Bewährungsstrafe für den Tierquäler aus Mützenich

Von: Christoph Pauli
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Der Angeklagte und sein Anwalt: Dieter B. (rechts) wird vor dem Amtsgericht von Hans-Joachim Poick vertreten. Foto: Christoph Pauli

Monschau. Ganz am Ende des Verfahrens wandte sich Richterin Britta Güldenberg noch einmal an den Angeklagten Dieter B. Es klang fast wie eine Klage. „Bei Ihnen möchte ich nicht gerne ein Tier sein.“ Das Amtsgericht Monschau verurteilte den Tierquäler aus Mützenich am Montagnachmittag zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und 150 Stunden Sozialhilfe.

Seine Lebensgefährtin erhielt eine Geldstrafe von 150 mal 20 Euro. Eine „ernsthafte, selbstkritische Auseinandersetzung“ mit den Vorwürfen hatte Güldenberg nicht ausmachen können. Im Gegenteil: Die beiden hätten sich vielmehr als Opfer eines verfolgswütigen Veterinäramts inszeniert. Die Richterin blieb dennoch bei ihrem noch nicht rechtskräftigen Urteil deutlich unter den Anträgen von Staatsanwalt Dennis Bäcker. Die Pflichtverteidiger hatten jeweils „angemessene Geldstrafen“ angeregt.

Verhandelt wurden etliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Auf dem kleinen Anwesen des Paares wurden bei zwei Razzien im letzten Jahr 135 Tiere beschlagnahmt. „Alle waren unterversorgt, wiesen Mängel auf“, stand auch für die Richterin fest. Die Veterinäre vor Ort hatten ebenso wie die Sachverständige nur punktuellen Einblick in die Unterbringung. So wurde die Haltung von Hühnern, Schildkröten, Schafen, Zwergszebus oder Hunden nach den drei Verhandlungstagen nicht mehr strafrechtlich geahndet. „Erhebliche Mängel“ – die Schwelle zur Straftat – wurde noch bei 71 Tieren festgestellt, primär Pferde, Ponys oder auch Rinder.

Für die Equiden war primär der Angeklagte zuständig. Staatsanwalt Bäcker lehnte dennoch die vom Verteidiger angeregte Einstellung des Verfahrens für die Angeklagte ab. Aus seiner Sicht war die 29-Jährige „mitverantwortlich“ für die katastrophalen Zustände. Bäcker hielt eine Gefängnisstrafe für die 29-Jährige von acht Monaten für angemessen, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Sie ist nicht einschlägig vorbestraft.

Verbot seit Jahren ignoriert

Als Drahtzieher hatte auch der Anklagevertreter Dieter B. ausgemacht, der sein Tierhaltungs- und Pferdehandelsverbot seit Jahren ignoriere. Faktisch habe das Paar den Handel weiterbetrieben und erhebliche Tierschutzmängel in Kauf genommen. „Keinem einzigen der Tiere bei Ihnen ging es gut“, sagte Becker in Richtung Angeklagten. „Und Sie hatten das Leid der Tiere jeden Tag vor Augen.“ Mit dem Erlös sollte die Haushaltskasse aufgebessert werden. „Es ist ihr Geschäftsmodell, alte und kranke Pferde zu kaufen und dann zum Abdecker nach Belgien zu schicken.“ Jede Pflege senke die Gewinnmarge, vermutete Bäcker. Dieter B. ist zudem seit 20 Jahren einschlägig vorbestraft, weil er Wirbeltiere misshandelt hatte.

Für die Veterinärbehörden ist Dieter B. so etwas wie ein Stammkunde. Bereits seit 1981 wurden immer wieder seuchenrechtliche und tierschutzwidrige Verstöße gemeldet. Weder Bußgelder noch eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe änderten sein Verhalten. Anfang Januar 2005 bereits wurde ihm der „gewerbsmäßige Handel mit Pferden und Vieh untersagt“.

Es wird nicht das letzte Verfahren gegen den 52-Jährigen sein. Eine weitere Razzia vom April 2017 wurde in der Anklage noch nicht berücksichtigt. Auch das Finanzamt, das die erste Kontrolle im letzten Jahr initiierte, hat noch Fragen. Die Behörde hegte den Verdacht, dass da jemand mit Tieren handelt, ohne Steuern zu zahlen.

Sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch beim Veterinäramt sind inzwischen Hinweise eingegangen, dass Dieter B. sein Einzugsgebiet über die Grenze verlegt haben soll. Danach soll das Paar auf einem Bauernhof in der Nähe von Büllingen einen nicht genehmigten Tierhandel mit Hunden, Pferden und Ponys betreiben. Auch an diesem Standort – so die Tierschützer – werde massiv gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen. Wie auch in Mützenich müssten die Tiere tagelang ohne Wasser und Futter auskommen.

Die Bewährungszeit wurde am Montag auf drei Jahre festgelegt. Für diese Zeit verfügte die Richterin erneut ein Haltungs- und Betreuungsverbot von Tieren. Es wurde ausgedehnt, auch bei Verstößen im Ausland kann die Bewährung aufgehoben werden.

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