Beredte Zeugen der Gewalteskalation im Hambacher Forst

Von: Claudia Schweda
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Stellten eine Ankettvorrichtung, Fallen, Hindernisse und Wurfgeschosse aus dem Hambacher Forst in Aachen der Öffentlichkeit vor (von links): Leitender Polizeidirektor Helmut Lennartz, Polizeipräsident Dirk Weinspach und Frank Schäfer, Leiter des Staatsschutzes im Polizeipräsidium Aachen. Foto: Schweda
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Mit dieser Vorrichtung hatte sich eine Aktivistin unter einem Zug der Hambachbahn angekettet. Foto: Schweda
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Beim Durchkämmen des Hambacher Forstes fand die Polizei Reifenkrallen, Nagelbretter und Bitumengranaten, die Autoscheiben, die von ihnen getroffen werden, sofort „blind“ machen. Foto: Schweda
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Beim Durchkämmen des Hambacher Forstes fand die Polizei Reifenkrallen, Nagelbretter und Bitumengranaten, die Autoscheiben, die von ihnen getroffen werden, sofort „blind“ machen. Foto: Schweda
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Beim Durchkämmen des Hambacher Forstes fand die Polizei Reifenkrallen, Nagelbretter und Bitumengranaten, die Autoscheiben, die von ihnen getroffen werden, sofort „blind“ machen. Foto: Schweda

Aachen. Der Widerstand im Hambacher Forst ist massiv. Offensichtlich. In diesem Fall besteht er aus zwei Metallröhren, die in einem flachen Winkel aneinandergeschweißt sind. In diese Metallröhren hat eine junge Aktivistin in der Nacht zum Montag ihre Arme von rechts und links hineingesteckt, sich im Innern der Röhre und dann unter einer Lok der Hambachbahn anketten lassen.

Nachdem man sie losgeflext hatte, leistete sie im Gewahrsam nach Angaben der Polizei massiven Widerstand. Die Heranwachsende ist ein Beispiel für die Aggressivität und die Eskalation der Gewalt am Tagebaurand, die Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach am Dienstag in einer Pressekonferenz schilderte.

Vor ihm lagen Reifenkrallen und Nagelbretter, in die Polizeiwagen hineingefahren und Polizisten hineingetreten sind. Dazwischen Bitumengranaten, die Autoscheiben, die von ihnen getroffen werden, sofort „blind“ machen. Stumme Zeugen der Gewalteskalation. All das hat die Polizei im Hambacher Forst gefunden, als sie vor zwei Wochen beschloss, den Wald, den sie als „gefährlichen Ort des Rückzugs für Straftäter“ identifiziert hatte, zu durchkämmen.

Am Tag zuvor hatten Vermummte ein Auto des RWE-Sicherheitsdienstes beworfen, woraufhin der Fahrer die Kontrolle über den Wagen verloren hatte. Er überschlug sich zwei Mal. „Das hätte viel schlimmer ausgehen können“, sagte Weinspach. Der Polizeipräsident sah sich zum konsequenten Einschreiten gezwungen. Im Wald fanden die Polizisten auch einen wegen Landfriedensbruchs mit Haftbefehl gesuchten Mann und nahmen zwei Menschen nach versuchter gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft.

An diesem Montag hat Weins­pach sich persönlich vom Zustand der Frau im Gewahrsam, die sich unter der Bahn angekettet hatte, überzeugt. „Es geht ihr gesundheitlich gut“, sagte er. Aber das, was Weinspach dann sah, habe er in seiner Laufbahn „in dieser Intensität das erste Mal“ erlebt. Bis zu fünf Beamte seien nötig gewesen, um die Frau unter Kontrolle zu halten, während ihre Identität festgestellt wurde.

Dafür muss man wissen, dass Aktivisten sich die Gesichter bemalen, damit sie auf Fotos nicht erkennbar sind. Diese Farbe muss abgewaschen werden. Erst dann werden sie fotografiert. Sie verkleben sich die Hände und schneiden sich die Kapillarlinien an den Fingerspitzen durch, damit keine Fingerabdrücke genommen werden können. Der Kleber an den Händen muss mit entsprechenden Mitteln gelöst werden. Die beiden anderen Aktivisten, die sich in dieser Nacht an die Gleise gekettet hatten, hätten sich kooperativ gezeigt. Sie hätten nicht aktiv mitgewirkt. Aber sie hätten sich widerstandslos behandeln lassen.

Bei der anderen Aktivistin dagegen hätten die Polizisten Zwang ausüben müssen, um ihre Faust zu öffnen, um sie zu waschen, um sie zu fotografieren, um ihre Fingerabdrücke zu nehmen, um sie unter Kontrolle zu halten. „Jede Bewegung war von massivstem Widerstand begleitet“, sagte Weinspach.

Letztlich sei es gelungen, sie zu identifizieren und auch mit anderen Straftaten in Verbindung zu bringen. Die richterliche Prüfung, ob sie dafür bis zum Prozess wegen Hausfriedensbruchs, Störung öffentlicher Betriebe und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Untersuchungshaft muss, dauerte am Dienstag noch an.

„Kann das so weitergehen?“

Doch was an Weinspach nagt, ist das, was die Aktivistin nach seiner Prognose aus diesem Verlauf der Identifizierung machen wird: „Sie selbst wird das als Polizeifolter darstellen. Ein Zerrbild malen. Da bin ich mir ganz sicher.“ Dieser Vorwurf der Repression durch Polizisten sei ein wiederkehrendes Muster bei den Aktivisten, mit dem sie sich selbst als Opfer darstellen könnten.

Dabei seien die Polizisten von der Aktivistin gezwungen worden, mit aller Professionalität an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit zu gehen, um ihre Aufgabe zu erledigen: die Identität der Person zu ermitteln, der eine Straftat zuzuordnen sei.

Helmut Lennartz, Leiter der Direktion Gefahrenabwehr im Polizeipräsidium und mehrere Male Einsatzleiter im Hambacher Forst, hofft, dass dort bald wieder Ruhe einkehrt. „Die Rodungsarbeiten dort, die täglich von uns geschützt werden, werden bis Weihnachten beendet sein“, sagte er.

„Wir hoffen, dass das für alle Beteiligte ein Schnitt ist, um sich zu fragen: Kann und darf das so weitergehen?“ Denn die Frage, ob es zu einer weiteren Eskalation kommt, wenn RWE in der nächsten Rodungssaison weiter in den Wald vordringt, ist wohl rein rhetorisch.

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