Belgien: Kirche empört über Indiskretionen zu Justizermittlungen

Von: kna
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Brüssel. Die katholische Kirche in Belgien hat gegen Indiskretionen in der Justiz des Landes protestiert. Sollten Medien aus Justizkreisen über Inhalte der Ermittlungen im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen informiert worden sein, wäre das unerhört und müsse Folgen haben, sagte der Anwalt des Erzbistums Mechelen-Brüssel, Fernand Keuleneer, am Mittwoch vor Journalisten in Brüssel.

Der Sprecher der Belgischen Bischofskonferenz, Eric de Beukelaer, sagte, die Bischöfe wollten korrekt mit der Justiz zusammenarbeiten. Dazu gehöre, den Fragen der Ermittler zu antworten, statt auf Medienberichte reagieren zu müssen.

De Beukelaer bestätigte indirekt, dass bei der umstrittenen Durchsuchung am Sitz des Erzbistums in Mechelen am 24. Juni vertrauliche Unterlagen aus dem Fall des Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux gefunden wurden. Zwar habe die belgische Kirche noch immer keine Liste erhalten, was alles beschlagnahmt worden sei. Allerdings handele es sich offenbar um zwei CD-ROMs, die dem Erzbistum wie zahlreichen anderen Stellen von einem Dritten zugesendet worden seien. Es handele sich also nicht um einen „einzigartigen Fund”, wie es in Medien geheißen habe.

Die Zeitung „De Morgen” berichtete am Mittwoch, das Material sei Danneels von einem britischen Satiremagazin zugeschickt worden. Während des Prozesses 2004 sei das auf drei DVDs zusammengefasste komplette Dutroux-Dossier in die Hände von Gerichtsjournalisten gelangt. Das Magazin „The Sprout” habe die These vertreten, die Dutroux-Opfer seien von einem Netzwerk hochrangiger belgischer Politiker und Kirchenvertreter missbraucht worden. Die Zusendung an Danneels sei erfolgt, um den Kardinal zu einer Reaktion zu bewegen.

Der frühere Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Kardinal Godfried Danneels (77), war am Dienstag von der belgischen Justiz mehr als zehn Stunden verhört worden. Medien berichteten am Mittwoch, der Kardinal habe bestritten, Missbrauchsfälle in der Kirche des Landes gedeckt zu haben. Im Fernsehsender RTL hieß es, in 50 Missbrauchs-Dossiers werde berichtet, dass Danneels über die Vorfälle informiert worden sei.

Die Staatsanwaltschaft muss nach dem Verhör prüfen, ob der zunächst als Zeuge vernommene Kardinal wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt wird. Darüber sei noch nicht entschieden, erklärten Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Nicht ausgeschlossen sei auch, dass Danneels abermals verhört werde. De Beukelaer dementierte, dass Danneels während der Vernehmung ein Unwohlsein befallen habe. Dass ein Arzt hinzugezogen worden sei, sei angesichts des hohen Alters des Kardinals normal. Danneels stand rund 30 Jahre, von Ende 1979 bis Anfang 2010, an der Spitze des Erzbistums Mechelen-Brüssel und der Belgischen Bischofskonferenz.
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