Aachen - Bessere Verkehrsanbindungen in der Spitzenregion

Bessere Verkehrsanbindungen in der Spitzenregion

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
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Die wichtigsten Verkehrsprojekte in der Region. Grafik: zva

Aachen. Wer momentan von Linnich über Baal zum Düsseldorfer Flughafen möchte und hierzu den Schienenverkehr gewählt hat, muss, laut Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn, im schlimmsten Fall aktuell eine Reisezeit von 137Minuten einplanen. Mit etwas Glück ginge das auch in karnevalistischen 111Minuten oder - mit Unterstützung des raren Busverkehrs - in 86Minuten.

Doch es gibt eine Möglichkeit, mit der die Strecke in nur 45Minuten bestritten werden könnte. Hierzu wäre lediglich eine Wiederbelebung von gut sechs Kilometern Streckenabschnitt notwendig, die eine Zeitersparnis von bis zu 1â5Stunden mit sich bringen würde und täglich 80000 Pendlern allein aus dem Kreis Düren zugute kommen könnte.

Dass dieser Streckenabschnitt, der in das Areal des Nahverkehrs Rheinland (NVR) fällt, aktuell nicht in Betrieb ist, liegt an einer Nutzwertanalyse im Rahmen der integrierten Gesamtverkehrsplanung NRW von 2004. „Das Ergebnis war negativ”, erklärt Ute Reuschenberg, Pressesprecherin des NVR. „Die Kosten haben den Nutzen weit überstiegen. Inzwischen gibt es jedoch andere Rahmenbedingungen”, die Reuschenberg unter anderem mit dem Bedeutungsgewinn vom Forschungsstandort Jülich erklärt. Der NVR sei gerne bereit mit den Anrheiner-Kommunen erneut Gespräche bezüglich der Strecke zu führen.

Viele Maßnahmen, ein Projekt

Es ist nur eine von vielen Einzelmaßnahmen im Projekt „Regionalverkehr”, welches die Landräte der Kreise Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg sowie der erste Bürger der Stadt Aachen jüngst vorstellten. Es war ein seltenes Treffen, gibt es doch nur wenige Themen, zu denen die „glorreichen Fünf” zusammenkommen. Doch Konzepte zur Aus- und Verbesserung des Regionalverkehrs gehören zweifellos dazu.

Nach dem Motto der zukünftigen Städteregion „Gemeinsam geht es besser” wollen sich Aachens Oberbürgermeister Jürgen Linden, der Aachener Landrat Carl Meulenbergh und seine Kollegen Wolfgang Spelthahn aus Düren, Günter Rosenke aus Euskirchen und Stefan Pusch aus Heinsberg für eine Verbesserung der Verkehrswege in der gesamten Region verstärkt einsetzen. Ihr Ziel ist es, bei künftigen Planungen und der Vergabe von Finanzmitteln grenzüberschreitend zu denken und den ländlichen Raum wettbewerbsfähiger zu gestalten. Dazu würde Jürgen Linden auch gerne noch weitere Fördermittel von Landes- und Bundesebene fließen sehen. „Bisher waren wir mit Rücksicht auf den Nachholbedarf im Osten Deutschlands sehr zurückhaltend, doch jetzt sind wir dran.”

Finanziell stark gefördert

Matthias Bächler vom Landesbetrieb Straßenbau drückte seine Verwirrung gegenüber dieser Aussage aus. „Wir sind hier finanziell kräftig dabei - diese Region wird besonders gefördert, zumindest was Straßenbaumaßnahmen anbelangt. Eine Vernachlässigung können wir nicht erkennen.” Aber gegen weitere Fördermittel von der Bundesebene habe er auch nichts einzuwenden. Schließlich kommt es der Fünfergruppe darauf an, um es mit den Worten von Landrat Rosenke auszudrücken, „dass für die Region etwas bei der Sache rumkommt”.

Dazu gehört für Wolfgang Spelthahn auch die Erweiterung zum dreispurigen Schienenweg im Nadelöhr zwischen Aachen und Düren, die laut dem Landrat „längst überfällig” ist. „Das große Verkehrsaufkommen, auch bedingt durch den Fracht- und Güterverkehr, ist auf zwei Gleisen kaum händelbar.” Wenn nun auch noch der Lückenschluss zwischen Euskirchen und Düren vollzogen würde, hier fehlen einige Kilometer Trasse, wäre es schön.

Auch die Ortsumgehung Düren-Ost durch den Neubau der B56 liegt Spelthahn am Herzen. Aufgrund der großen Belastung am Ortsausgang, auch bedingt durch das dortige Gewerbegebiet, bringe „der Fortschritt” eine Entlastung des kompletten Ortes und der Umgebung mit sich. Der Spatenstich soll hier zum kommenden Jahresbeginn sein. Erweitert wird die Maßnahme laut Matthias Bächler durch den Bau der Umgehungsstraße B399n, wo wegen einer Entlastung der Ost-West Achse auch das Verkehrsaufkommen im Stadtkern reguliert werden soll. Voraussichtlicher Baubeginn wird 2012 sein.

Günther Rosenke, Landrat des Kreises Euskirchen, wies auf den bereits sanierten Teil der Autobahn1 zwischen Blankenheim und Adenau hin. Eine zwingend notwendig gewesene Maßnahme, wie er sie nennt, denn in der„Hauptschlagader in das Herz Europas” war es bereits zu einem Infarkt gekommen. Aufgrund der vorgenommenen Verbesserung könne nun die Infrastruktur des ohnehin strukturschwachen Kreises verbessert werden. Hierzu steht immerhin eine Fläche von 300Fußballfeldern für Investoren zur Verfügung.

Aachens OB Jürgen Linden bedauerte die Situation im öffentliche Personenverkehr und äußerte zwei Wünsche: Erstens steht eine Anbindung an das niederländische ICE-Netz von Aachen über Heerlen und Eindhoven nach Amsterdam auf der Liste. Außerdem wünscht er sich eine optimalere Gestaltung der regionalen öffentlichen Verkehrsanbindung zwischen Aachen und Maastricht inklusive Flughafenverbindung.

Die noch nicht begonnene Umsetzung des Konzepts ist für Linden unverständlich. Auf niederländischer Seite seien bereits 20Millionen Euro bewilligt worden, um besser von Aachen, dem Campus und Avantis über Kerkrade weiter nach Maastricht zu kommen. Doch die deutsche Seite habe „eine Neubewertung zur Aufnahme in den Bedarfsplan” angemeldet, womit sich eine Umsetzung des Projekts erneut verzögert. Trotzdem will Linden das Vorhaben bis spätestens 2015 verwirklicht sehen, profitiere doch schließlich die gesamte Region von allem, „was auf deutscher Seite in dieser Hinsicht passiert”.

Noch-Landrat Meulenbergh freute sich über den kürzlich begonnenen Ausbau der Autobahn4 am Aachener Kreuz und die damit verbundene Verbesserung des „europäischen Transportkorridors” auf der Ost-West-Achse. Dabei ist er sich bewusst, dass es zu erheblichen Verkehrsproblemen kommen wird. Eine zügige Umsetzung des Baus sei darum erforderlich.

75 Millionen Euro Kosten

Das Vorhaben, das mit fünf Jahren Bauzeit angesetzt ist und geschätzte 75 Millionen Euro kosten wird, ist laut Matthias Bächler vom Landesbetrieb Straßenbau das zentrale Verkehrsprojekt in der Region „und weit darüber hinaus von Bedeutung”. Es werde erst einmal vorlaufende Arbeiten geben, bevor es zu Beginn des kommenden Jahres „richtig losgeht”.

Übrigens: Der Ausbau der A4 zwischen dem Aachener Kreuz und Düren ist abgeschlossen. Die Verkehrsfreigabe der nun sechs-Spurigen Autobahn ist bereits erfolgt.

Es ist eine breite Masse an Vorhaben, die die Landräte und Aachens OB zusammengetragen haben. Doch Stefan Pusch unterstrich, diese Maßnahmen seien „eine langfristige Vision”. Carl Meulenbergh und Jürgen Linden sind sich sicher, dass auch ihre Nachfolger Helmut Etschenberg und Marcel Philipp ein Interesse daran haben werden, das Projekt „Regionalverkehr” fortzuführen. Außerdem würde die so verbesserte Infrastruktur dazu beitragen, dass die beteiligten Kreise zu einer wirtschaftlichen Spitzenregion zusammenwachsen, so Linden.

B 56n wird kaum Autobahn

Der Verlauf der A4 zwischen Düren und Kerpen befindet sich aktuell im sechsstreifigen Ausbau, inklusive eines Verlegeabschnitts in südliche Richtung aufgrund des Tagebaus. Bis 2014 soll diese Maßnahme abgeschlossen sein.

Zwischen der Eifel, der A4 sowie der Städteregion soll eine Verbindung entstehen.

Bezüglich der B258n durch die Anbindung an das limburgische Autobahnnetz zur Entlastung der Stadt Herzogenrath ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

Mit dem Neubau der Ortsumgehung Richterich wäre eine Anbindung an das niederländische Bundesstraßennetz möglich.

Heinsbergs Landrat Stefan Pusch fokussiert die Anbindung des Kreises an das niederländische Überlandstraßennetz über die A2 und die B56n. Aktuell ist die Bundesstraße mit einer Überholspur ausgestattet. Pusch wünscht sich einen Ausbau zur Autobahn. Gerlinde Quack, Projektleiterin der B56n vom Landesbetrieb Straßenbau im Bereich Heinsberg, sieht hierfür jedoch kaum Zukunftschancen. „Die Straße befindet sich im dreistreifigen Bau und wird voraussichtlich 2013 fertig. Eine Autobahn ist, auch aufgrund der Radienplanung, kaum möglich.”

Auch auf der Wunschliste von Stefan Pusch: Eine Schienenanbindung des Kreises Heinsberg an die Stadt Aachen mit einer Verbesserung im Schienenpersonennahverkehr.

Während der Bauphase am Aachener Kreuz wird von seitens des Landesbetrieb Straßenbau ein Bürgerbüro eingerichtet. Dort können sich Interessierte über Pläne und Maßnahmen informieren. Die Ansprechpartner vor Ort nehmen auch eventuelle Beschwerden oder Anfragen entgegen. Dieses Angebot wird ab dem kommenden Jahr zur Verfügung stehen, wie Matthias Bächler, stellvertretender Leiter der Niederlassung Ville-Eifel vom Landesbetrieb Straßenbau, in Aussicht stellt. Die Öffnungszeiten sowie die Räumlichkeiten stehen noch nicht fest.

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