Jülich - Bis unters Dach voller Streusalz

Bis unters Dach voller Streusalz

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
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Der Landesbetrieb hat sich nach dem Chaoswinter 2010 neu aufgestellt und sieht sich gut gerüstet. Foto: dpa

Jülich. Der Winter hat in diesem Herbst schon recht früh vorbeigeschaut. Bereits im Oktober, sagt Ralph Schröter, mussten die Straßenwärter aus Simmerath zweimal ausrücken. Schnee gab es zwar keinen, aber dafür Bodenfrost und Reif. „In der Eifel musste schon in einigen Lagen ein wenig gestreut werden.”

Nervös macht den 49-jährigen Diplom-Ingenieur, der seit Anfang des Jahres für die drei Straßenmeistereien in Jülich, Simmerath und Aachen verantwortlich ist, die frühe Kälte nicht. Und auch vom 100-jährigen Kalender, der für diesen Winter von frühem und von viel Schnee im Dezember kündet, lässt er sich nicht kalt erwischen. „Ich halte mich lieber an die 24-Stunden- oder Drei-Tages-Prognose, die uns das Essener Wetteramt liefert. Das sind belastbare Daten, mit denen ich und auch meine Kollegen etwas anfangen können.” Und überhaupt, sagt er mit Blick auf die Salzsilos, die - auch - auf dem Jülicher Betriebsgelände bis zum Dach gefüllt sind: „Wir sind gut vorbereitet.”

Das wird sich vielleicht schon bald zeigen, wenn die Räum- und Streufahrzeuge wieder unterwegs sind. Rund 150 Straßenwärter in der gesamten Region stehen bereit. „Ab einer Temperatur von drei Grad fangen wir mit Kontrollfahrten an. Bis sechs Uhr morgens sollten die Straßen zum Berufsverkehr möglichst frei sein”, sagt Schröter. Zwar haben nach dem Chaos und als Konsequenz aus der Salzknappheit in dem harten Winter vor zwei Jahren das Land und die Kommunen in NRW ihre Salzbestände kräftig aufgestockt. Doch weil der vergangene Winter relativ mild war, steht eine echte Bewährungsprobe noch bevor. Streut der Landesbetrieb im Schnitt 130.000 Tonnen Salz pro Kältesaison auf die Straßen, waren es im Rekordwinter 2009 sagenhafte 282.000 Tonnen und im darauffolgenden Chaoswinter 2010 mit seinen Lieferengpässen noch 226.000 Tonnen. Schlug dieser Winter für Salz, Personal und Geräte mit rund 50 Millionen Euro zu Buche, kostete der Winter 2011 bei 68.000 Tonnen Streusalz „nur” 19,6 Millionen Euro.

Die größten Vorräte in Nordrhein-Westfalen besitzt das Land selbst. So hält der Landesbetrieb Straßen.NRW 130.000 Tonnen Salz für den Einsatz auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen bereit. Hinzu kommt die Landesreserve für Notfälle, die der Landesbetrieb derzeit anlegt. Die Vorräte im münsterländischen Saerbeck und in Grevenbroich bei Neuss stehen im Notfall auch anderen Bundesländern zur Verfügung. Daneben baut Nordrhein-Westfalen im niederrheinischen Rheinberg die erste Notfall-Reserve allein fürs Land auf. Dort wurde eine frühere Produktionshalle für Textilmaschinen zum Streusalzdepot umfunktioniert. Bis zu 40.000 Tonnen Salz sollen in Rheinberg schon bald lagern. Insgesamt warten 220.000 Tonnen Salz auf Schnee und Eis.

Die Straßenmeistereien in der Region sind längst beliefert. Die Geräte sind gewartet, die Lager möglichst zu Frühbezugspreisen gefüllt. Zurzeit koste die Tonne rund 80 Euro. Als in dem strengen Winter 2010 kaum noch Salz auf dem Markt war, seien die Preise bis zu 300 Euro pro Tonne hochgeschossen, heißt es beim Landesbetrieb. „In unsere Silos passt derzeit kein Körnchen Salz mehr”, sagt Schröter und schiebt auf dem Jülicher Betriebsgelände ein Rolltor zur Seite. Bis unters Dach ist das Lager gefüllt. „Nebenan sieht es genauso aus”, sagt der Leiter und rechnet den Vorrat in seinem Masterbezirk mit Jülich, Aachen und Simmerath auf mehr als 4500 Tonnen zusammen - „die bei Bedarf nachgefüllt werden können”, sagt Schröter und betont: „Selbst in dem Chaoswinter vor zwei Jahren sind unsere Silos nicht trockengelaufen. Und auch in diesem Winter wird es nicht anders sein.” Der Schnee kann also kommen.

Zwei Meistereien, 190 Autobahnkilometer

Für den Winterdienst auf den Autobahnen sind in der Region die Autobahnmeistereien in Titz und Düren zuständig, die zusammen rund 190 Kilometer der Autobahnen 4, 44, 46, 61, 540 und 544 betreuen - Rampen, Kreuze und Gegenfahrbahnen nicht mitgerechnet, betont René Derichs, Leiter der Dürener Betriebsstelle, und vermeldet: „Der Winter kann kommen.”

Während die Dürener Meisterei 1500 Tonnen Streusalz auf zwei Lager in Düren und Aachen verteilt vorrätig hat, hat die Titzer Mastermeisterei - auch für die Autobahnen gibt es so etwas - eine ähnliche Menge in Titz, Erkelenz und Jülich gelagert. Insgesamt stehen mehr als ein Dutzend Fahrzeuge zur Verfügung, um die Verkehrsadern befahrbar zu halten oder zu machen.
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