Bettlaken mit EKG-Sensor, Videokonferenz mit dem Arzt

Von: Claudia Schweda
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ArbeiDieter Begaß, Wirtschaftsförderer der Stadt Aachen. Foto: Christian Rein

Aachen. Es geht um insgesamt 15 Millionen Euro, eine bessere medizinische Versorgung durch Tele-Notfallmedizin und die Bezeichnung „Gesundheitsregion Aachen”. Im Juni wählt das Bundesforschungsministerium aus 20 Bewerbern fünf Gesundheitsregionen.

Ist die Gegend in und um Aachen, Düren, Heinsberg und Euskirchen dabei, würden vier Jahre lang konkrete Projekte umgesetzt. Das zeigt ein Blick in die Bewerbungsunterlagen.

Von einem Projekt sollen ab 2011 Pfleger und Bewohner in Seniorenheimen profitieren. Verschlechtert sich zum Beispiel der Zustand eines Bewohners, muss der Pfleger bislang selbst einschätzen, ob ein Arzt gerufen werden muss oder nicht. Entscheidet er falsch, können die Folgen fatal sein.

In einer „Gesundheitsregion Aachen” sollen Seniorenheime so ausgestattet werden, dass der Pfleger per Videokonferenz einen Notarzt konsultieren kann. Der sitzt im neuen Kompetenzzentrum für Notfallmedizin in Aachen. Fehlen dem Notarzt die Herz-Kreislauf-Daten, um die Lage des Patienten einzuschätzen, hat der Pfleger ein leicht handhabbares EKG-Messgerät zur Hand und übermittelt die Daten an das Kompetenzzentrum.

Dort beurteilt der Notarzt, was zu tun ist. Genügt ein Medikament? Muss der Patient sofort ins Krankenhaus? Schnelles und richtiges Handeln spart am Ende Kosten. Der Notarzt kommt nur, wenn es wirklich nötig ist. Deswegen, sagt Max Skorning vom Uniklinikum Aachen, seien solche Projekte für die Krankenkassen interessant.

Notfallzentrum handelt sofort

In einem weiteren Projekt sollen im Kreis Heinsberg die Lebensfunktionen von Patienten mit massiven Herzproblemen überwacht werden - von fern. Die Betroffenen schlafen in intelligenter Bettwäsche und übertags laufen sie mit ähnlich intelligenten Unterhemden herum. Sensoren in den Textilien messen ständig die Herzfunktionen und übermitteln die Daten an das Notfallzentrum.

Ist irgendein Wert besorgniserregend, handelt das Notfallzentrum. Am RWTH-Institut für Medizintechnik ist ein Prototyp für ein solches Unterhemd bereits entwickelt worden. Eine Aachener Entwicklung in Heinsberg im Einsatz.

„Das ist genau das, was wir mit der Gesundheitsregion erreichen wollen”, sagt Dieter Begaß, Wirtschaftsförderer der Stadt Aachen: „Medizintechnik, die in dieser Region entwickelt wird, wird hier eingesetzt, nutzt hier den Menschen, schafft hier Arbeitsplätze.” Bislang sei dieser Effekt oft dem Zufall geschuldet.

„Leider werden Forschungsergebnisse der hiesigen Medizintechniker häufig anderswo erprobt und verwendet, weil vor Ort die Kontakte fehlen”, sagt Begaß. Deswegen ist ein Zentrum vorgesehen, das systematisch rote Fäden knüpft zwischen Forschern und Praktikern, und eine einheitliche Datenplattform schafft, auf der dann irgendwann vielleicht alle Menschen in der Region mit ihrem Hausarzt per Videokonferenz sprechen können. Das Aachener Kompetenzzentrum Medizintechnik soll zu diesem Zentrum weiterentwickelt werden. Die Kreise Heinsberg, Düren und Euskirchen werden dabei nicht vergessen: Dort sollen Dependancen entstehen.

Ein langer Weg

100 Seiten stark werden die Bewerbungsunterlagen sein, die Ende März in Berlin liegen müssen. Geht der Zuschlag an andere Regionen, wird bei uns trotzdem etwas passieren. „Wir sind bereits so weit, dass die Projekte im Kleinen auf jeden Fall starten würden”, sagt Begaß. Kommt tatsächlich die „Gesundheitsregion Aachen”, sieht der Wirtschaftsförderer das als großen, aber nur als ersten Schritt.

Um etwas zu installieren, das nachhaltig wirke, müsse das Zentrum weitere Gelder heranholen und Auftragsforschung an Land ziehen. „Vision 2020” steht in der Bewerbung. Ein langer Weg, bis die Gesundheit im Informationszeitalter angekommen ist.
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