Betrogene Frauen: In Aachen steht ein Finanzberater vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Vor der 5. Strafkammer werden nun zunächst die Vernehmungen zu den 34 Fällen verlesen, der gesamte Prozess ist auf acht Verhandlungstage angesetzt. Symbolbild: dpa

Aachen/Baesweiler. Harald B. (52) sieht genau so aus, wie man sich einen Finanzberater vorstellt, auch ins Gefängnis hat er seine Anzüge mitgenommen. Vor Richter Roland Klösgen, dem Vorsitzenden der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, erschien er am Mittwoch jedenfalls wie aus dem Ei gepellt.

Sein Auftritt ist ihm offenbar von Nutzen gewesen bei der Art von Geschäften, die ihm jetzt die Staatsanwaltschaft vorwirft: Finanzbetrug in 34 Fällen, begangen zwischen 2010 und Februar 2015, dem Monat, in dem der aus Hessen stammende mutmaßliche Betrüger verhaftet wurde.

Eine Million Euro Schulden

Seine Geschäfte machte B. bundesweit. Die Sache wird nur deswegen in Aachen verhandelt, weil er eine Frau aus Baesweiler um 47.500 Euro betrogen haben soll. Harald B. ist weitgehend geständig, die Gesamtsumme seiner Transaktionen zu Lasten seiner „Kunden“, denen er mit Eifer Kredite besorgte und sich dann hemmungslos selber an dem Geld bediente, wird auf rund 400.000 Euro geschätzt.

Das Gericht verlas beispielsweise das polizeiliche Aufnahmeprotokoll eines Falles aus dem Odenwald. Dort brauchte eine ältere Dame eine neue Heizung für ihr Haus, sie wollte einen Kredit über 5000 Euro aufnehmen.

Sie habe auf eine Anzeige in der Heimatzeitung geantwortet, hieß es, und kam auf diesem Weg mit B. in Kontakt. Der deichselte die Sache in der Weise, dass er zunächst mit der älteren Dame nach Frankfurt in das riesige Glasgebäude der Deutschen Bank fuhr. Dort habe er sich mit einem Mann getroffen, den die Kundin für einen seriösen Angestellten der Bank hielt.

Von ihm bekam Harald B. Geld, viel mehr, als die Dame eigentlich brauchte. Er zahlte ihr 5000 Euro aus, sie kaufte sich ihre neue Heizung. Danach ließ er sich alle möglichen Dinge unterschreiben, die Frau vertraute ihm, nichtsahnend, dass sie damit Kredite beantragte, die B. einkassierte. Sogar Visa- und Maestro-Karten bestellte er auf ihren Namen. Erst als er begann, ihr Haus von innen zu fotografieren, wurde sie misstrauisch und ging zu einer Anwältin.

Vor der 5. Strafkammer werden nun zunächst die Vernehmungen zu den 34 Fällen verlesen, der gesamte Prozess ist auf acht Verhandlungstage angesetzt. Der Angeklagte ist vorbestraft und beziffert seine Schulden auf rund eine Million Euro.

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