Bilanz: Polizei-Razzia gegen Einbrecher in der Region

Von: smb/hau/ng/cs/pol/dpa
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Polizisten durchsuchen in Frechen an der A 4 Fahrzeuge. Foto: dpa
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Bis zum Nachmittag seien neun Menschen festgenommen worden, fünf davon mit Haftbefehlen wegen Einbruchs.

Region. Mehr als 2000 Polizisten sind am Donnerstag im Rheinland zur seit Jahren größten Suchaktion nach Einbrecherbanden ausgerückt. 13 Polizeibehörden westlich der Linie Düsseldorf, Köln und Bonn hatten sich zusammengeschlossen – darunter Aachen, Düren und Heinsberg – und reagierten damit auf die stark angestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche.

Zuvor war Kritik laut geworden, wonach die Polizei das Problem eher verwalte als anpacke. Der „Spiegel“ zitierte am Donnerstag aus einer internen Analyse eines 15-köpfigen Expertengremiums, das ein düsteres Bild der polizeilichen Möglichkeiten im Kampf gegen Einbrecherbanden in NRW zeichnete.

Die Tätergruppen agieren demnach zumeist überregional und blieben nur vorübergehend in NRW. Aus der Beweglichkeit der Banden entstehe jedoch ein großes Problem für die Ermittler. Die geschnappten Seriendiebe würden häufig behandelt wie harmlose Ersttäter, weil vor allem die Kommunikation zwischen den NRW-Ämtern untereinander große Schwierigkeiten bereite, werden die Experten zitiert. Datenbanken würden schlecht gepflegt, Akten vernachlässigt und Fotos und Fingerabdrücke nicht aktualisiert.

Hinter der Zunahme der Einbrüche in NRW vermuten die Ermittler organisierte Banden aus Osteuropa und den Beneluxländern einsickern. Für Fahrer von Kleintransportern mit ausländischen Kennzeichen hieß es daher am Donnerstag: Türen auf und Ruhe bewahren. An Autobahnen und Knotenpunkten hatte sich reichlich Polizei postiert.

Bis zum Nachmittag seien neun Menschen festgenommen worden, fünf davon mit Haftbefehlen wegen Einbruchs. Bei Durchsuchungen in Köln fanden die Ermittler Diebesgut, das Einbrüchen im Rhein-Sieg-Kreis und Niedersachsen zugeordnet werden konnte, teilte das Innenministerium mit.

In Köln brachte die Kontrolle von Übergangswohnheimen sogleich einen Erfolg: Während die Polizisten unten in eines der Heime eindrangen, fiel ihnen aus einem der oberen Stockwerke eine Tasche mit drei scharfen Schusswaffen vor die Füße. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden, berichtete eine Polizeisprecherin.

In der Städteregion Aachen wurden Wohnungen durchsucht, an 12 Kontrollstellen insgesamt 403 Fahrzeuge und 502 Personen überprüft. Bei einem 27-Jährigen in Aachen, der sich nicht ausweisen konnte, ergab ein Abgleich seiner Fingerabdrücke, dass diese bei einem Wohnungseinbruch im April 2012 in Aachen gesichert worden waren. Bei der Durchsuchung der Wohnung eines Mannes in Eschweiler, der festgenommen worden war, wurden sichere Beweise für 15 Straftaten, darunter drei Wohnungseinbrüche, gefunden. 220 Beamte überprüften zudem an wechselnden Kontrollstellen über 100 Fahrzeuge und knapp 140 Personen. Dabei wurde ein Belgier festgenommen, der wegen Verkehrsdelikten und Drogenverstoßes gesucht worden war. Insgesamt wurden 13 Personen vorläufig festgenommen.

Auf der Lütticher Straße überprüften die Kräfte am Abend ein Fahrzeug mit fünf Insassen - aus Osteuropa stammende Männer - die in Richtung Belgien unterwegs waren. Im Kofferraum des Wagens fanden die Beamten umfangreiche Diebesbeute. Die Verdächtigen wurden vorläufig festgenommen und die Ermittlungen nach der Herkunft der Beute eingeleitet. Zwischenzeitlich steht fest, dass die Gegenstände aus Diebstählen in den Niederlanden stammen. Erst am Dienstag waren die verdächtigen Osteuropäer bei einer Kontrolle in Süddeutschland aufgefallen und erkennungsdienstlich behandelt worden. Das zeigt, welche Wege die Täter zurück legen und wie mobil sie sind.

Im Kreis Düren waren 130 Beamte den ganzen Tag im Einsatz. Sie hatten sich gleichzeitig an zehn Kontrollstellen auf überörtlich genutzten Straßen und Autobahnanschlussstellen positioniert. Bis zum Abend wurden über 1000 Fahrzeuge und deren Insassen überprüft. Dabei konnten in Titz und in Niederzier drei Männer festgenommen werden, nach denen mit Haftbefehl gefahndet worden. Zudem gab es Aktionen an bekannten Aufenthaltsadressen mutmaßlicher Tatverdächtiger. Allerdings fanden die Beamten keine Beweismittel.

Im Kreis Heinsberg waren 70 Beamte im Einsatz und winkten bis zum frühen Abend 113 Personen an Autobahnanschlüssen und Grenzübergängen aus dem Verkehr. Ertappt wurde im Kreis Heinsberg jedoch keiner. Dennoch wertete Polizeisprecher Karl-Heinz Frenken die Aktion als Erfolg. „Ziel solcher Aktionen ist es auch, Erkenntnisse über Strukturen von Einbrecherbanden zu erstellen und auszuwerten und Bewegungsprofile der Täter anzufertigen – und das ist gelungen“, sagte Frenken. Zwar konnten keine Einbrecher auf frischer Tat erwischt werden, doch gelang es im Laufe des Tages zwei Personen vorläufig festzunehmen, die mit Haftbefehl gesucht wurden. Beide Männer sind der Polizei als Einbrecher bekannt.

Um Tatserien und Reiserouten besser zu erkennen, würden alle Informationen über Einbrüche im Rheinland inzwischen über einen Datenverbund zwischen den Polizeibehörden ausgetauscht, hieß es am Nachmittag aus dem Innenministerium in Düsseldorf. „Einbrecher machen nicht vor Behörden-, Stadtgrenzen oder Landesgrenzen halt“, betonte ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung.

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus, lobte die Aktion und die verbesserte Zusammenarbeit der Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen. Gleichwohl sei die Bundesregierung in der Pflicht, über eine Visumspflicht für „gewisse Länder“ nachzudenken. Die Reisefreiheit innerhalb der EU werde von Banden aus dem Osten ausgenutzt, „um Wohnungseinbrüche nahezu systematisch am Fließband zu begehen“.

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