Beschimpft und bespuckt: Polizei steckt mehr ein

Von: Robert Esser
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Gewalt auf offener Straße: Polizeiliche Arbeit wird für die Beamten immer gefährlicher. Die Zahl der Ubergriffe - körperlich und verbal - wächst erheblich. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Schimpfen, spucken, schlagen: Der Ton auf Aachens Straßen wird zunehmend rauer. Gerade Polizisten sehen sich immer häufiger gezielten Angriffen ausgesetzt. Fast verdoppelt haben sich in Nordrhein-Westfalen laut Deutscher Polizeigewerkschaft die Fälle von „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte” - von 3200 im Jahr 1998 auf mehr als 6000 im vergangenen Jahr.

In Stadt und Kreis Aachen registriert die Polizei allein in den vergangenen zwölf Monaten einen Anstieg um gut 17 Prozent. 171 Mal wurde 2007 im Rahmen von polizeilichen Einsätzen Widerstand geleistet. „2008 waren es 201 Fälle”, erklärt Polizeisprecher Paul Kemen auf Anfrage unserer Zeitung. „Aus der Steigerung lässt sich ableiten, dass der Respekt vor der Polizei gesunken ist - vor allem bei den 20- bis 35-Jährigen.”

Dabei waren die meisten körperlichen Folgen zwar leichterer Natur. „Einige Polizeibeamte wurden jedoch auch schwerer verletzt und waren dadurch mehrere Tage nicht dienstfähig”, sagt Kemen. Enorm verschärft habe sich die Wortwahl bei Beleidigungen gegenüber Ordnungshütern. „Früher waren die härtesten Ausdrücke, die Polizisten zu hören bekamen, Arschloch, Penner, Drecksack. Das prallte in vielen Situationen ab”, schildert der Polizeisprecher. Heutzutage würden seinen Kollegen „Ausdrücke entgegengeschleudert, die weh tun”. Gängig sei etwa: „Bastard: Ich f... Deine Frau,... Deine Kinder. Deine Alte ist eine...”

Derlei verbale Angriffe kämen oftmals von Menschen, „die für dieses Land noch nichts, aber auch gar nichts getan haben”, äußert Kemen sein Unverständnis. „Und dass genau diese Menschen hier so leben können, haben sie denen zu verdanken, die sie auf schäbigste Art und Weise beschimpfen.”

Zu holen sei bei den meisten Delinquenten, denen die Polizei im juristischen Nachgang Beleidigung oder Nötigung vorwirft, ohnehin nichts. „Dabei ist eine Rotlichtfahrt mit dem Auto sowieso schon deutlich teurer als die Strafe nach einer Beleidigung”, erklärt der Polizeisprecher.

Am schlimmsten sei aber ein weiterer Trend. Ernst zu nehmende Bedrohungen träfen nun auch privat Polizisten und deren Familien: „Ich weiß, wo Du wohnst. Wenn ich Dich kriege, dann kriegst Du, was Du brauchst”, heißt es in einem Einsatzbericht, in dem erst vor wenigen Tagen ein Schläger zitiert wurde.

Griffige Rezepte gegen die ausufernde Respektlosigkeit gibt es nicht. „Die Wurzeln liegen meiner Meinung nach in der gesellschaftlichen Entwicklung”, sagt er. Dass die Polizei ab 2010 auch in Stadt und Kreis Aachen die grüne Uniform ablege und in blauen Stoff schlüpfe, werde an der Situation wohl wenig ändern. „Ich glaube nicht, dass die neue Uniform eine höhere Akzeptanz bei polizeilichen Problemgruppen bewirkt”, prognostiziert Kemen.

So steigt die Zahl der Übergriffe gegen Polizeibeamte wohl weiter mit der Gewaltspirale auf offener Straße - in NRW wie in Aachen.
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