„Bildungsstreik” legt Aachener Innenstadt lahm

Von: Martina Stöhr
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Bildungsstreik / Demonstration
In zahlreichen Städten Nordrhein-Westfalens, u.a. in Aachen, demonstrierten Studenten und Schüler für bessere Bildungsbedingungen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Strahlender Sonnenschein, prima Stimmung und eine ausgesprochen gute Resonanz prägten die Schülerdemo am Mittwoch: Schüler, Studenten, Elternvertreter und sogar der eine oder andere Lehrer machten mobil, um auf Missstände im Bildungssystem aufmerksam zu machen.

Die Polizei sprach von rund 700 Teilnehmern. In der Innenstadt kam es immer wieder zu Verkehrsbehinderungen.

Um Zwischenfälle wie im vergangenen Jahr zu vermeiden, hatte die Demoleitung 50 Ordner eingesetzt. Die sollten dafür sorgen, dass es vor allem an den besuchten Schulen nicht zu Krawallen kam. Ein dickes Lob von der Polizei kassierte Demoleiter Henry Isbaner schon an der Normaluhr. „Das haben Sie wirklich gut organisiert”, meinte ein Polizist und fügte hinzu: „Das ist eine schöne Geschichte und ein gutes Beispiel für gelebte Demokratie.”

Die Demonstranten hatten sich vor dem Elisenbrunnen versammelt und machten sich auf einen fünf Kilometer langen Fußmarsch: Normaluhr, Aretzstraße, Templergraben und Markt waren die einzelnen Stationen. Bei drei Kundgebungen formulierten die jungen Leute ihre Ziele.

Kleinere Klassen, mehr Lehrer

„Wir wollen unseren Frust vom Schreibtisch auf die Straße bringen”, erklärt Henry Isbaner. Schüler und Studenten wehren sich unter anderen gegen eine zunehmende Verschulung an den Unis, gegen Studiengebühren und Kopfnoten, gegen die verkürzte Gymnasialzeit und gegen Einsparungen im Bildungssystem. Sie fordern kleinere Klassen und mehr Lehrer.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut”, klang der Schlachtruf der Schüler durch die Straßen. „Bildung für alle, und zwar umsonst”, „Bildungsklau im ganzen Land - unsere Antwort Widerstand” und „Bildungsblockaden einreißen - Gute und kostenlose Bildung für alle”, waren einige der Sprüche auf den Bannern.

Unter den Demonstranten fanden sich auch auffallend viele junge Schüler. So war etwa die Klasse 5c der Montessori-Gesamtschule fast geschlossen angetreten. Die Elf- bis Zwölfjährigen „finden es gut, für bessere Bildung auf die Straße zu gehen”. Die Lehrer hätten sie durchaus ermuntert, und auch die Eltern hätten ohne Zögern ihr Einverständnis gegeben.

Dass der Streik auch gleichzeitig einen Tag ohne Schule bedeutet, hat sie noch zusätzlich motiviert. Mit der Teilnahme am Streik werde an den Schulen ganz unterschiedlich umgegangen, meint Henry Isbaner. Auch in diesem Jahr hätten viele Lehrer mit Sanktionen gedroht, aber da die Schüler im vergangenen Jahr letztendlich keine Konsequenzen zu spüren bekommen hätten, träten sie in diesem Jahr mit weitaus weniger Bedenken an.

Zeitgleich zur Demo in Aachen gingen bundesweit in 80 Städten Schüler und Studenten auf die Straße, um ein gerechteres Bildungssystem einzuklagen. „Im Bundestag gibt es niemanden, der sich für uns einsetzt”, sagt Henry Isbaner. Deshalb wolle man über das „Bildungsstreikbündnis” eine bundesweite Bewegung aufbauen.

In Aachen war zudem ein Zwischenstopp an der Aretzstraße eingeplant worden, um auf die Diskussion „Gesamtschule” aufmerksam zu machen. Auch hier gehe es in erster Linie nur um weitere Einsparungen, kritisiert Isbaner. Die Schüler der Hauptschule an der Aretzstraße waren allerdings ausgeflogen, als der Demozug ihnen einen Besuch abstatten wollte: Sie waren zu den Bundesjugendspielen im Waldstadion.

Als der Protestzug vor dem Hauptgebäude der RWTH ankam, nahmen die Demonstranten ein Viertelstündchen auf den Templergraben Platz. RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg und Kanzler Manfred Nettekoven kamen vor die Tür und diskutierten mit einigen der jungen Leuten.

Gegen 13 Uhr endete die Demonstration auf dem Marktplatz. Einige Demonstranten steuerten die Rathaustreppe an, wurden aber von Polizeibeamten aufgehalten. Insgesamt zog auch die Polizei eine entspannte Bilanz: „Keine besonderen Vorkommnisse.”
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