Bewegender Abschied von Kardinal Meisner im Kölner Dom

Von: Christoph Driessen
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Der Sarg mit dem Leichnam von Joachim Meisner wird unter großer Anteilnahme der Gläubigen im Dom in die Gruft der Kölner Erzbischöfe hinabgelassen. Foto: dpa
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Der verstorbene Kardinal Meisner wird am Sonntag im Kölner Dom beigesetzt. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Köln. Joachim Meisner hat oft über sein Begräbnis gesprochen. Viele Besucher hat er in die Gruft der Kölner Erzbischöfe in den Kellergewölben des Doms geführt, auf einen leeren Fleck an der Wand gezeigt und dazu gesagt: „Da komme ich mal hin, ich mache da unten die Reihe weiter.“ Jetzt ist der Moment gekommen.

In einer Prozession ist der Sarg mit dem Leichnam des Kardinals am von der Basilika St. Gereon zum Kölner Dom geleitet worden. Nun steht er vor dem Altar. Dort wo Meisner ein Vierteljahrhundert lang seine berühmt-berüchtigten Donnerpedigten gehalten hat. Wo er gegen die „Diktatur des Zeitgeistes“ kämpfte, wie es sein alter Weggefährte, der emeritierte Papst Benedikt XVI., in einem Grußwort ausdrückt. Es wird von seinem langjährigen Privatsekretär Georg Gänswein verlesen und von den Gläubigen im Dom mit spontanem Applaus aufgenommen.

Benedikt hatte die Nachricht von Meisners Tod zunächst gar nicht glauben können: „Am Tag zuvor hatten wir noch über das Telefon miteinander gesprochen. Aus seiner Stimme klang die Dankbarkeit dafür, dass er nun im Urlaub angelangt war.“

Eine Postkarte

Der Kölner Dom ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Schon als Jugendlicher hatte Meisner den Dom zum ersten Mal gesehen: auf einer Postkarte am Küchenschrank seiner Mutter. Später hörte er dem damaligen Kölner Erzbischof Joseph Frings am Radio zu. Nicht ohne Grund hat er als Grabplatz für sich die Stelle gegenüber der letzten Ruhestätte von Frings ausgesucht.

An einigen Stellen seiner Totenmesse führt Meisner noch selbst Regie: Die Lieder „Adeste fideles“ und „Segne du Maria“ hat er sich ausdrücklich gewünscht. In Gedanken hat er sich seine Begräbnisfeier oft ausgemalt. Das einzige, was an diesem Tag fehlt, ist der „Dicke Pitter“: Die berühmte Glocke muss repariert werden und ist darum verstummt.

Im Querschiff der Kathedrale erstrahlt 19 Meter hoch das Domfenster von Gerhard Richter. Meisner mochte es nie, es war ihm zu abstrakt, zu beliebig: Ihm fehlte eine klare christliche Botschaft, die der atheistische Künstler naturgemäß nicht liefern konnte. Meisner stammte aus einer Tradition tiefer Volksfrömmigkeit. Ebenso wie Benedikt wehrte er sich dagegen, einen immer größeren Teil des Glaubens nur noch als Metapher, als schönes Bild zu betrachten und je nach herrschender Strömung umzuinterpretieren.

Wie Don Camillo

Auch Katholiken verfügen heute meist nicht mehr über die unumstößliche Gewissheit im Leben und im Sterben, die für frühere Generationen selbstverständlich war. Anders Meisner: So wie Don Camillo in den alten Schwarzweißfilmen Zwiesprache mit dem gekreuzigten Jesus an der Wand seiner italienischen Dorfkirche hält, so bat auch er in schwierigen Situationen ganz selbstverständlich um den Rat des Herrn. Eine Welt ohne Gott war für ihn eine Horror-Vorstellung: „Wo keine Götter sind, walten Gespenster“ – diesen Satz des frühromantischen Schriftstellers Novalis hatte er ganz und gar verinnerlicht.

Benedikt fand in seinem Grußwort aber auch einige sehr persönliche Worte, die darauf hindeuten, dass Meisner am Ende seinen Frieden mit sich und der Welt gemacht hatte: Es sei bekannt, dass es ihm schwer gefallen sei, 2014 sein Amt als Kölner Erzbischof aufzugeben, rief Benedikt in Erinnerung. „Aber umso mehr hat es mich bewegt, dass er in dieser letzten Periode seines Lebens loszulassen gelernt hat.“

Die letzte Reise ist zu Ende

Benedikt mag sich darüber umso mehr gefreut haben, weil Meisner für seinen Rücktritt als Papst zunächst wenig Verständnis aufgebracht hatte. „Wir nehmen Abschied von Joachim Kardinal Meisner“, sagt sein Nachfolger Rainer Maria Woelki. Langsam wird der Sarg in die Grablege der Erzbischöfe hinuntergelassen. Kardinal Meisners letzte Reise ist zu Ende.

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