Bistum Aachen vor Negativrekord

Von: Angela Delonge und Marlon Gego
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Bistum Dom
Wegen der Affären des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst steigt auch in der Aachener Region die Zahl der Kirchenaustritte sprunghaft an.

Aachen. Die Zahl der Kirchenaustritte im Süden des Bistums Aachen ist im Oktober sprunghaft angestiegen. Das ergab die Anfrage unserer Zeitung bei sieben Amtsgerichten in der Region. Allein beim Amtsgericht Aachen haben im vergangenen Monat 276 Menschen aus Aachen, Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath, Roetgen und Würselen ihren Austritt aus der Kirche vollzogen.

Das sind annähernd so viele Austritte wie im Juli, August und September zusammen. Damit haben sich in den ersten zehn Monaten des Jahres im Amtsgerichtsbezirk ebenso viele Menschen aus der Kirche verabschiedet wie im gesamten Jahr 2011, nämlich 1609. Der wichtigste Grund für die ungewöhnlich hohen Austrittszahlen ist offenbar die Affäre um Limburgs Bischof Tebartz-van Elst. Wegen des „Tebartz-Effekts“ droht auch dem Bistum Aachen, soweit es die Kirchenaustrittszahlen betrifft, ein neuer Negativrekord.

Manfred von Holtum, als Generalvikar der Verwaltungschef des Bistums Aachen, zeigte sich auf Anfrage unserer Zeitung betroffen. „Ja“, sagte er am Donnerstag, „wir haben in diesem und im vergangenen Monat auch im Bistum Aachen eine höhere Zahl von Kirchenaustritten.“ Obwohl die Austrittszahlen nicht nach Konfession zu unterscheiden sind, bestätigten die befragten Amtsgerichte, dass es ganz überwiegend Katholiken sind, die zuletzt verstärkt aus der Kirche ausgetreten sind. Ungefragt hätten viele Tebartz-van Elst als Austrittsgrund angegeben. „Ich bedaure dies und kann die Irritationen in der Öffentlichkeit nachvollziehen“, erklärte von Holtum. Auch er geht davon aus, dass die Austritte mit den Entwicklungen im Bistum Limburg zu tun haben.

Die letzte signifikante Austrittswelle musste die katholische Kirche 2010 hinnehmen, als ein Missbrauchsskandal nach dem nächsten öffentlich wurde. Als die Deutsche Bischofskonferenz durch die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer glaubhaft machte, die verschiedenen Skandale umfassend aufklären zu wollen, ebbte die Zahl der Austritte langsam ab. Später wurde die Zusammenarbeit mit Pfeiffer allerdings wieder gekündigt.

Der Trend hielt bis zum Oktober 2013, kurz unterbrochen nur im ersten Quartal dieses Jahres. Dann kam Tebartz-van Elst: Allein im Oktober traten im Süden des Bistums 580 Menschen aus. Zum Vergleich: 2012 waren dort im Monatsdurchschnitt nur 240 Menschen ausgetreten.

Die Anfragen bei den Amtsgerichten in Aachen, Düren, Eschweiler, Geilenkirchen, Jülich, Monschau und Schleiden ergaben alle dasselbe Bild: In der zweiten Hälfte des Oktober schnellten die Austrittszahlen exponentiell in die Höhe. Holger Brantin, Mitglied im Aachener Katholikenrat, erklärte auf Anfrage: „Der neue Papst lebt das Gegenteil dessen vor, für was Tebartz steht. Ich denke, dass der Einfluss des Papstes in der Kirche in Zukunft deutlich sichtbar wird.“

Generalvikar von Holtum wirbt einstweilen um Vertrauen. Er versicherte, „mit den Finanzmitteln des Bistums Aachen verantwortlich, sorgsam und sparsam“ umzugehen. In einer Situation, die er nicht beeinflussen kann, bleibt ihm im Moment nichts anderes übrig.

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