Bistum Aachen legt Zahlen offen: 8,2 Millionen Euro Eigenkapital

Von: Robert Esser
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Aachen. Letztlich war der öffentliche Druck offenbar (fast) unerträglich: Nach jahrzehntelanger Geheimniskrämerei legt nun auch das Bistum Aachen erstmals das Vermögen des Bischöflichen Stuhls offen.

Zumindest hat das Generalvikariat dessen Eigenkapital am Dienstag auf 8,2 Millionen Euro beziffert. Man reagiere damit auf die aktuelle Diskussion um die Kirchenfinanzen, teilte Bistumssprecher Franz Kretschmann mit.

Ob damit sämtliche Vermögenswerte des Bischöflichen Stuhls bilanziert wurden, ist jedoch fraglich. Inwiefern man über Immobilien, Beteiligungen an Investment-Fonds, Stiftungskapital etc. verfügt, ließ Kretschmann offen. Nachfragen hierzu wurden nicht beantwortet.

Die Debatte um Kirchenvermögen und deren Verwendung hatte nach dem Skandal um die Millionen-Ausgaben des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst immer mehr Fahrt aufgenommen. Ihm wird vorgeworfen, zig Millionen Euro bei Bauprojekten verschwendet zu haben – ein Großteil davon aus Finanzmitteln des Bischöflichen Stuhls in Limburg.

Die Vermögen der Bischöflichen Stühle in den 27 deutschen Bistümern unterlagen – bis auf einzelne Ausnahmen – strengster Geheimhaltung. Hingegen veröffentlichen die Diözesen, auch Aachen, völlig unabhängig davon regelmäßig ihre „normalen“ Haushaltseinnahmen und -ausgaben.

So rechnet das hiesige Bistum unter der Führung von Bischof Heinrich Mussinghoff und Generalvikar Manfred von Holtum für 2013 mit Erlösen von 287,5 Millionen Euro – gut 202 Millionen aus Kirchensteuern. Während die Verteilung dieser Gelder vom Kirchensteuerrat abgesegnet wird, entscheidet über das Vermögen des Bischöflichen Stuhls nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten.

In Aachen benötigt Mussinghoff dazu lediglich die Zustimmung von Generalvikar, Dompropst, Justiziar, Finanzdirektor und vom Leiter der Hauptabteilung Bistumspersonal. Sie bilden den sogenannten Vermögensverwaltungsrat.

Seine Kontrolle hat dieses exklusive Gremium so geregelt: „Der Bischöfliche Stuhl ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts, der einen Jahresabschluss erstellt. Der Jahresabschluss wird von einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft und testiert“, erklärte das Bistum dazu.

Der finanzielle Wert – und auch die Definition darüber, was als Vermögen oder Eigenkapital gilt – fällt von Bistum zu Bistum höchst unterschiedlich aus. Der Erzbischöfliche Stuhl im Köln habe zum Stichtag 31. Dezember 2012 ein Vermögen von 166,2 Millionen Euro umfasst – davon 15,4 Millionen Euro Beteiligungen im Bereich der Wohnungswirtschaft, der übrige Teil Immobilien, teilte die Erzdiözese am Dienstag mit.

Das Bistum Trier bezifferte den Bilanzwert seines Bischöflichen Stuhls auf 84 Millionen Euro. Hinzu komme ein Immobilienbestand von 38 Gebäuden, hieß es. Speyer sprach von 46,5 Millionen Euro. Das Bistum Essen berechnete den Besitz der Körperschaft auf zwei Millionen Euro, Münster nannte 2,37 Millionen Euro.

Mehrere Diözesen erklärten, Vermögenserlöse aus dem Bischöflichen Stuhl würden in karitative Projekte fließen. Aachen machte dazu keinerlei Angaben.

Mit mehr Transparenz möchte die katholische Kirche verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

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