Biker in der Eifel: Alltagserlebnisse eines Motorradfahrers

Von: Peter Stollenwerk
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„Die Leute, die sich auf der Straße austoben wollen, wird man nie in den Griff bekommen“, sagt ein 28-jähriger Biker aus Simmerath. Er berichtet über Alltagserlebnisse auf der „Nordschleife der Eifel“. Foto: Peter Stollenwerk

Region. "Die Leute, die sich auf der Straße austoben wollen, wird man nie in den Griff bekommen“, sagt ein 28-jähriger Biker aus Simmerath. Er berichtet über Alltagserlebnisse auf der „Nordschleife der Eifel“.

"Ja, ich habe auch schon mal ausprobiert, was so geht“, sagt der 28-jährige Axel S. (Name von der Redaktion geändert). Der 28-jährige Angestellte aus der Gemeinde Simmerath hegt und pflegt sein 152-PS-Motorrad, dessen Tachonadel die 300 km/h-Marke erreichen kann. Auf einem verkehrsarmen Autobahnstück hat er die Maschine schon mal bis 230 km/h hochgedreht („aber nur einmal“), und auf der Landstraße 166, die von Simmerath-Kesternich nach Rurberg an den Rursee führt, hat er mal ausprobiert wie sich 140 km/h bei den hier erlaubten 100 km/h anfühlen.

Axel S. nutzt sein Motorrad für die täglich notwendigen Fahrten zur Arbeit und in der Freizeit, aber manchmal reizt es ihn auch, die Geschwindigkeit zu spüren. „Das gehört zum Motorradfahren einfach dazu“, sagt er. Auch er spürt, dass in den Sommermonaten die Biker in der Eifel einen schweren Stand haben, und kann die Proteste von lärmgeplagten Anwohnern gut verstehen, die sagen, dass es in diesem Sommer besonders schlimm ist. Das sieht Axel S. etwas anders. Voriges Jahr sei der Sommer bis Mitte Juli verregnet gewesen im Gegensatz zum bisher relativ stabilen Eifelsommer 2017. Biker seien nun mal „Schönwetterfahrer“. Und wie steht es um den Lärm? Das Problem ist für den 28-Jährigen leicht zu verorten. „Wenn sich die höchstens zehn Prozent der Motorradfahrer, die sich an ihren Maschinen die Dezibelkiller ausbauen, verkehrsgerecht verhalten würden statt Rennen zu fahren, gäbe es keinen Ärger“, sagt er und ergänzt „dass leider meistens unsere niederländischen Freunde die Hauptverursacher des Lärms sind, besonders wenn sie Gruppen in auftreten. Die machen dann richtig Krach.“

Doch egal von welcher Seite man das Thema Motorradlärm betrachte: „Die Leute, die sich auf der Straße austoben wollen, wird man nie in den Griff bekommen“, denkt der 28-Jährige. Axel S., der immer allein unterwegs ist, legt hin und wieder einen Stopp am inzwischen bekannten Parkplatz Schöne Aussicht an der B266 bei Einruhr ein, wenn er auf dem „Rurberger Dreieck“ bzw. der „Nordschleife der Eifel“ unterwegs ist. So heißt die bei den Bikern so beliebte etwa 12 Kilometer lange Rurseerunde, auf der es nicht immer gesittet zugeht. Auf dem Parkplatz kommt Axel S. mit so manchem Biker ins Gespräch.

Mal gehe es um die neuesten technischen Finessen an Zweirädern, oder darum mit welcher Fahrtechnik eine bestimmte Kurve renntechnisch optimal zu beherrschen sei. Diese Runde biete sich einfach an, um am Limit zu fahren. „Da hört man auch schon mal Leute davon reden, dass sie auf dem geraden Stück am Russenfriedhof 250 km/h gefahren sind“, erzählt der 28-Jährige. Andere Gruppen träfen sich hier lediglich „zum Quatschen“. Diese seien mit Sicherheit „nicht das Problem“.

Ein Thema für alle Biker war im vergangenen Jahr eine Maßnahme zur Tempodrosselung auf der L166 vor der Jugendherberge Rurberg. Hier wurden sechs sogenannte Rüttelstreifen in den Asphalt eingebaut. „Darüber kann man als Biker nur müde lächeln“, weiß Axel S. aus eigener Erfahrung: „Je schneller man drüberfährt, je weniger spürt man davon.“ Störend seien die kleinen Erhebungen allenfalls für Autofahrer, „und das an 12 Monaten im Jahr.“ Weniger entspannt wirkt der 28-Jährige allerdings, wenn er von mutwillig verursachten Ölspuren auf der Rurseerunde spricht. Vor drei Wochen erkannte er im letzten Moment eine auf rund 30 Metern Länge genau in der Fahrbahnmitte der sogenannten „Applauskurve“ der L166 aufgetragene Ölspur. „Genau an dieser Stelle und auf einem so kurzen Stück kann das kein Zufall sein. Hier hatte jemand mindestens zehn Liter Altöl gezielt verteilt“, ist Axel S. überzeugt. „Darüber kann man nur den Kopf schütteln.“

Auch im vergangenen Jahr habe er mehrmals Ölreste auf der Fahrbahn entdeckt, auch in einer Kurve oberhalb des Parkplatzes „Schöne Aussicht.“ Solche Attacken gefährdeten Menschenleben und verschärften die Konfrontation nur noch. Besser wäre es, die „kleine Gruppe der Unruhestifter“ unter den Bikern zur Vernunft zu bringen. Ansonsten kann Axel S. allen potenziellen Rasern nur raten, was auch für ihn selbst die Regel Nummer eins ist: „Man sollte nicht schneller fahren, als man denken kann.“

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