Belgischer Atomausstieg ist möglich

Von: Madeleine Gullert, René Benden und Christian Rein
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Tihange
Aktuelle Studie: Belgien benötigt die umstrittenen Meiler Tihange 2 und Doel 3 nicht, um eine Energieversorgung zu gewährleisten. Foto: Oliver Berg/dpa

Aachen. Die maroden belgischen Atommeiler Tihange 2 und Doel 3 können bis spätestens 2020 abgeschaltet werden. Mehr noch: Ein Atomausstieg bis 2025, wie ihn Belgien bereits im Jahr 2003 beschlossen hat, ist möglich. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Aachener Büros für Energiewirtschaft und technische Planung (BET) und des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (IAEW) der RWTH Aachen im Auftrag des NRW-Umweltministeriums.

Die zentralen Inhalte der Untersuchung hat Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) zusammen mit den Autoren bei einem Besuch in unserer Redaktion exklusiv vorgestellt.

Allerdings müssten nach Ansicht der Wissenschaftler bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, um den Ausstieg tatsächlich zu schaffen. So müsse nicht nur die derzeit in Planung befindliche „Alegro“-Stromleitung zwischen Deutschland und Belgien möglichst schnell realisiert werden, sondern auch noch eine zweite derartige Verbindung zwischen den beiden Ländern geschaffen werden. Zudem müsse Belgien neue Erzeugungskapazitäten (etwa Windkraftanlagen oder Gaskraftwerke) schaffen.

„Mit den Ergebnissen der Studie möchten wir unsere Unterstützung anbieten, den vollständigen Atomausstieg 2025 sicher umzusetzen“, sagte Remmel im Gespräch mit unserer Zeitung. Er will nicht, dass die Nachbarn sich nicht bevormundet fühlen. Die Studie solle entsprechend Grundlage für Austausch und Zusammenarbeit sein. Dazu fordert Remmel von der Bundesregierung, mit Belgien und den Niederlanden konkrete Arbeitsstrukturen zu schaffen sowie feste Ziele zu vereinbaren, um Atomausstieg und Energiewende im Verbund zu bewältigen. „Mein Vorschlag ist, dazu eine Energiekommission mit Vertretern aus allen drei Ländern zu gründen“, sagte Remmel.

In Belgien spielt Strom aus Kernenergie bei der Versorgung eine wesentlich größere Rolle als in Deutschland. Bis zu 50 Prozent der erzeugten Menge stammen aus den insgesamt sieben Reaktoren an den beiden Standorten Tihange nahe Lüttich und Doel nahe Antwerpen. Ein so großer Schwerpunkt auf einem Energieträger sei allerdings problematisch, erklärte BET-Geschäftsführer Michael Ritzau, einer der Autoren der Studie. Denn ein Ausfall sei viel schwieriger zu kompensieren als bei einer dezentralen Versorgung. Im Falle eines Atomausstiegs sei Belgien deshalb auf Unterstützung aus den Nachbarländern angewiesen, um die Versorgungssicherheit und die Netzstabilität zu gewährleisten. Dafür müssten aber auch auf deutscher Seite die Voraussetzungen mit dem Bau von entsprechenden Leitungen geschaffen werden.

Bislang gibt es zwischen dem deutschen und dem belgischen Stromnetz keine direkte Verbindung. Die geplante „Alegro“-Stromtrasse zwischen Niederzier-Oberzier und dem belgischen Lixhe mit 1000 Megawatt (MW) Leistung soll Ende 2020 in Betrieb genommen werden, wie der Netzbetreiber Amprion auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Die Erdkabel-Trasse soll quer durch unsere Region führen und nahe dem Übergang Aachen-Lichtenbusch an der A44 die Grenze passieren. Wo eine in der Studie geforderte zweite Trasse mit einer Leistung von 2000 MW verlaufen und wie schnell sie gebaut werden könnte, ist noch völlig unklar. Als erstes müsse ein solches Projekt möglichst schnell bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden, um die Planungen zu konkretisieren sagte Remmel. Das werde die Landesregierung unterstützen.

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