Bischöfe verhindern Hochschul-Rektor wegen Zweitheirat

Von: kna
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Rainer Maria Woelki
Die Wahl eines neuen Rektors der „Katholischen Hochschule NRW“ soll an dem Veto des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki und weiterer nordrhein-westfälischer Bischöfe gescheitert sein. Foto: dpa/Henning Kaiser

Köln. Die Wahl eines neuen Rektors der „Katholischen Hochschule NRW“ (KatHO) soll nach einem Zeitungsbericht am Veto des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki und weiterer nordrhein-westfälischer Bischöfe gescheitert sein.

Grund sei gewesen, dass der geschiedene Kandidat Ende 2015 ein zweites Mal standesamtlich geheiratet habe, berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ein Sprecher des Kölner Erzbistums wollte auf KNA-Anfrage dazu keine Stellung nehmen und verwies auf die Vertraulichkeit von Personalangelegenheiten.

Nach katholischer Ehelehre leben wiederverheiratete Geschiedene in schwerer Sünde. Wiederheirat oder eingetragene Lebenspartnerschaften sollen entsprechend dem im vorigen Jahr reformierten kirchlichen Arbeitsrecht aber nur noch in schwerwiegenden Fällen arbeitsrechtliche Konsequenzen haben und jeder einzelne Fall geprüft werden. Pastorale und bischöflich besonders beauftragte Mitarbeiter unterliegen nach der neuen Grundordnung indes weiterhin erhöhten Loyalitätsforderungen. Die KatHo bildet neben Fachkräften für das Sozial- und Gesundheitswesen auch Religionspädagogen aus.

Laut „Stadt-Anzeiger“ scheiterte die für den 18. Januar geplante Wahl an einem mehrheitlichen Veto der Gesellschafter, den NRW-Bistümern Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn. Das Votum sei mit 4:1 Stimmen ergangen. Das Blatt zitiert den Sprecher des Bistums Essen, Ulrich Lota, dass es „über die individuelle Anwendung der Grundordnung zu kontroversen Diskussionen zwischen den Gesellschaftern gekommen ist“. Der scheidende KatHO-Rektor Peter Berker kritisierte in der Zeitung das ablehnende Votum: „Wie viel Pharisäertum wollen wir uns eigentlich in der Kirche leisten?“ Die Bischöfe hätten sich mit ihrem Arbeitsrecht auf einen neuen Weg begeben und kriegten nun schwere Beine „auf Kosten ihrer Mitarbeiter“. Unterdessen kritisierten die Grünen das bischöfliche Nein zur Rekoren-Wahl. Der religionspolitische Sprecher Volker Beck sprach in Berlin von einer „schweren Enttäuschung für die Arbeitnehmerrechte kirchlicher Beschäftigter“.

Die neue Grundordnung erfülle in der Praxis nicht die in sie gesetzte Erwartungen. Die persönlichen Loyalitätspflichten im kirchlichen Arbeitsrecht sollten vom Gesetzgeber grundsätzlich überwunden werden. Ein Tendenzschutz wie bei Parteien, Gewerkschaften und Medien reiche völlig aus. Die KatHO NRW ist mit rund 4.600 Studierenden an den Standorten Aachen, Köln, Münster und Paderborn die bundesweit größte staatlich anerkannte Fachhochschule in kirchlicher Trägerschaft. Der Rektor wird aus dem Kreis der 110 Professoren gewählt.

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