Betrug mit deutschen Nobelwracks

Von: Helmut Hetzel
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Der Trick ist ebenso einfach wie kriminell: Billig eingekaufte Schrott-Limousinen werden zum Unfallpreis in die Niederlande eingeführt, so dass nur sehr geringe Einfuhrsteuern anfallen. Im Land selber werden sie dann als fabrikneue Luxuswagen versichert, kurz später wird dem Versicherer vom vermeintlichen Totalschaden berichtet. Foto: ddp

Den Haag. In den Niederlanden ist jetzt ein groß angelegter Versicherungsbetrug mit Unfall-Nobelkarossen aufgeflogen. Niederländische Autohändler hatten in den vergangenen Monaten auch über Anzeigen - „Holländer kauft Schrottautos” - massenhaft einstige Nobelkarossen gesucht und aufgekauft, die zwar noch reparabel waren, aber nur mit hohem Kostenaufwand.

Die schwerbeschädigten Autos wurden offiziell in die Niederlande eingeführt und dort bei einer Versicherung angemeldet - allerdings als neues Fahrzeug. Irgendwann dann wurde der vermeintlich neue Schaden geltend gemacht.

An der Grenze wurden die Schrottautos zunächst ordnungsgemäß verzollt. Auch die in den Niederlanden für alle Autos fällige Luxussteuer an den niederländischen Fiskus wurde gezahlt. Aber die war wegen des schweren Schadens sehr niedrig.

Beispiel: Ein verunfallter Mercedes 320 Avantgarde, Neuwert rund 70.000 Euro, wird an der Grenze beim Import in die Niederlande wegen des schweren Schadens auf einen Tageswert von nur noch 1500 Euro taxiert. Nur auf diesen geringen Betrag muss der Importeur nun die fällige Luxussteuer zahlen.

In den Niederlanden angekommen, ließ er das Wrack einige Wochen stehen. Dann meldete er den Schaden seiner Versicherung. Der Unfall, der den Wagen schwer beschädigt habe, habe sich in den Niederlanden ereignet, man habe einem anderen Fahrzeug ausweichen müssen, sei ins Schleudern geraten und gegen einen Baum oder die Leitplanke geprallt.

Der andere an dem Unfall beteiligte Fahrer habe Fahrerflucht begangen. Die Polizei habe man nicht geholt. Die Versicherungen, die nicht wussten, dass die bei ihnen angemeldeten vermeintlichen „Neuwagen” aus Deutschland stammende Schrottautos waren, zahlten den Schaden.

Damit nicht genug. Dann verlangten die niederländischen Schrottwagen-Aufkäufer auch noch die volle Luxussteuer auf den Neuwert des Wagens vom Finanzamt zurück. Das ist viel Geld. Auf einen BMW 7er beispielsweise werden schnell bis zu 40.000 Euro dieser Luxussteuer fällig, wenn man ihn in den Niederlanden als Neuwagen kauft.

Allein in diesem Jahr wurden mindestens schon 15.000 beschädigte Wagen der Marken BMW, Mercedes, Audi und Porsche aus Deutschland von den Betrügern nach Holland geholt. Mit den Wracks dieser Marken ließ sich das meiste Geld verdienen. Nun aber ist der Betrug aufgeflogen. Wohl deshalb, weil er zu massenhaft betrieben wurde.

Die Dachorganisationen der Versicherer, die nach Versicherungsbetrug fahndet, die VBV, deckte das „sehr ausgeklügelte und lukrative Geschäft” auf. Warum hat der Betrug so lange so gut funktioniert?

„Die Zollbehörden, die die Autowracks bei der Einfuhr von Deutschland in die Niederlande an der Grenze taxieren und verzollen, geben ihre Informationen aus Datenschutzgründen nicht an die niederländischen Versicherer weiter.”
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