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Bewährungsstrafe: Dürener lockte als „Mädchen“ Männer in Sex-Chats

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Symbol Justiz Gericht Richter Gesetz Stpo Strafprozessordnung Foto: Oliver Mehlis/dpa
Seine bisherige Unbescholtenheit bewahrte den Angeklagten vor einer wesentlich härteren Strafe.

Düren/Aachen. Ein 25-jähriger Dürener ist am Montag in Aachen wegen Erpressung zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte 2013 und 2014 Internetchat-Nutzern übel mitgespielt. Erhebliche kriminelle Energie sei im Spiel gewesen, stellte das Gericht abschließend fest und verhängte trotzdem die recht milde Strafe.

Die Staatsanwaltschaft schilderte am Montag vor der 6. Großen Strafkammer das obszöne Vorgehen des Düreners: Er war auf Sexseiten mit der Pseudo-Identität von 14- oder 16-jährigen Mädchen, also Minderjährigen, in die dort angebotenen Chatrooms gegangen – und hatte entsprechende Freier gesucht. Mit seiner Anmache lockte er männliche User so lange, bis sie sich vor ihrer eigenen Kamera im Computerbildschirm entblößten und an sich selber sexuelle Handlungen vollzogen.

Von diesen Tätigkeiten fertigte der Täter dann an seinem Computer ein Foto des Computerbildes an, einen „Screenshot“, und begann über das Netz, die Opfer mit der Drohung zu erpressen, die „Screenshots“ in den Sozialen Netzwerken zu veröffentlichen.

Über verschiedene E-Mail-Adressen habe er dann seinen Erpresserlohn in Form von Amazon-Gutscheinen eingefordert, sagte der Vorsitzende Richter Matthias Quarch im Urteil. Bei den insgesamt 17 Fällen zwischen Juni 2013 und Oktober 2014 klappte das bei zehn Männern. Sie zahlten. Sieben ließen sich nicht erpressen.

Täter bislang unbescholten

Die zehn Opfer übermittelten Gutscheine zwischen 300 und 900 Euro, die der Interneterpresser unter seinen Bekannten mit Rabatten weiterverkaufte. Hier galt er, wunderte sich das Gericht, als seriöser Amazon-Händler mit guten Beziehungen. Insgesamt erbeutete er so rund 4600 Euro.

Seine bisherige Unbescholtenheit bewahrte den Angeklagten vor einer wesentlich härteren Strafe. Der junge Mann hatte 2010 Fachabitur gemacht und keinen Studienplatz bekommen. Mit Gelegenheitsjobs schlug er sich durchs Leben. Der Strafrahmen kann bei Erpressung bis zu 15 Jahre Haft erreichen.

Man sei davon überzeugt, schilderte Richter Quarch die Sicht der Kammer, dass der 25-Jährige eine Chance bekommen solle und verurteilte ihn zu der letztlich milden Bewährungsstrafe. Das umfassende Geständnis des Düreners hatte es dem Richter leicht gemacht, so zu verfahren.

Vor allem seien den über die gesamte Republik verstreuten Opfern zwischen München und Flensburg „peinliche Auftritte als Zeugen“ erspart geblieben, zeigte sich auch die Kammer erleichtert über das zügige Hauptverfahren.

Von der Verlesung der Anklage über die Plädoyers bis zum Urteilsspruch dauerte es nur etwas mehr als eine Stunde, rekordverdächtig bei einer großen Strafkammer. Der Angeklagte war guten Mutes: Er wolle eine Friseurlehre beginnen, berichtete er der Kammer. Das Urteil wurde direkt rechtskräftig.

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