Belgische Atomkraftwerke: Bedenkliche Bauteile verbaut?

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
Tihange Foto: Oliver Berg/dpa
Das umstrittene AKW in Tihange steht schon lange in der Kritik. Jetzt sorgen angeblich falsche Bauteile für neuen Zündstoff. Selbiges gilt für das AKW in Doel. Foto: Oliver Berg

Doel/Tihange. In den umstrittenen belgischen Atomkraftwerken Doel bei Antwerpen und Tihange bei Lüttich könnten bedenkliche Stahlteile mit Anomalien verbaut worden sein. Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC hat sich der Sache angenommen und fordert bei ihrem französischen Pendant und der französischen Firma Areva weitere Informationen an.

Es bestehe ein Risiko für Belgien, hieß es seitens der FANC. Der Verdacht: Großbauteile aus Stahl der Schmiede Creusot, die zum Energiekonzern Areva gehört, könnten gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen. Auch der französische Betreiber Engie-Electrabel solle nun Untersuchungen einleiten.

Dort will man zunächst die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten, sagte Geetha Keyaert, Electrabel-Sprecherin, auf Anfrage unserer Zeitung. Ja, Areva habe Teile nach Doel und Tihange geliefert. Aber es sei durchaus möglich, dass diese längst ausgetauscht worden seien, sagte Keyaert. „Wenn wir betroffen sind, reagieren wir.“

Hintergrund für die Untersuchungen sind erschreckende Ergebnisse der französischen Atomaufsicht ANS. Deckel und Bodenplatte des Reaktordruckbehälters eines neuen AKW im französischen Flamanville wiesen Unregelmäßigkeiten in der Zusammensetzung des Stahls auf. Das kann zu Rissbildung führen.

Seitdem muss Areva Zertifikate für alle in Crusot gefertigten Stahlbauteile seit 2004 auf Anordnung der ANS untersuchen. Die Dokumente könnten gefälscht sein, weil die Bauteile nicht den Anforderungen genügen. Laut ANS könnte es tatsächlich bei 400 von 10.000 untersuchten Teilen „Inkohärenzen“ geben. Areva beliefert alle AKW in Frankreich und einige in den USA.      

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