Biografie vorgestellt: Was zeichnet Martin Schulz aus?

Von: Madeleine Gullert
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SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kann Menschen wieder für Politik begeistern: Darin sind sich Biograf Manfred Otzelberger (von links), Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt (SPD), Schulz‘ Schwester Doris Harst und Würselens Bürgermeister Arno Nelles (SPD) einig. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Dass Würselen dank Martin Schulz heute weltberühmt ist, findet Bürgermeister Arno Nelles (SPD) immer noch zum Lachen. Der neue Stellenwert sei aber durchaus gerechtfertigt, sagte er bei der Präsentation einer Schulz-Biografie.

Die Stadt Würselen, Heimat von Schulz, ist wohl der naheliegendste Ort, um ein Buch über den SPD-Kanzlerkandidaten vorzustellen, aber gleichzeitig vielleicht auch der schlechteste, denn jeder in der Stadt kennt „den Martin“. Vielleicht ist der Andrang bei der Buchvorstellung am Dienstagabend deshalb mäßig. Wer Schulz regelmäßig selbst in der Stadt treffen kann, hat nicht unbedingt Interesse daran, sich Schulz-Anekdoten von anderen anzuhören – zumal auch in dem Buch wenig Überraschendes zu erfahren ist.

Neben Nelles sitzen Schulz‘ Schwester Doris Harst und die Aachener SPD-Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt auf der Bühne im Alten Rathaus. Autor Manfred Otzelberger hatte mit ihnen zuvor auch für die Recherchen seines Buches gesprochen. Erzählungen und Erinnerungen weiterer Weggefährten aus Würselen und Brüssel komplettieren das Bild, das der Autor, hauptberuflich Redakteur bei der Zeitschrift „Bunte“, malt.

Es ist die zweite Biografie, die sich Schulz widmet. Wenige Wochen nur hatte Otzelberger Zeit, um die Biografie fertigzustellen, schließlich geht es um Schulz als Kandidaten. Und während das Buch noch mit dem „Schulz-Effekt“ beginnt, fragte Otzelberger bei der Buchvorstellung schon, ob es den denn überhaupt noch gibt.

„Na klar ist der da“, sagte Ulla Schmidt. Die Sozialdemokraten stünden besser da als vor der Schulz-Nominierung im Januar. Die SPD sei in einer Situation der Verzweiflung gewesen. „Wir sind alle froh, dass der Martin das macht.“ Dass Martin „das“ machen wollte, war seiner Schwester Doris Harst früh klar. „Jeder, der ihn kennt, hat gemerkt, dass er Kanzlerkandidat werden will.“ Niemals aber hätte er gegen SPD-Chef Sigmar Gabriel kandidiert. Das hätte nicht zu Schulz‘ Persönlichkeit gepasst. „Martin ist geerdet und weiß, was Freundschaft bedeutet.“

Nur nette Worte hat Otzelberger auch bei seinen Recherchen gehört. „Dieser Mann scheint keine Feinde zu haben. In der Sozialdemokratie ist das ziemlich einmalig“, schreibt er. Für Schulz spreche ebenfalls, dass nach so vielen Jahren in der Politik kaum ein Fehler gefunden werde. Immer wieder bemühen Journalisten deshalb die alte Geschichte um den Bau des Spaßbades „Aquana“ in Würselen. „Ich will nichts schönreden: Doch auch wenn wir zuzahlen, ist das ,Aquana‘ eine Erfolgsgeschichte“, sagte Nelles verteidigend. Kein kommunales Schwimmbad erziele Gewinne. So sei das eben.

Der Ärger ums „Aquana“, Schulz, der wegen einer Verletzung verhinderte Profifußballer, der Schulabbrecher, der Ex-Alkoholiker, der Buchhändler, der Bürgermeister, der Mann, der von Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi beleidigt wurde und dann der wohl bekannteste EU-Abgeordnete war, und der dem Amt des EU-Parlamentspräsidenten zu Ruhm verhalf. Das beschreibt Otzelberger. Natürlich darf auch nicht die Information fehlen, dass Schulz sechs Sprachen spricht.

Aber es sind auch Wahlzeiten und deshalb vergleicht der Autor Schulz mit der Kanzlerin. Was hat Schulz, das Angela Merkel (CDU) nicht hat?„Schulz hat die Gabe, spontan zu sein, die Menschen für sich zu gewinnen, und er kämpft für Dinge, die ihm wichtig sind – auch gegen Widerstand“, sagte Schmidt. Pfarrerstochter gegen Polizistensohn – darauf verkürzt es Otzelberger, der eine Vorliebe für Alliterationen hat („Er ist frisch, frech und fröhlich...“).

Zehn Gründe nennt er, warum Schulz gewinnen kann. Otzelberger sieht etwa Frauen als Faktor: Sie „dürften in ihm eher einen Vatertypen erkennen, dem sie etwas anvertrauen würden. Auch einen, bei dem sie sich ausweinen könnten, weil ihm persönliche Katastrophen nicht fremd sind.“ Bürgermeister Nelles hält Schulz‘ gebrochene Biografie insgesamt für einen Pluspunkt. Es sei schließlich viel bedenklicher, wenn Menschen nur die heile Welt kennen.

Otzelberger als Boulevardjournalisten interessiere natürlich auch das Privatleben des Kanzlerkandidaten. Bedauerlich sei es schon, dass Schulz‘ Ehefrau Inge sich öffentlich so zurückhalte. „Inge steht zu 100 Prozent hinter Martin“, sagt Harst, auch wenn man das nicht sehe. Merkels Ehemann Joachim Sauer halte sich ja auch im Hintergrund. „Warum sollte Inge das nicht dürfen?“ Da muss auch Nelles noch mal einhaken: „Unsere Partner sind nicht unsere Anhängsel, die uns hinterherdackeln müssen.“

Dass Schulz trotz aller Lobeshymnen auch kleine Schwächen hat, verriet Harst. „Er kann keinen Nagel gerade in die Wand hauen, und er weiß nicht einmal, wie man einen Computer anmacht.“

„Martin Schulz. Der Kandidat.“, Manferd Otzelberger, Herder-Verlag, 224 Seiten, 20 Euro.

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