Bischof will Laien und Frauen stärken

Von: Robert Esser
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Will den Dialog mit der Basis
Will den Dialog mit der Basis fortsetzen und so verlorenes Vertrauen zurückgewinnen: Bischof Heinrich Mussinghoff. Foto: A. Herrmann

Aachen. Muss einer Krankenschwester in einem katholischen Krankenhaus der Job gekündigt werden, wenn diese sich scheiden lässt - und womöglich zum zweiten Mal heiratet? Soll eine Frau als Diakonin Sakramente spenden dürfen?

Doch in der katholischen Kirche sorgen nicht nur Fragen zur Rolle der Frau oder die oft populistisch geführte Debatte über den Zölibat, der Priestern Ehelosigkeit vorschreibt, für Diskussionen. Es gibt auch noch andere Themen. Dies hat Bischof Heinrich Mussinghoff am Freitag bei einem Medienempfang des Bistums Aachen deutlich gemacht.

Die Rolle der Frau ist eines von vielen Themen, bei denen die Bistumsleitung in einem auf Jahre angelegten Dialogprozess mit den Katholiken an der Basis verlorenes Vertrauen zurückgewinnen will. 300 Katholik(inn)en haben dem Bischof jetzt ihre Gedanken, Meinungen und Erfahrungen zur Zukunft der Kirche geschrieben. „Diese Briefe waren teils harte Kost”, stellte Mussinghoff fest. Es ging um die Missbrauchsskandale, um die Einbindung von Laien in Leitungsstrukturen von Gemeindegemeinschaften - um Enttäuschungen, Hoffnung und Wut. Für November hat er alle Schreiber zu einem persönlichen Treffen eingeladen.

In einige Reizthemen kommt Bewegung - 40 Jahre nachdem sich „ein Professor Ratzinger in einem Aufsatz dazu geäußert hat”, wie der Bischof erinnerte. 1972 argumentierte der jetzige Papst Benedikt XVI. durchaus progressiv, dass eine Zweitehe, die lange hält und sittliche Verpflichtungen (also Kinder) entstehen ließ, durchaus nach einigen Jahren dazu führen könnte, dass die Betroffenen wieder zu den Sakramenten zugelassen werden. Denn nach strenger katholischer Lehre dürfen Geschiedene die Heilige Kommunion nicht empfangen - was viele Priester in der Praxis freilich längst liberaler handhaben. Ratzingers Gedanken „leuchten mir ein”, sagte Mussinghoff. Er wies aber darauf hin, dass „ein junger Theologie-Professor natürlich in einer anderen Verantwortung steht als ein Papst”.

Nichtsdestotrotz: Viele Katholiken bemängeln, dass die Kirche angesichts des Priestermangels und des Gläubigenschwunds viel zu langsam oder gar nicht auf veränderte Rahmenbedingungen reagiere. Mussinghoff erklärte dies mit einer gewissen Uneinigkeit in der Deutschen Bischofskonferenz - ganz abgesehen von der Weltkirche, die etwa die Abschaffung des Zölibats mit überwältigender Mehrheit der südlichen Hemisphäre ablehne.

Im Bistum Aachen hingegen verfolge man die Öffnung in kleinen Schritten. So sei etwa eine Abteilungsleiterin im Bischöflichen Generalvikariat durchaus denkbar - wenn man denn eine passende Kandidatin finde.

Bischof Mussinghoff ließ keinerlei Zweifel erkennen, dass er den Dialog mit der Basis fortführen will - zwischen Haupt- und Ehrenamtlern, Klerikern und Laien, Kirche und anderen gesellschaftlichen Gruppen. Deutschlandweit wird der Austritt aus der Kirchensteuergemeinschaft demnächst neu geregelt - eine automatische Exkommunikation soll damit nicht mehr verbunden sein.

Im hiesigen Bistum widmet man sich lokalen Themen. Parallel entwickeln Arbeitsgruppen nun Vorschläge, die den diözesanen Räten - insbesondere dem Priesterrat, dem Pastoralrat und dem Katholikenrat - vorgelegt werden. Nach deren Votum entscheidet der Bischof. „Ich verspreche mir davon, dass der Dialogprozess konkret wird”, sagte er. So sollen Aufgaben der Gemeindeleitung - in einem „Moderatorenmodell” - auf mehr Schultern als die eines Priesters verteilt werden.

Mehr getan als Sportverbände

Daneben geht es um eine neue Satzung für die Räte der Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) im ganzen Bistum. Dies wird die Bedeutung der Laien im katholischen Gefüge entscheidend beeinflussen. Ausdrücklich lobte der Bischof in diesem Zusammenhang das kirchliche Immobilienmanagement. Hier entscheiden Pfarrgremien in der ganzen Diözese nach fachlicher Beratung aus dem Generalvikariat, von welchen Kirchengebäuden man sich aufgrund der Sparzwänge trennen will.

Bei der Bewältigung der Missbrauchskrise habe die katholische Kirche - durch Hotlines, psycho-therapeutische Hilfsangebote, Präventionsangebote, Schulungen und erweiterte Führungszeugnisse für das pastorale Personal - „mehr getan als andere gesellschaftliche Gruppen, zum Beispiel Sportverbände”, sagte Mussinghoff am Freitag. Bei der Aufwertung der Frauenrolle hat die Kirche nun die Chance, nach jahrzehntelanger Debatte spürbar aufzuholen. Beim Medienempfang gelang das noch nicht komplett: Unter den 34 Teilnehmern befanden sich vier Frauen, eine Quote von knapp zwölf Prozent.
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