Aachen - Benedict Wells liest in Aachen aus seinem Buch „Vom Ende der Einsamkeit“

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Benedict Wells liest in Aachen aus seinem Buch „Vom Ende der Einsamkeit“

Von: Sabine Rother
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Zu Gast in Aachen: Benedict Wells las in der Aula des Gymnasiums St. Leonhard. Foto: A. Herrmann

Aachen. Die Aula des Aachener Gymnasiums St. Leonhard ist prall gefüllt – eine gute Entscheidung des Buchhändler-Ehepaars Walter Vennen und Barbara Hoppe-Vennen, die Lesung mit Erfolgsautor Benedict Wells von den Geschäftsräumen hierher zu verlegen.

Erwartungsfrohes Stimmengewirr empfängt den jungenhaft wirkenden Autor im dunklen Anzug. „Ich bin bei solchen Auftritten nervös“, gesteht er mit Blick auf seine Zuhörer und setzt sich dann schnell an das Lesetischchen auf der Bühne.

Der Münchner (das rollende „r“ ist unverkennbar), Jahrgang 1984, kann bemerkenswerte Erfolge vorweisen. Sein Roman „Becks letzter Sommer“ erschien 2008 und wurde mit Christian Ulmen in der Hauptrolle verfilmt. Es folgte „Spinner“, ein frühes Werk, 2011 „Fast genial“ und 2016 „Vom Ende der Einsamkeit“, für das man ihn mit dem Literaturpreis der EU auszeichnete. Kurz vor seiner Aachen-Station konnte Wells zudem in Lüttich den diesjährigen Euregio-Schüler-Literaturpreis entgegennehmen. „Ein tolles Erlebnis, so viele junge Leute und eine lebhafte Diskussion“, schwärmt er.

Mit dem Start in die Lesung ist seine Unruhe vorbei. Konzentriert, mit einem Anflug von Melancholie schlägt Wells das schmale Buch auf. „Vom Ende der Einsamkeit“ ist die Geschichte von Jules und seinen beiden Geschwistern. Ihre Eltern sterben bei einem Autounfall. Wells begleitet in diesem Buch drei Schicksale, „durchfühlt“ sie.

„Wie machen Sie das nur, das ist alles so echt, aber das können Sie doch gar nicht erlebt haben“, wird später eine Zuhörerin fragen. Wells nimmt das ernst. „Bei der Beziehung zwischen Autor und Leser steht Empathie im Mittelpunkt, ich schlüpfe gern in die Haut meiner Romanfiguren.“ Die Arbeit an einem Buch sei für ihn ein beständiges Ringen. „Wenn ich das nicht mehr empfinde, höre ich mit dem Schreiben auf“, lächelt Wells, der Sätze wie „es war, als müsste ich für jedes Wort einen Spaten in einen gefrorenen Acker rammen“ oder Begriffe wie das „Cognac-farbene Licht“ in die Welt schickt. Schreiben? Das geschieht am Computer, phasenweise in großer Geschwindigkeit.

So ein Impuls dauert meist 20, 30 Minuten: „Dann wache ich auf und staune, was ich geschrieben habe“, lächelt der Autor. Meist schreibt er zu viel. Das Kürzen der Romane ist Feinschliff an den Wortbildern, am Ablauf der Handlung, eine Überprüfung der Authentizität. Wells gibt ein Beispiel: Als sein Ich-Erzähler Jules dem Schicksal des verunglückten Vaters nachspürt, überlegt Wells, ob er ein Tagebuch ins Spiel bringen soll, das der Sohn findet. „Das wäre aber unredlich gewesen“, sagt er heute. „Die meisten Waisenkinder finden so etwas nicht. . .“

Musik und Wort gehören für ihn eng zusammen. In Romanen müssen Musiktitel oder Interpreten stimmig zur Figur sein. Das trifft auch auf sein nächstes Werk zu, das 1985 in Missouri spielt. Und es gibt eine Premiere: Der erste Erzählband mit zehn Geschichten („Die Wahrheit über das Lügen“ ) wird am 29. August beim Verlag Diogenes erscheinen. Einen Roman wie „Vom Ende der Einsamkeit“ vergleicht Wells gern mit einer mathematischen Gleichung. „Viel Minus, am Schluss kein Happy End, aber ein winziges Plus, so muss es sein.“

 

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