Aachen - Bistum Aachen: Austrittswelle so hoch wie nie

Bistum Aachen: Austrittswelle so hoch wie nie

Von: Robert Esser
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Foto: Krömer

Aachen. Im Zuge der Missbrauchsskandale hat die Kirche in der Region im Jahr 2010 mehr Mitglieder denn je verloren. Vor allem Katholiken kehrten ihren Gemeinden den Rücken. Im Amtsgerichtsbezirk Aachen traten 1828 Gläubige aus - das sind 202 mehr als im Vorjahr.

Allerdings war 2009 bereits ein Rekordaustrittsjahr. Noch vor vier Jahren lag die Zahl der Austritte bei lediglich 1232.

„Im vorigen Jahr sind die Austrittszahlen vor allem im März und April nach oben geschossen, danach hat sich die Welle zum Glück etwas abgeflacht”, erklärte Generalvikar Manfred von Holtum.

„Der Ärger ist bei vielen groß. Wir haben einen hohen moralischen Anspruch. Daran müssen wir uns messen lassen”, sagte Bischof Heinrich Mussinghoff am Donnerstag bei einem Medienempfang in Aachen. Man setze alles daran, verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen.

Die höchsten Zuwächse bei den Kirchenaustritten gibt es in Monschau: Dort stieg die Zahl von 73 auf 126 - das entspricht einem Plus von 72 Prozent. In Heinsberg wandten sich 268 Christen ab - 22 Prozent mehr als 2009. Um jeweils fast ein Drittel stiegen die Kirchenaustritte in Düren (790), Geilenkirchen (226) und Jülich (363). In Eschweiler traten 428 Menschen aus der Kirche aus - was einen Zuwachs von zwölf Prozent ergibt.

Im Durchschnitt sind in den Amtsgerichtsbezirken der Region im vergangenen Jahr 19,95 Prozent mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten als 2009. Mehr als 80 Prozent dieser Menschen gehörten zuvor dem katholischen Glauben an. Das Bistum Aachen verlor bereits im Vorjahr 15.474 Katholiken - davon 4453 Männer und Frauen durch Austritt. Die anderen starben oder zogen in ein anderes Bistum.

Keine verheirateten Priester erlauben

Bischof Heinrich Mussinghoff hat sich gegen eine Aufweichung des Zölibats ausgesprochen. Trotzdem müsse man die Debatte über die Ehelosigkeit katholischer Priester offen führen, sagte er. Einen deutschen Sonderweg lehnte Mussinghoff in dieser Frage ab und betonte, dass eine Änderung nur weltweit beschlossen werden könne. Einige namhafte CDU-Politiker hatten jüngst die Bischofskonferenz aufgefordert, verheiratete Priester zuzulassen.
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