Brüssel - Belgien verabschiedet sich von Super 95

Belgien verabschiedet sich von Super 95

Von: Detlef Drewes und Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
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Langsame Umgewöhnung: Seit Januar gibt es in Belgien kein Super 95 mehr, sondern nur noch E10. Damit sich die Kunden daran gewöhnen, stehen auf dem grünen Aufkleber an einer Tankstelle in Eynatten noch beide Bezeichnungen. Foto: Michael Jaspers

Brüssel. Die Umstellung an den belgischen Zapfsäulen war zwar angekündigt. Dennoch vollzog sie sich am 1. Januar eher unbeachtet: Das Super-95-Benzin ist aus dem Angebot verschwunden, stattdessen bieten die belgischen Tankstellenbetreiber ab sofort flächendeckend den Umweltkraftstoff E10 an.

Anders als in Deutschland, wo die Autofahrer weiter zwischen E10 oder Super 95 wählen können, entschied sich die belgische Regierung schon im Juli 2016 für den radikalen Schnitt. E10 hat einen doppelt so hohen Anteil an Bioethanol. Der Sprit wird aus Produkten wie Weizen, Mais oder Zuckerrüben gewonnen. Die Nachbarn kommen mit der Revolution an der Zapfpistole einer EU-Richtlinie nach. Sie schreibt vor, den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor bis 2020 auf zehn Prozent zu steigern.

Rund 300.000 Wagen betroffen

Doch die Unsicherheiten, die es in der deutschen E-10-Debatte gegeben hat, lernt nun auch Belgien kennen. „Die meisten Fahrzeuge, die in unseren Breitengraden laufen, sind E-10-tauglich“, sagte Michael Johnen, Präsident des Kfz-Branchenverbandes in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, vor wenigen Tagen. Doch die Skepsis bei den Autobesitzern bleibt groß, der Ansturm auf die entsprechenden Info-Tabellen im Internet ist enorm.

Dabei können die Besitzer von Fahrzeugen, die nach dem Jahr 2000 gebaut wurden, sich eigentlich sicher sein, dass ihr Motor für den angereichten Bio-Sprit geeignet ist. Lediglich Autos, die mehr als 16 Jahre alt sind, sollten sich zurückhalten. Schätzungen gehen von insgesamt rund 300.000 betroffenen Fahrzeugen in Belgien aus, wie die Tageszeitung „Le Soir“ schreibt.

Für die betroffenen Fahrzeughalter wird der Betrieb in jedem Fall teurer: Zum einen, weil in Belgien die Preise für Kraftstoff ohnehin am Jahresanfang leicht angehoben wurden und außerdem der Spritverbrauch mit E10 um bis zu 1,5 Prozent höher liegen dürfte. Zum anderen, weil ihnen nur der Griff zum Superbenzin mit 98 Oktan bleibt. Und der Treibstoff ist deutlich kostspieliger als der bisherige 95er-Sprit.

Viele Tankstellenpächter in der Deutschsprachigen Gemeinschaft befürchten aber, dass die Kunden ganz ausbleiben und zum Nachtanken über die Grenze nach Deutschland fahren, wo sie nach wie vor die Wahl zwischen beiden Kraftstoffarten haben. „Ich denke mal, dass einige hiesige Kunden, die nicht sicher sind, nach Aachen fahren und da tanken gehen“, sagte Rainer Klein, Tankwart einer freien Tankstelle in Eupen, gegenüber dem BRF.

Während einige belgische Tankstellen schon seit Anfang Dezember auf E10 umgestellt haben, bekommen Kunden an der Q8-Tankstelle in Eynatten noch einige Zeit lang Super 95. Restbestände dürfen nämlich auch nach dem 1.Januar noch abverkauft werden. Der Ärger hielte sich deshalb noch in Grenzen, sagte die Tankstellen-Angestellte am Mittwoch. Zudem sei ja auch noch Ferienzeit und somit wenig Betrieb insgesamt. Man sei aber gespannt bis besorgt, wie sich die Tanksituation entwickeln werde, ob viele Kunden den kleinen Umweg nach Aachen wählen werden, um weiterhin Super 95 zu tanken zu können.

Zu früh für eine Bilanz

Noch bemerken die Tankstellen auf deutscher Seite im Grenzgebiet keinen großen Ansturm belgischer Kunden. „Nach vier Tagen ist es zu früh, eine Veränderung festzustellen – zumal viele Menschen noch Urlaub machen“, hieß es an der Esso-Tankstelle in Aachen an der Monschauer Straße nahe des Grenzübergangs Aachen-Lichtenbusch. Auch an der Shell-Tankstelle in Aachen-Brand direkt an der A44 fanden die Betreiber es am Mittwoch noch zu früh für eine Aussage.

In der Bundesrepublik hat sich E10 bis heute nicht wirklich durchgesetzt. Zwar steigt der Anteil des Bio-Kraftstoffs seit Jahren stetig um im Schnitt fünf Prozent. Doch der Großteil der Autobesitzer vertraut weiter nur dem normalen Super 95, dem Belgien nun von einem Tag auf den anderen komplett den Garaus gemacht hat.

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