Düsseldorf - Bestohlen, betrogen: Immer mehr erstatten online Anzeigen

Bestohlen, betrogen: Immer mehr erstatten online Anzeigen

Von: Helena Baers, ddp
Letzte Aktualisierung:

Düsseldorf. Anzeige erstatten per Mausklick: Das geht in Nordrhein-Westfalen seit mittlerweile fünf Jahren.

Und immer mehr Bürger machen nach Angaben der Polizei von diesem Angebot Gebrauch. Wer keine Lust oder Zeit für den Gang zur nächsten Wache hat, kann die Internetseite der NRW-Polizei nutzen, um zum Beispiel ein gestohlenes Fahrrad zu melden oder einen Internetbetrug anzuzeigen.

In Münster wird inzwischen fast die Hälfte aller Anzeigen über das Netz erstattet. Im vergangenen Jahr waren es immerhin 2096 Meldungen von Diebstählen und sonstiger Kriminalität, sagt Polizeisprecherin Evelin Wulfers. Im ersten Jahr des Projekts seien es 521 Online-Anzeigen gewesen. Ihrer Erfahrung nach würden besonders kleine bis mittlere Straftaten wie Fahrraddiebstähle häufig über das Internet gemeldet: „Wenn etwas Schlimmes passiert, gehen die Leute lieber zur Polizei”.

Im Rhein-Sieg-Kreis ist die Tendenz ebenfalls „eindeutig steigend”, wie die Kreispolizei berichtet. Mittlerweile gingen dort mehrere Online-Anzeigen am Tag ein. Besonders oft gehe es dabei um Internetdelikte wie online ersteigerte Waren, die nicht bezahlt würden. Menschen „quer durch alle Bevölkerungsschichten und jeden Alters” nutzten die Möglichkeit der Anzeige per Mausklick, hieß es.

Dennoch ist nicht alles, was als Online-Anzeige bei der Polizei eingeht, wirklich eine Anzeige. In Düsseldorf sind 2008 nach Angaben der Polizei 2166 Anfragen über das Formular für Online-Anzeigen eingegangen - allerdings führten davon im Zeitraum von Mitte bis Ende 2008 gerade mal 54 zu einer tatsächlichen Anzeige, sagt Sprecherin Anja Brückmann.

Insgesamt wurden von März 2004 bis Dezember 2008 nach Angaben des Innenministeriums 132.895 Online-Anzeigen erstattet. Wie viele davon tatsächlich zu einer strafrechtlichen Ermittlung führten, könne nicht ermittelt werden. Allerdings seien 32.431, rund ein Viertel, zwischen Februar und Dezember 2008 gemeldet worden. Die Zahl steigt also kontinuierlich.

Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA), führt den Zulauf auf das seiner Meinung nach sehr einfache Verfahren zurück. Das Formular sei „in zehn Minuten ausgefüllt und abgeschickt” und verzichte zudem auf die typische Behördensprache. Scheulen zieht nach fünf Jahren eine positive Bilanz. „Für uns ist es ein zeitgemäßes Meldeinstrument, das den Bürgern entgegenkommt”.

Trotzdem kann auch die Anzeige im Internet in vielen Fällen nicht den Gang zur Wache ersetzen. Wenn noch wichtige Fragen offen bleiben oder die Angaben im Online-Formular zu ungenau sind, muss der Anzeigende doch noch auf dem Revier erscheinen. Für manche Straftaten wie Beleidigung oder Körperverletzung braucht die Polizei in jedem Falle auch die persönliche Unterschrift des Betroffenen.

Für eine Anzeige im Internet ist lediglich eine E-Mail-Adresse notwendig. Je nach Straftat gibt es verschiedene Formulare, in denen beispielsweise der mutmaßliche Täter oder der Unfallhergang beschrieben werden müssen. Die Angaben werden dann an das LKA gesendet, von wo aus die Anzeigen an die regionalen Polizeistationen weitergeleitet werden.

Auch wenn das alles sehr einfach und unbürokratisch klingt: Die Online-Anzeige ist wie eine herkömmliche Anzeige rechtsgültig. Wer also einen falschen Namen angibt oder sogar eine Tat vortäuscht, muss selbst mit einer Anzeige rechnen. Und dann wird der Gang zur Polizei in jedem Fall fällig.
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