Belgisches Atomkraftwerk Tihange teilweise evakuiert

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
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Nach den Terroranschlägen von Brüssel wurde die Belegschaft in Tihange auf ein Minimum reduziert. Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte riegelten das Kraftwerk ab. Foto: Jungmann
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Nach den Terroranschlägen von Brüssel wurde die Belegschaft in Tihange auf ein Minimum reduziert. Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte riegelten das Kraftwerk ab. Foto: Jungmann
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Nach den Terroranschlägen von Brüssel wurde die Belegschaft in Tihange auf ein Minimum reduziert. Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte riegelten das Kraftwerk ab. Foto: Jungmann

Lüttich. Die belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel sind am Dienstag teilweise evakuiert worden. Alle Mitarbeiter des Betreibers Electrabel, die nicht für den Grundbetrieb der Meiler oder für die Sicherheit notwendig sind, wurden abgezogen, wie Sprecherin Anne-Sophie Hugé auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. In beiden Kraftwerken sind jeweils rund 900 Mitarbeiter angestellt.

Bei jedem werde nun überprüft, ob er für den Betrieb unverzichtbar sei. Alle anderen würden nach Hause geschickt. Das sei keine Entscheidung von Electrabel, sondern eine Anweisung der Regierung im Zuge der nach dem Terror von Brüssel verschärften Sicherheitsvorkehrungen.

Die Maßnahmen rund um die AKW Tihange bei Lüttich und Doel bei Antwerpen, aber auch um das Institut für Radioelemente in Fleurus und das Studienzentrum für Kernenergie in Mol wurden erhöht, wie Sébastien Berg, Sprecher der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

Bereits seit dem Wochenende werden die atomaren Anlagen von 140 Soldaten überwacht. Das hatte das belgische Innenministerium angeordnet, nachdem feststand, dass die Terroristen der Anschläge vom 13. November in Paris auch die belgischen Nuklearanlagen als potenzielle Anschlagsziele im Visier hatten. Die Maßnehmen seien am Dienstag verschärft worden, sagte Berg. Weitere Details könne man aus taktischen Gründen allerdings nicht nennen. Es ist aber anzunehmen, dass mehr Personal vor Ort ist.

In Tihange und Doel seien neben dem Militär auch die Polizei und der betriebseigene Sicherheitsdienst im Einsatz, sagte Electrabel-Sprecherin Hugé. Die Gitter und Tore rund um die Zentralen seien geschlossen worden. Niemand käme mehr ohne Personen- oder Fahrzeugkontrolle auf das Gelände oder auch nur auf den Parkplatz der Zentrale in Tihange, die Luftlinie nur 60 Kilometer von Aachen entfernt ist.

Die Sorge, dass belgische Atomkraftwerke potenzielle Anschlagsziele für Terroristen sind, ist nicht neu. Nach dem Attentat auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris im Januar 2015 hatte Alexis Housiaux, der Bürgermeister von Huy, um Spezialkräfte gebeten. Sie sollten das AKW Tihange schützen. Dieser Bitte war das Innenministerium damals nicht nachgekommen. Trotz einer erhöhten Gefahrenlage sah die belgische Regierung keinen Anlass, die atomaren Anlagen zu schützen. Daraufhin sei die örtliche Polizei zeitweise verstärkt worden, wie Housiaux unserer Zeitung mitteilte.

Nachdem ein Video im Internet Hinweise darauf gab, dass das nächste Ziel nach dem 13. November die belgischen AKW hätten sein können, änderte die belgische Regierung ihre Meinung. Recherchen einer französischen Tageszeitung zeigten, dass es auch Anfang März noch Ziel von Terroristen gewesen sei, Zugang zu einer der Atomanlagen zu bekommen und so einen atomaren Zwischenfall in Europa auszulösen. Das Video zeigte laut Medienberichten eine zehnstündige Überwachung eines hohen Funktionärs der belgischen Atomindustrie. Es soll sich laut belgischem Rundfunk um einen leitenden Mitarbeiter der Anlage Mol handeln. Gefunden wurde das Video demnach bei Mohamed Bakkali, der in die Pariser Anschläge involviert ist.

In der Vergangenheit hatte es ein Mann geschafft, sich Zugang zum AKW Doel zu verschaffen. Ilyass Boughalab arbeitete drei Jahre lang für eine Firma, die regelmäßige technische Prüfungen in der Zentrale durchführte. Später soll sich der Mann radikalisiert haben. Laut belgischem Rundfunk RTBF starb er 2012 als IS-Kämpfer in Syrien.

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