen im Generalvikariat erzielt wurde. Die zentralisierte Pfarrverwaltung verkauft die Diözese ohne Abstriche als Erfolg: „Damit hat das Bistum im Zuge der Verwaltungsreform eine Kostenersparnis erzielt”, sagt Bistumssprecher Franz Kretschmann. Die Verwaltungszentren hätten seit 2007 eine Vereinheitlichung der Personal-, Bau- und Liegenschaftsverwaltung ermöglicht - „mit deutlich höherer Qualität”, wie Kretschmann betont.

Beschwerdebriefe an die Zentren, die unserer Zeitung vorliegen, widersprechen der positiven Darstellung. Darin ist - unter anderem - von schwerwiegenden Falschbuchungen, monatelangen Zahlungsverzögerungen, fehlerhaften Kostenaufstellungen und überfälligen Etat-Plänen die Rede.

Der Haussegen im Kirchensteuerrat hängt schief

Zwischen Bischof Heinrich Mussinghoff und einigen Mitgliedern des Kirchensteuerrates ächzt es im Gebälk. Der Haussegen hängt schief. Der Bischof hatte verhindert, dass auch Pfarrgemeinden, die sich keinem Verwaltungszentrum anvertrauen, bezahlte Pfarrkoordinatoren zur Seite gestellt werden. Zuvor hatte der Kirchensteuerrat nämlich mehrheitlich anders votiert.

Ärger löste auch die öffentliche Kritik Mussinghoffs bei einem Presseempfang an einem Votum des Kirchensteuerrates aus. Er werde nicht mehr dulden, dass Überschüsse in Millionenhöhe flächendeckend an finanzschwache Pfarreien ausgeschüttet werden, hatte der Bischof gesagt. Dann könne man den Kirchensteuerrat auch gleich auflösen, wurde Mussinghoff vorgehalten. Dabei ist das 14-köpfige Gremium - nach geltendem Recht - für die Verwendung der Kirchensteuermittel zuständig.

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