Bibelstunde mündete am Ende in Mordgedanken

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Düren. Mehr Licht in die Hintergründe einer Tat, die bereits etwa drei Jahre zurück liegt, brachte die Anhörung des heute 73-jährigen Opfers einer gewalttätigen Auseinandersetzung, die zu einer Anklage wegen versuchten Totschlags vor dem Aachener Schwurgericht führte.

Am ersten Verhandlungstag hatte der 40-jährige Angeklagte noch geschwiegen. Jetzt gab Markus V. den Vorfall aus der Nacht zum 2. Oktober 2011 vor Richter Arno Bormann, dem Vorsitzenden der Kammer, zu. Ja, er sei in der Wohnung seiner eigenen Mutter auf die Mutter seiner Freundin losgegangen, sie habe sich eingemischt in seine und die Angelegenheiten ihrer Tochter. Doch er könne sich an vieles nicht mehr erinnern, weil er vor seinem Ausraster lange Stunden in einer Kneipe verbracht hatte und angetrunken gewesen sei.

Die aus Solingen stammende Geschädigte schilderte demgegenüber, wie sie bei dem Besuch der Mutter von V. erheblich verletzt wurde und in Todesangst mit ihrer heute 53-jährigen Tochter aus deren Wohnung geflohen war. Alle vier kannten sich von gemeinsamen Bibelstunden einer in Krefeld ansässigen religiösen Gemeinschaft. Insbesondere die Mütter lernten sich besser kennen, sie machten gemeinsame Ausflüge. So auch im Oktober 2011, als man vor dem Einheitsfeiertag von Solingen nach Düren kam und dort übernachten wollte.

Zuvor hatten sie jeweils paarweise den Tag verbracht. Bei den „Kindern“ war es allerdings zu erheblichen Spannungen gekommen, die V. anscheinend dem Einfluss der Mutter auf die Tochter zuschrieb, so dass er sich am Abend verstimmt in eine Gaststätte absetzte. Die beiden Frauen aus Solingen hatten bereits beschlossen wieder abzureisen, was allerdings seine Mutter nicht wollte - angeblich aus Angst vor seinen bekanntermaßen lauten und unangenehmen Ausrastern.

Dann gegen Mitternacht kam das Grauen, wie es die 73-jährige heute vor dem Schwurgericht beschrieb. Herrisch habe V. die Frauen aufgefordert, sofort abzureisen, er gab ihnen 15 Minuten Zeit, die Sachen zu packen. Er wartete solange in seiner eigenen Wohnung, die über der seiner Mutter lag. Anscheinend nutzte er die Zwischenzeit, um den Wagen der Frauen zu demolieren, die Reifen aufzustechen und die Windschutzscheibe einzuschlagen.

Dann ging es richtig los. Mit der Handkante habe er ihr, so die 73-Jährige vor Gericht, gegen den Hals geschlagen. Sie fiel aufs Bett, richtete sich wieder auf. Da nahm er unter wüsten Beschimpfungen ein Parfümflakon, donnerte ihn an ihre Schläfe, zuvor traf noch ein Schlüsselbund den Hals des Opfers.

Am Ende griff er einen igelförmigen Stein mit einem Gewicht von etwa einem Kilo und warf ihn in Höhe des Kopfes nach der Frau. Zuvor habe er unter höhnischem Lachen geschrien „jetzt versetz ich dir den Todesstoß“. Sogar den kleinen Hund habe er getreten. Mutter und Tochter retteten sich letztlich auf die nächtliche Straße und hielten dort ein Fahrzeug an. Der Prozess geht am Dienstag, 22. Juli, weiter, dann wird möglicherweise bereits ein Urteil erwartet.

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