Bernd Dicks: Vom Reporter zum Macher von Parookaville

Von: Katrin Fuhrmann
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Bernd Dicks ist der Veranstalter des Parookaville-Festivals in Weeze. Foto: Felix J. Hild
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Bereits vier Wochen vor dem Parookaville-Festival wird mit dem Aufbau begonnen. Mehr als 2000 Mitarbeiter werden an dem Wochenende im Juli im Einsatz sein. Die Hotels und Ferienwohnungen sind während des Festivals in Weeze komplett ausgebucht. Foto: Tremark Fotografie

Weeze. Bernd Dicks ist einer der drei Veranstalter des Parookaville-Festivals, das im Juli in Weeze stattfindet. Das Festival zählt bereits im dritten Veranstaltungsjahr zu den größten und erfolgreichsten Events in Deutschland. In diesem Jahr werden 80.000 Besucher erwartet. Der Weg des 33-Jährigen führte von seinem Geburtsort Weeze über Afghanistan, die Soziale Plattform „Spickmich“ und den Radiosender 1Live zurück nach Weeze.

Die Bilder von Menschen, die verzweifelt nach ihren Angehörigen suchen und um Hilfe schreien, wird Bernd Dicks (33) wohl nicht mehr vergessen. Genauso wenig, wie die Bilder von herrenlosen Schuhen und Taschen, die überall auf dem Gelände herumliegen. Dicks war vor sieben Jahren als Festivalreporter für den Radiosender 1Live bei der Loveparade in Duisburg.

Er ist derjenige, der nur Minuten nach dem Unglück, bei dem 21 Menschen starben, die Nachricht im Radio verkünden muss. Begreifen konnte Dicks die Situation damals nicht. Aber er musste funktionieren. Man könnte meinen, dass Dicks nach dieser Erfahrung nie wieder ein Festivalgelände betreten würde. Stattdessen hat er eines der größten Festivals in Deutschland gegründet. Seit 2015 steigt jährlich das Parookaville-Festival in Weeze. Doch vom Reporter bis zum Macher war es ein langer Weg.

Nach dem Abitur arbeitete Dicks zwei Jahre als Moderator beim Bundeswehrradio. Damit verbunden war ein sechsmonatiger Aufenthalt im Kosovo und in Afghanistan. Dort lernte der damals 19-Jährige, mit Stress und unerwarteten Situationen umzugehen – eine Eigenschaft, die ihm heute bei der Organisation und Leitung des Festivals hilft. „Diese Zeit hat mich geprägt und mich sehr stark gemacht“, sagt Dicks.

Nach dem Aufenthalt in Afghanistan studierte Dicks Politik, Soziologie und Medienwissenschaften in Düsseldorf. Fest stand für ihn damals, dass er „irgendetwas mit Medien“ machen möchte. Dass er kein allzu guter Schreiber ist, wusste er allerdings schnell. „Ich konnte viel und gut sprechen. Also war der Weg zum Radio eine logische Konsequenz“, sagt Dicks und lacht.

Viele Jahre arbeitete er für den Radiosender 1Live und kam dabei viel rum – vor allem auf den großen Festivals dieser Welt. Er war mehrere Male beim Tomorrowland in Belgien und berichtete sogar über das Spring Break. Nebenbei gründete er mit ein paar Freunden aus einer Laune heraus die Internetplattform „Spick mich“, auf der Schüler ihre Lehrer bewerten konnten. Auch aus dieser Zeit nahm Dicks einiges mit – vor allem in Sachen Krisenkommunikation. „Wenn man so eine Plattform gründet, muss man damit rechnen, dass man nicht nur Zuspruch bekommt“, sagt Dicks. Eine Lehrerin ist wegen schlechter Bewertung ihrer Schüler damals sogar bis vor den Bundesgerichtshof gezogen, wenn auch ohne Erfolg.

Dicks merkte während seiner Zeit bei 1Live, dass sein Herz aber vor allem für Festivals und elektronische Musik schlägt. In seinem Geburtsort Weeze hatte Dicks schon länger mit Freund Norbert Bergers kleinere Partys auf die Beine gestellt. Irgendwann wollte er aber mehr. Viel mehr. Die Idee für Parookaville, die Stadt, die einmal im Jahr zum Leben erwacht, wurde 2014 geboren.

Nächtelang grübelten Dicks und Bergers zusammen mit ihrem dritten Partner, Georg van Wickeren, was für eine Art Festival es in Nordrhein-Westfalen noch nicht gibt. „Nach der Loveparade war ein regelrechtes Vakuum in der elektronischen Festival-Landschaft entstanden. Der Hunger nach etwas Neuem war groß“, sagt Dicks. Und ergänzt: „Natürlich gehört auch immer ein wenig Glück dazu, aber vor allem haben wir ordentlich Mut, Leidenschaft und unendlich viel Arbeit investiert“.

Dicks schreibt Perfektion groß. Denn für den Festivalmacher haben zwei Sachen Priorität: Er möchte nicht unvorbereitet in das Festival starten, und er möchte den Besuchern von Parookaville etwas bieten, das sie nicht mehr vergessen werden. „Bernd ist sehr fokussiert und zielstrebig. Er hat eine genaue Vorstellung davon, wie das Ergebnis auszusehen hat und verliert trotz der vielen Aufgaben und der großen Verantwortung nie den Überblick“, sagt Christopher Oellers, Freund und Mitarbeiter von Dicks. Er sei aber auch ein Mensch, mit dem man gerne an der Theke hängenbleibt.

Liebe zum Detail schreiben sich die Veranstalter groß auf die Fahne. So gibt es auf dem Festivalgelände zum Beispiel eine Kirche, in der man heiraten kann, eine eigene Poststelle, die einen offiziellen Stempel hat und einen 700 Quadratmeter großen Pool mit Blick auf eine der großen Bühnen.

Bei all dem Trubel um sein Festival bleibt Dicks als Person eher im Hintergrund. Er wirkt bodenständig – auch wenn er bald wieder die größten DJs der Welt, wie zum Beispiel David Guetta, in seiner Stadt auf Zeit begrüßen wird. Erst vor kurzem ist Dicks aus seiner Studentenwohnung in Düsseldorf ausgezogen. Er hat immer noch ein kleines Zimmer im Haus seiner Eltern.

Und er hat einen Wunsch: „Auf dieses coole Festival – Parookaville – würde ich auch mal gerne gehen“, sagt er und grinst verschmitzt. Aber als Verantwortlicher mit vielen Koordinationsaufgaben während des Festivals wird ihm das Mitfeiern wohl auch in Zukunft verwehrt bleiben – und genauso will es der Veranstalter Bernd Dicks eigentlich auch.

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