Betrug im großen Stil mit aufgekauften Versicherungen?

Von: Ulrich Simons
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Aachen/Nideggen. Hunderte Menschen soll sie betrogen haben, der Schaden beträgt nach aktuellen Berechnungen mehr als zwei Millionen Euro.

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Aachen nach umfangreichen Ermittlungen Anklage wegen Betruges und Insolvenzvergehen gegen die 49 Jahre alte ehemalige Geschäftsführerin der Firma Dr. Mayer & Cie. GmbH in Nideggen erhoben.

Das einträgliche und ausschließliche Geschäft der Firma bestand im Rückkauf von Kapitallebensversicherungen, deren Besitzer kurzfristig Geld benötigten. Da der Ankaufspreis in der Regel deutlich über dem mit der Versicherung vereinbarten Rückkaufswert lag, war das für den Verkäufer ein anscheinend lukratives Angebot.

Der erhielt unmittelbar nach der Übertragung 60 bis 70 Prozent des Kaufpreises. Die Auszahlung der Restsumme sollte in jährlichen Raten erfolgen. Das funktionierte zunächst, brach jedoch im Februar 2009 abrupt ab, nachdem die Beschuldigte keine neuen Verträge mehr abschloss und die Ratenzahlungen einstellte. Die erlangten Gelder hatte sie inzwischen unter anderem in Immobilien investiert, die zum Teil auf andere Unternehmen verschoben wurden. Schließlich soll sie so genannte „Firmenbestatter” mit der Liquidierung ihrer seit Jahren überschuldeten Firmengruppe und mit der Beseitigung der Geschäftsunterlagen beauftragt haben.

Während immer mehr Anzeigen von geprellten Kunden aus dem ganzen Bundesgebiet bei der Staatsanwaltschaft Aachen eingingen, deren Sprecher Oberstaatsanwalt Robert Deller von weit mehr als 500 Betrugsfällen berichtet, tauchte die Ex-Geschäftsführerin unter. Schließlich erwirkte die Staatsanwaltschaft einen internationalen Haftbefehl gegen sie.

In Zoutelande festgenommen

Anfang November vergangenen Jahres wurde die Unternehmerin von der niederländischen Polizei in Zoutelande auf Walcheren festgenommen. Nach der Auslieferung durch die niederländischen Behörden befindet sie sich seit 4. Januar in Untersuchungshaft. Sie bestreitet die Tatvorwürfe und steht auf dem Standpunkt, die Verkäufer der Kapitallebensversicherungen seien nicht betrogen worden.

Die große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes Aachen ist jetzt mit der Entscheidung über die Eröffnung des gerichtlichen Hauptverfahrens befasst. Sollte die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen werden, findet in Kürze eine öffentliche Verhandlung des Falles statt.
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