Bistum Aachen streicht Gelder für 162 Kirchen

Von: Robert Esser
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Millionensummen fließen in die Instandhaltung von Kirchen: St. Foillan... Foto: Andreas Steindl
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...Heilig Kreuz... Foto: Andreas Steindl
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...und St. Jakob werden seit geraumer Zeit saniert. Foto: Andreas Steindl
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Andere Gemeinden diskutieren, wie sie Kirchengebäude künftig wirtschaftlich nutzen wollen. So überlegt man etwa, in der Krypta unter St. Gregorius ein Kolumbarium für Urnengräber einzurichten – ähnlich wie vor Jahren in St. Josef (Bild). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es wird aussortiert – zwangsläufig. Allein in Aachen werden 14 von insgesamt 48 Kirchen nicht mehr vom Bistum bezuschusst. Weil die katholische Kirche mit immer weniger Kirchensteuereinnahmen, Gläubigen und Priestern rechnet, hat das Bistum Aachen alle 2700 Gebäude der Gemeinden unter die Lupe genommen – darunter 1900 pastoral genutzte Gebäude und 574 Kirchen.

Bis zu 20 Millionen Euro würde die Instandhaltung jährlich verschlingen. Zu viel. Rund 30 Prozent der Kosten sollten eingespart werden – so die unausweichliche Vorgabe des Generalvikariats. Sechs Jahre dauerte der Prozess namens „Kirchliches Immobilienmanagement“ (KIM) seit 2011, der jetzt abgeschlossen wurde. Bezogen auf den Gebäudebestand seit 2003 werden nur noch 34 Kirchen bei Instandsetzungsmaßnahmen finanziell unterstützt.

Der Rotstift wurde aber auch im Umfeld angesetzt: Nur noch 23 von 46 Pfarrheimen sollen aus Kirchensteuergeldern baulich erhalten werden. Damit fällt jedes zweite Gebäude aus dem Raster. Außerdem werden nur noch 17 von ehemals 39 Aachener Pfarrhäusern bezuschusst – minus 56 Prozent. Bistumsweit gibt es nur noch für 412 der insgesamt 574 Kirchen „Baugeld“, zum Beispiel zur Sanierung maroder Dächer.

303 von vormals 507 Pfarrheimen werden nicht mehr bezuschusst (minus 60 Prozent), außerdem nur noch 141 von vormals 492 Pfarrhäusern (minus 71 Prozent). Im Jahr 2015 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – wurden bistumsweit über 16 Millionen Euro für Gebäudeinstandhaltungen ausgegeben – davon 13,5 Millionen für Kirchen. In Aachen flossen fast 2,7 Millionen Euro. Was nun auf der Rotstiftliste dramatisch aussieht, ist aber nicht nur dem Geldmangel geschuldet, sondern vor allem der Fokussierung der früheren Pfarrvielfalt auf 71 Gemeinschaften der Gemeinden (GdG).

Viele Pfarrhäuser etc. werden schlichtweg nicht mehr gebraucht, wie KIM-Projektleiter Bernhard Stenmans am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung erläuterte. Er stellte die Ergebnisse des nun abgeschlossenen KIM-Prozesses erstmals mit Johannes Schnettler (Referent Abteilung Pastoral in Lebensräumen, zuständig für Gemeindearbeit), Frank Rutte-Merkel (Leiter der Abteilung Beratung/ kirchliche Aufsicht Kirchengemeindeverbände) und Michael Scholz (Fachbereichsleiter Kirchbau und Denkmalpflege) vor.

In 290 Veranstaltungen und ungezählten Gesprächen mit GdG-Projektgruppen hatte sich das Bistum Aachen in den vergangenen Jahren erstmals einen kompletten Überblick über den Gebäudebestand der Pfarren und die damit verbundenen Kosten verschafft – ein gewaltiges Unterfangen.

Wenn Kirchen, Pfarrhäuser und Pfarrheime (nur in Absprache mit den Pfarrgremien vor Ort) aussortiert werden, bedeutet das aber nicht automatisch einen Verkauf – wie etwa in Aachen zuletzt für St. Elisabeth. Erst werden andere Finanzierungsmöglichkeiten ausgelotet und Umnutzungen erwogen. So lebt der Trend fort, Kirchen in Kolumbarien für Urnengräber zu verwandeln. Das bringt Geld, kostet aber Investitionen. In St. Gregorius in Aachen denkt man über eine Umnutzung der Krypta unter der Kirche nach.

Eine komplette „Umnutzungs-/Verkaufsliste“ existiert aber noch nicht. Das Generalvikariat bietet erstmal allen Pfarreien Experten für die Analyse- und Konzeptphase an. Bezuschussungen von bis zu 60 Prozent sind möglich. „Kirchliche Gebäudeentwicklung“ (KGE) heißt das KIM-Nachfolgeprojekt offiziell. Bis zu 20 Umnutzungsprojekte laufen schon. Von welcher Sorte die neuen Ideen sind, wird nicht erst in sechs Jahren feststehen.

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