Belgischer Lehrer als Serienmörder vor Gericht

Von: Dieter Ebeling, dpa
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Jannsen Mordprozess Tongeren
Lehrer, Familienvater, Mörder? In Tongeren hat der Prozess gegen Ronald Janssen begonnen. Der ehemalige Lehrer soll mindestens drei Menschen umgebracht haben, möglicherweise sei er ein Serienmörder, berichten belgische Medien. Foto: dpa

Tongeren. Er gestand Morde an zwei Frauen und einem Mann, nun muss sich ein belgischer Lehrer dafür vor Gericht verantworten. Der Prozess vor einem Schwurgericht im belgischen Tongern begann am Dienstag mit der Auswahl zwölf Geschworener.

Ronald Janssen (40), Vater zweier Töchter und Lehrer für technisches Zeichnen, hatte angegeben, die zwei 18-Jährigen und einen 22-Jährigen aus sexuellen Motiven getötet zu haben. Voller Spannung wartet Belgien ab, ob Janssen im „Prozess des Jahrzehnts” - so Medien - möglicherweise noch mehr Lustmorde gesteht.

Belgien rätselt: Hat er noch andere Menschen auf dem Gewissen?

Bleich, aber ohne sichtbare Anspannung und mit der Hand in der linken Tasche seiner grünbraunen Hose erschien Janssen vor den Richtern im streng bewachten Gerichtssaal. Der Mann mit der Halbglatze musste sich zunächst nicht zu den Mordvorwürfen äußern. Am Dienstag wurden lediglich sieben Männer und fünf Frauen zu Geschworenen bestimmt. Der eigentliche Prozess soll am Freitag beginnen.

Mehrere Experten haben Janssen als Serientäter charakterisiert, der möglicherweise noch andere junge Frauen umgebracht habe. „Er hat noch nicht alles gesagt”, zeigte sich die in Namur erscheinende Zeitung „LAvenir” überzeugt. Unter Berufung auf die Ermittler berichteten Medien, Janssen habe unter anderem über eine schon länger zurückliegende Bluttat in Ostbelgien geredet, doch hätten die Ermittler keine Leiche finden können. Zu der Reihe von Mordfällen, die Ermittler in Verbindung mit Janssen brachten, gehörte auch das Verschwinden einer 16-jährigen Deutschen aus Vechta (Niedersachsen) 1996 an der belgischen Nordseeküste.

Im Prozess geht es um die Ermordung einer 18-Jährigen, die Janssen 2007 in seinen Wagen zwang, vergewaltigte und der er anschließend im Badezimmer den Kopf einschlug. Es geht auch um die Ermordung einer 18-Jährigen und deren 22 Jahre alten Freundes aus der direkten Nachbarschaft in Janssens Heimatort Loksbergen. Janssen hatte die beiden eigenen Angaben zufolge erschossen, weil er sich von dem jungen Mann beleidigt fühlte. Anschließend versuchte er die jungen Leute in deren Auto zu verbrennen.

Die Angehörigen der Opfer veröffentlichten am Dienstag einen gemeinsamen Brief, in dem sie die zahlreichen Journalisten aufforderten, während des Prozesses „Abstand zu halten” und ihnen keinen Fragen zu stellen. „Wir möchten der Verhandlung mit allem Ernst folgen und mit diesem neuen Leiden, das uns bevorsteht, in Stille fertig werden”, schrieben sie. Der Prozess werde schmerzlich sein: „Aber das ist nur ein Bruchteil jener Angst und jenes Schreckens, den unsere Kinder durchleiden mussten.”
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