Aachen - Betrug: Uniklinikum hat jetzt 60.000 Euro Spielgeld

Betrug: Uniklinikum hat jetzt 60.000 Euro Spielgeld

Von: Axel Borrenkott und Heiner Hautermans
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Dreist geleimt: Im Uniklinikum wurden 60.000 Euro gegen Spielgeld gewechselt. Foto: Jaspers

Aachen. Die Geschichte klingt auf eine groteske Weise unglaublich, doch sie ist von vorne bis hinten wahr. Sie ist auch zum Lachen, aber für das Aachener Uniklinikum und vor allem für seinen Vorstand ist sie ziemlich peinlich.

Der Kaufmännische Direktor, Mitglied des vierköpfigen Vorstands, hat sich von zwei Betrügern recht naiv übertölpeln lassen und ihnen 60.000 Euro buchstäblich und auf Nimmerwiedersehen in die Hand gedrückt.

Nach Informationen dieser Zeitung meldet sich im Mai dieses Jahres bei dem Kaufmännischen Direktor ein Mann mit arabischem Namen, der sich als Kontaktperson zur libyschen Oberschicht ausgibt und die Vermittlung von entsprechend wohlhabenden Patienten in Aussicht stellt.

Im Juni findet dann ein Treffen im Vorstandsbüro des Direktors statt, zu dem der Mann mit dem arabischen Namen einen angeblichen Juwelier aus Paris mitbringt. Beide weisen sich per Visitenkarte aus.

Im Laufe dieses Gesprächs tragen die beiden Gäste die Bitte vor, ihnen 60.000 Euro, die sie nur in großen Scheinen hätten, in kleine Scheine umzutauschen. Das brauche man, um kleinere Rechnungen im Rahmen der Patientenvermittlung zu begleichen.

Für den Aufwand würde man dem Klinikum 1000 Euro zahlen. Der Direktor geht darauf ein, besorgt die umgetauschte Summe in der Verwaltung des Klinikums und trägt sie, dem Vernehmen nach, in einem Beutel des Blutspendedienstes durchs Haus.

Zurück im Büro werden wechselseitig die Scheine durch eine Geldzählmaschine geschickt. Offenbar nach Manipulationen, die der Kaufmännische Direktor nicht sehen kann, wird ihm schließlich ein Koffer übergeben.

Nachdem die Gäste sich verabschiedet haben, stellt er fest, dass der Koffer ein Zahlenschloss hat, dessen Nummer er natürlich nicht kennt. Er bricht das Schloss auf und blickt auf Stapel von 500-Euro-Scheinen - mit dem satten Aufdruck: Spielgeld. Den beiden hinterherzuhechten bringt nichts ein, sie sind auf und davon.

Drei Wochen lang soll der Direktor die Geschichte für sich behalten und sich dann erst dem Vorstandsvorsitzenden Henning Saß offenbart haben. Ende August wurde der Kaufmännische Direktor in einer Sondersitzung des Aufsichtsrats abgemahnt. Von weiteren Sanktionen sei abgesehen worden, da dem Klinikum kein Schaden entstanden war; den trägt eine Versicherung.

Eine Anzeige und entsprechende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Aachen blieben bisher ergebnislos. Im Prinzip, sagt Oberstaatsanwalt Robert Deller, handele es sich bei dieser „recht heißen Tat” um eine „hochkarätige Form des Wechselbetrugs”.

Henning Saß bestätigte am Freitag, dass „es die Geschichte im Großen und Ganzen so gegeben hat”. Zu Details würde er sich nicht äußern, wiewohl sie „weitgehend zutreffen”. Auch zur „betreffenden Person” würde er sich nicht äußern. Den Namen des Kaufmännischen Direktors, der diesen Posten seit Oktober 2009 bekleidet, nahm Saß während des ganzen Gespräches nicht in den Mund.

„Person nicht beschädigt”

Dass sich der Aufsichtsrat „damit befasst hat”, bestätigte Saß, und dementiert auch nicht, dass es eine Abmahnung gegeben hat. Das Haus sei „über den Vorfall sehr unglücklich”. Man habe aber „Maßnahmen getroffen, um nach Möglichkeit zu verhindern, dass solche Vorkommnisse noch einmal passieren”.

Über persönliche Konsequenzen möchte er „nichts sagen. Das sind betriebsinterne Dinge”. Ob die „betreffende Person” nun beschädigt sei? „Ich denke nicht, dass die Person beschädigt ist. Es ist ein Missgeschick, ein unangenehmes Ereignis, wie es einem in der beruflichen Tätigkeit unterlaufen kann.”
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