Aachen - Bessere Chancen durch standardisierte Leistungstests

Whatsapp Freisteller

Bessere Chancen durch standardisierte Leistungstests

Von: lee
Letzte Aktualisierung:
Symbol Hochschule Uni Universität RWTH dpa Foto: Achim Scheidemann/dpa
Zusätzlicher Stress: Für die Zulassung an immer mehr Unis müssen Studenten Tests wie das Graduate Record Exam (GRE) ablegen. Symbolbild: Achim Scheidemann/dpa Foto: Achim Scheidemann/dpa

Aachen. Hannah Kiehler ist im Stress: Seit sechs Wochen paukt sie Algebra, Arithmetik und knapp 1000 Englischvokabeln. Nebenbei schreibt sie ihre Bachelorarbeit. Den Aufwand betreibt sie für einen Studierfähigkeitstest, den Graduate Record Exam (GRE).

Er soll ihr die Tür zu einem Master in Volkswirtschaftslehre (VWL) an Unis wie etwa Köln, Konstanz oder Maastricht öffnen. Was in Amerika schon seit Jahren normal ist, setzt sich auch in Europa durch. Standardisierte Leistungstests sollen Leistung vergleichbarer machen. Neben Bewerbungsunterlagen, wie dem Lebenslauf und Motivationsschreiben, muss Hannah den GRE einreichen.

An manchen Unis ist es zwar nur empfohlen, die 21-Jährige weiß aber, dass ihre Chancen auf einen Studienplatz schlechter stehen, wenn sie es nicht tut. Auch an der RWTH müssen Studenten aus Nicht-EU-Ländern den GRE für manche Masterstudiengänge vorweisen. Ähnliche Tests sind der Gmat, der für Bewerbungen für den Master of Business Administration (MBA) verlangt wird, oder der Toefl, der Fremdsprachenkenntnisse prüft.

180 Euro für den Test

Educational Testing Service (ETS) heißt das Unternehmen, das neben dem GRE auch den Toefl konzipiert. Rund 600.000 Menschen in 60 Ländern absolvieren laut ETS jährlich den GRE. Die Tests müssen gut vorbereitet werden und sind nicht billig. Der GRE etwa kostet rund 180 Euro. An vier Unis kann ein Ergebnis-Report kostenlos gesendet werden. Für jeden weiteren muss man 25 Euro bezahlen.

Der Test besteht aus zwei Essays, zwei quantitativen und zwei mündlichen Testblöcken. Die quantitativen Fragen testen das mathematische Wissen. Die Fragen sind oft kompliziert gestellt, der Zeitdruck ist groß. Im sprachlichen Teil wird das Verständnis in Englisch geprüft. Mit Schulenglisch kommt man aber nicht weit, oftmals werden Fremdwörter abgefragt. Die Aufgaben passen sich an das Niveau des Testnehmers an, richtige Antworten haben schwierigere Problemstellungen zur Folge und umgekehrt.

Der Grundgedanke ist, die Bewerber aus unterschiedlichen Ländern und Unis vergleichbar zu machen. Auch die Deutsche Studienstiftung bietet einen eigens konzipierten Test an. „Standardisierte und anonyme Tests können über die Abiturnote hinaus dazu beitragen, den Studienerfolg besser zu prognostizieren“, sagt Pressesprecherin Britte Voß. Auch bei der Studienstiftung wird kein Fachwissen abgefragt, sondern die allgemeine Studierfähigkeit getestet.

Hannah findet diesen Grundgedanken eigentlich gut. „Aber es wird eher meine Konzentration geprüft, und die Ergebnisse stellen nicht unbedingt meine Kenntnisse dar “, sagt sie. Auch Studien belegen, dass der GRE nur begrenzt Aussagen über die Studierfähigkeit macht, und ETS empfiehlt deswegen, den Test nur als Teil einer Bewerbung zu betrachten.

Hannah hat sich als Vorbereitung ein Buch gekauft – für 25 Euro. Darüber hinaus gibt sie sich mit den kostenlosen Vorbereitungsangeboten im Internet zufrieden. Spezielle Vorbereitungskurse hätte sie für 800 Dollar und mehr machen können, aber das kann sie sich nicht leisten.

In Deutschland gibt es bereits Unternehmen, die solche Kurse anbieten. Der Grundgedanke der Fairness wird so schnell von der Zahlungsfähigkeit der Studenten infrage gestellt. Denn Studenten, die an teuren Vorbereitungskursen teilnehmen, schneiden oft besser ab.

Nicht selten gibt es an den Unis eine Mindestpunktzahl, die erreicht werden muss. Hannah hat noch andere Befürchtungen. „Die Unis sagen zwar, sie schauen sich die gesamte Bewerbung an, aber ich habe Angst, dass sie erst den Test anschauen und je nach Ergebnis meine Bewerbung dann gar nicht.“

Die Testfirmen profitieren jedenfalls von den Bildungsplänen der jungen Menschen. ETS ist als gemeinnütziges Unternehmen angemeldet, zahlt somit keine Steuern in den Vereinigten Staaten und fährt jedes Jahr Hunderte Millionen Dollar Umsatz ein.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert