Bischof Mussinghoff hat sein Rücktrittsgesuch gestellt

Von: Claudia Schweda
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„Darauf kann man wirklich stolz sein“: Bischof Mussinghoff zum Engagement für Flüchtlinge im Bistum Aachen. Foto: Steindl

Aachen. Der Aachener Bischof hat sein Rücktrittsgesuch beim Papst eingereicht. Das deutete Heinrich Mussinghoff, der Ende Oktober 75 Jahre alt wird, am Freitag bei einem Empfang in Aachen an. „Der Bischof ist gewohnt, sich an die Gesetze zu halten und wird das auch tun. Und er hat etwas getan“, sagte Mussinghoff mit einem Schmunzeln. Klare Worte fand er auch zur gegenwärtigen Flüchtlingskrise.

Bei seinem letzen Medienempfang im Amt blickte er auf „bewegte Zeiten“ in seinen 20 Jahren als Bischof zurück und zeigte sich sichtlich bewegt von dem aktuellen, vielfältigen Engagement der Gemeinden, Einrichtungen, Verbände und Orden im Bistum für die Flüchtlinge. „Dieser Einsatz der vielen Ehrenamtlichen“, sagte er und rang mit seiner Fassung, „es macht mich einfach froh, dass es so gekommen ist. Darauf kann man wirklich stolz sein.“

Gerade Christen stünden in einer besonderen sozialen Verantwortung und hätten die Pflicht, dieser humanitären Katastrophe zu begegnen. Die Flüchtlinge bräuchten Gefühl, endlich in Sicherheit und willkommen zu sein. „Wir müssen ein Stück Freundschaft schenken.“ Das sei die Kernaufgabe von Kirche. Mussinghoff nannte jede Form von unverhohlen zur Schau getragenem Hass und offener Demagogie „beschämend und für uns alle eine Schande“.

Flüchtlinge seien in Not geratene Menschen, die unvorstellbares Leid erlitten hätten und die sich nicht zu gesichtslosen und seelenlosen Massen addieren ließen. „Lassen Sie uns gemeinsam die Anwälte der Verfolgten sein“, appellierte der Bischof.

In den 20 Jahren seiner Amtszeit seien die Fragen und Herausforderungen, die die katholische Kirche beschäftigen, in Teilen die gleichen geblieben. Die Frage nach der Haltung zum Zölibat etwa. Mussinghoff erinnerte sich daran, wie er den Zölibat vor 20 Jahren in seinem ersten Interview als Bischof verteidigte. Und Freitag tat er es erneut, weil „wir aufpassen müssen, keine verbürgerlichte Kirche zu werden“.

Oder die Herausforderung durch den Priestermangel: Als Mussinghoff sein Amt antrat, waren im Bistum doppelt so viele Priester aktiv wie heute. Die veränderte Struktur im Bistum habe den Geistlichen geholfen, von Verwaltungsaufgaben entlastet zu werden.

Die Finanzkrise, die zu diesen Strukturveränderungen gezwungen habe, sei eine „schwere Zeit gewesen. Man habe miteinander um gute und gerechte Lösungen gestritten. Diese Strukturveränderung durch die Gründung der Gemeinschaft der Gemeinden, die nicht ohne Streit ablief, nannte Mussinghoff „notwendig“. Sie sei eine neue Etappe im Prozess der Weggemeinschaft gewesen, die der frühere Bischof Klaus Hemmerle angestoßen habe. So sei die Voraussetzung geschaffen worden für neue Modelle, Ideen und Wege angesichts der Herausforderungen, vor denen die Kirche stehe. „Das Festhalten an alten Strukturen, das Konzentrieren auf den jeweils eigenen Kirchturm können wir uns nicht mehr leisten.“

Das Bistum Aachen habe sich mit der neuen Form der Gemeindeleitung verändert – für Mussinghoff zum Positiven. Bestimmte Formen der Gemeindeleitung, bei der ein Pfarrer gemeinsam mit Ehrenamtlichen die Gemeinde leite, gebe es nur im Bistum Aachen, sagte er nicht ohne Stolz. „Und sie spiegelt den Gedanken der Weggemeinschaft am kreativsten wider.“

Traditionen seien wichtig, aber wolle die Kirche zukunftsfähig bleiben, müsse sie in Bewegung bleiben. Dass die Bewegung der katholischen Kirche bei der anstehenden Familiensynode im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen groß sein wird, zweifelt Mussinghoff an. Es müsse eine grundsätzliche Einheit in der katholischen Kirche geben – und die Unauflöslichkeit der Ehe könne nicht angetastet werden. Unterschiedliche Regelungen in einzelnen Ländern würden einen Flickenteppich ergeben.

Nach seiner Emeritierung will Mussinghoff sich erst einmal erholen, „ein bisschen spazieren gehen“, dann wieder seinen Interessen nachgehen und den neuen Bischof fragen, wo denn Not am Mann sei. Für diesen Nachfolger bat er die Menschen im Bistum um viel Geduld. Es brauche einfach Zeit, die unterschiedlichen Denkweisen vor Ort kennenzulernen. Auf große Parteien oder verfeindete Blöcke werde sein Nachfolger im Bistum nicht treffen. Manchmal gebe es Störfeuer, sagte Mussinghoff, „aber dann lässt man auch mal vorbeischießen.“

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