Bestes Katzenvideo gesucht: Es geht um den „Goldenen Kratzbaum”

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
Letzte Aktualisierung:
katze
Lieblinge des World Wide Webs: Katzenvideos erfreuen sich ungebrochen größter Beliebtheit. Foto: dpa

Düsseldorf. Das Netz ist voll davon: Katzen spielen Klavier, Katzen massieren Hunde, Katzen fallen in Toiletten oder erschrecken sich vor Gurken - millionenfach werden private Stubentiger-Clips im Internet aufgerufen und geteilt.

Jetzt kommt das in den USA schon zum Kult avancierte „Internet Cat Video Festival” nach Deutschland. Am Freitag veranstaltet das NRW-Forum in Düsseldorf in Kooperation mit dem Walker Art Center (Minnesota) das erste deutsche Katzenvideofestival.

Katzenvideos bis zum Abwinken werden in der einstündigen Filmrolle der weltbesten Stubentiger-Clips präsentiert. Außerdem wird aus einer Shortlist von 15 Filmen das beste deutsche Katzenvideo gekürt. Als Trophäe winkt dem Gewinner des Jury-Preises der „Goldene Kratzbaum”. Auch ein Publikumspreis wird vergeben. Während der Veranstaltung berät eine Katzenpsychologin bei Fragen zu den eigenwilligen Haustieren.

Den anhaltenden Erfolg von Katzenvideos erklärt der Leiter des NRW-Forums, Alain Bieber, damit, dass die lustigen Filmchen „Balsam für die Seele” seien. „Die Leute fühlen sich danach zufriedener und glücklicher.” In den USA habe sogar eine Studie mit 7000 Teilnehmern den Effekt von Katzenvideos auf das menschliche Wohlbefinden untersucht. „Es funktioniert wie eine Art Verschnaufpause von dem aktuellen gesellschaftlichen Chaos, was uns umgibt.”

„Natürlich sind Katzenvideos die Inkarnation des Banalen”, sagt die Bloggerin und Medientheoretikerin Annekathrin Kohout im dpa-Interview. Deswegen funktionierten sie auch so gut und man freue sich, die Clips anzuschauen. „Denn es fordert nichts von einem ein.”

Auf der anderen Seite könne man „cat content”, also Inhalte mit Katzenbezug, als Kommunikationsinstrument nutzen. „Mit cat content kann man das sagen, was nicht zu ernst genommen werden soll, aber doch seinen Ausdruck finden muss. Alles, was sonst zu direkt oder sogar peinlich wäre”, sagt Kohout. Der Hashtag #catcontent habe sich inzwischen verselbstständigt und stehe auch allgemein für Spam oder banalisierte Inhalte im Netz.

Für die auf digitale Inhalte spezialisierte Publizistin Christiane Frohmann (46) sind Katzenvideos inzwischen „ein stabiles Massenphänomen”. Die Faszination erklärt sie so: „Es ist wie ein virtuelles Stück Schokolade. Immer wenn man zu viele schlimme Nachrichten aufnehmen musste, genehmigt man sich zwischendurch wieder etwas Nettes.” Katzenvideos seien ein „Unsinns-Content, mit dem man sich ein gutes Gefühl macht”. Zudem könne man sich dem Kindchen-Schema von Katzen schwer entziehen - auch wenn man kein Haustier-Fan sei.

Die Homepage wurde aktualisiert