Belgiens Chef der Atomaufsicht „nicht tragbar“

Von: Madeleine Gullert
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Korruption eingestanden: Belgiens oberster Atomaufseher Jan Bens. Foto: FANC

Aachen. Die Grünen im Bundestag fordern den Rücktritt des Leiters der belgischen Atombehörde FANC (Föderale Agentur für Nuklearkontrolle). Ein beiläufiges Korruptionsgeständnis zeige, dass Jan Bens nicht auf dem Boden des Rechtsstaates stehe, sagte Oliver Krischer, energiepolitischer Sprecher der Grünen, unserer Zeitung.

„Ein solcher Mensch ist für jede öffentliche Aufgabe ungeeignet. Erst recht als Verantwortlicher für die Sicherheit von Atomkraftwerken“, sagte der Dürener Bundestagsabgeordnete. „Die belgische Regierung sollte die Konsequenzen ziehen und ihn entlassen.“

Jan Bens, Direktor der FANC, hatte in einem Interview mit der Zeitung „Le Soir“ zugegeben, in Korruption verwickelt gewesen zu sein. Die Karriere des Mannes, der über die Zukunft der maroden AKW-Blöcken Tihange 2 und Doel 3 entscheidet, hängt am seidenen Faden.

1995 sei Bestechung in Kasachstan nun einmal üblich gewesen, wird Bens zitiert. Damals war er Leiter eines Kraftwerks des Energiekonzerns Electrabel, für den er bis 2007 arbeitete. Electrabel betreibt auch Doel und Tihange. Seit 2013 ist Bens bei der FANC. Man habe ihm Schmiergeld in Umschlägen angeboten, und „ich habe anderen welche angeboten. In Kasachstan, da lief alles über Bargeld“, sagte Bens.

„Kann man Bens noch vertrauen“, fragt der belgische Grünen-Abgeordnete Jean-Marc Nollet (Ecolo) – gerade vor dem Hintergrund, dass das Parlament seit Mittwoch über die Laufzeitverlängerung von Doel 1 und 2 berät. „Es ist ein weiteres Puzzleteil im Sittengemälde der Atomwirtschaft. Rund um Doel und Tihange wird seit Jahren gelogen mit dem Ziel, die Schrottreaktoren in Betrieb zu halten“, kritisierte Krischer.

Bens muss sich am Freitag vor dem Verwaltungsrat der Atombehörde erklären, wie FANC-Sprecher Sébastien Berg am Mittwoch auf Anfrage mitteilte. Bis dahin äußere man sich nicht zu dem Inhalt des „Le Soir“-Interviews. Nur so viel: „Bens hat lediglich einmal einen Arzt bestochen“, sagte Berg. Ein Kollege Bens habe ein gebrochenes Bein gehabt, der Arzt hätte ihn mitten in der Nacht aber nicht behandeln wollen. Deshalb habe Bens dem Mediziner Geld zugesteckt.

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